Pirmasens
Neuer Aktionsplan: B10 ist die schlimmste Lärmquelle der Stadt
Die Aufstellung des Lärmaktionsplans war keine Idee der Stadtverwaltung. Im Bundesimmissionsschutzgesetz sind die Städte aufgefordert, Strategien zur Lärmminderung mit solch einem Plan zu entwickeln. Es wurden Lärmkarten erstellt, um zu wissen, wo konkret in der Stadt der Lärm am schlimmsten ist. In Pirmasens ist es ganz klar die B10, die als gravierendste Lärmquelle in der Stadt gesehen wird. Die weiteren Straßen mit Lärmproblemen sind laut Aktionsplan die Rodalber Straße, Lemberger Straße und Zweibrücker Straße im Bereich der Einkaufsmärkte. Weitere Straßen mit einer Situation, die laut Stadtverwaltung „verbesserungswürdig“ ist, sind die Blocksberg- und Kaiserstraße.
Neue Fahrbahnbeläge reduzieren Krach
In dem Aktionsplan werden Maßnahmen zur Lärmreduzierung genannt, die bereits umgesetzt worden sein sollen. Unter anderem wird der vierspurige Ausbau der B10 mit Lärmschutzwänden aufgeführt, aber auch die Anlage von Radschutzstreifen, die Anschaffung von Elektrorädern für die Stadtverwaltung oder die Optimierung des Verkehrsrechners mit einer Grünen Welle in der Schäferstraße sowie Tempo 30 vor Kindergärten und Schulen. Das Straßenausbauprogramm wird ebenfalls als lärmmindernd gutgeschrieben, da mit neuen Fahrbahnbelägen der Krach der Autos vermindert werde. Interessant sind weitere Punkte wie die Verankerung der Weiterführung der L600 im Flächennutzungsplan und gleichzeitig die Planung der Ortsumgehung Niedersimten als lärmmindernde Maßnahmen, obwohl nach einem Bau der Niedersimter Umgehung die L600 wohl kaum quasi parallel dazu weitergeführt werden dürfte. Den Verkehrsentwicklungsplan mit seinen eventuellen Verbesserungen für Fußgänger und Radfahrer sieht die Verwaltung ebenfalls als Schritt in Richtung Lärmminderung.
Bereiche mit ganztägig 75 Dezibel
Spannend wird der Lärmschutzplan bei den Maßnahmen, die in den kommenden fünf Jahren realisiert werden sollen. Hier werden die großflächige Ausweisung von Tempo-30-Zonen und weitere Tempolimits, die auch nur zeitlich beschränkt erlassen werden könnten, genannt. Der Radverkehr soll gefördert werden und der Busverkehr durch Umbau der Haltestellen. Fahrverbote für den Schwerverkehr nennt der Aktionsplan ebenso als Maßnahmen in den kommenden fünf Jahren, wobei hier auch nur nachts ein Lkw-Fahrverbot verhängt werden könnte. Bei Lärmpegeln von mehr als 55 Dezibel in der Nacht können Belastungen als gefährlich für die Gesundheit angesehen werden, betont der Aktionsplan.
Wenn der Lärmpegel über 60 Dezibel in der Nacht liegt, reiche das bereits, um Tempolimits auch auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen zu erlassen. Das betrifft in Pirmasens rund 2500 Menschen, die laut dem Plan ganztägig hohen Belastungen mit über 60 Dezibel ausgesetzt seien. Weitere 2700 Menschen seien in der Nacht mit hohen Belastungen von mehr als 50 Dezibel konfrontiert. In Pirmasens soll es sogar Bereiche mit 145 Wohnungen geben, die ganztägig einem Krach von mehr als 75 Dezibel ausgesetzt sein sollen. Sehr hohe Belastungen mit mehr als 65 Dezibel betreffen 1800 Pirmasenser. Wo diese besonders belasteten Pirmasenser konkret wohnen, ist nicht aufgelistet.
Plan verursacht keine direkten Kosten
Der Lärmaktionsplan wurde nur von Mitarbeitern der Stadtverwaltung erstellt und verursachte damit keine direkten Kosten. Die Öffentlichkeit war während einer vierwöchigen Offenlage im März 2019 beteiligt. Hierbei gingen nur zwei Stellungnahmen von Bürgern ein, die sich wegen Raserei in der Bitscher Straße und der Windsberger Straße beklagten. Die Bitscher Straße sei bereits Teil des Aktionsplans, während die Windsberger Straße wegen ihres geringen Verkehrsaufkommens nicht in den Plan aufgenommen wurde.