Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Ausstellung im Mannlich-Haus

Kühle Schönheit: Foto von Eduard Stranadko.
Kühle Schönheit: Foto von Eduard Stranadko.

Neben bekannten Zweibrücker Künstlern präsentiert das Mannlich-Haus in seiner neuen Ausstellung Fotokunst des Ukrainers Eduard Stranadko.

Der Professor für Fotokunst aus Kiew flüchtete 2022 nach Deutschland, wo seine Frau Natalia Scarlatti bereits eine neue Heimat gefunden hatte, bei Bekannten in Zweibrücken. „Als eine Rakete in den Hof einschlug, wusste ich, dass es Zeit ist zu gehen“, erinnerte er sich. „Meine imaginären Freunde“ heißt seine Ausstellung im Mannlich-Haus, in der er sich mit künstlicher Intelligenz auseinandersetzt. Dabei wendet er verschiedene Techniken an. Manchmal fotografiert er Personen und ersetzt ihre Gesichter dann durch künstlich erstellte, die dann oft wie Models aussehen. Eine andere Technik besteht darin, dass er Straßenszenen aufnimmt und sie durch die Bildbearbeitung wie ein Gemälde aussehen lässt.

Der 1958 in Jankoi in der damaligen Sowjetunion geborene Künstler hat bereits in Berlin, München, Straßburg und China ausgestellt, seit seiner Flucht nach Zweibrücken hat er schon zwei Fotobände über die Stadt und ihre Umgebung erstellt. Zur Zeit kämpft er allerdings auch mit einer schweren Erkrankung. Im Mannlich-Haus fallen auf den ersten Blick seine Frauenporträts ins Auge, die spontan an Stars der Ära des Schwarz-Weiß-Films denken lassen. Der Besucher fühlt sich in die Welt des Lichtspieltheaters versetzt, in dunkle Kinosäle, in denen geheimnisvolle Welten und Personen zum Leben erwachen.

Greta Garbo winkt aus der Ferne

Mit großen Augen blickt eine Frau vor sich hin, in eine ungewissen Zukunft, mit erwartungsvoll geöffneten Lippen, während sie sich mit einem jungen Mann bei einem Drink unterhält. Doch was sie ersehnt oder zu sehen scheint, bleibt dem Betrachter verborgen, auch ihr Partner versucht vergeblich, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Eine andere Frau scheint sie währenddessen zu beobachten, schemenhaft wie durch eine Glaswand, in einer irgendwie verfremdet wirkenden Perspektive. Assoziationen an Greta-Garbo-Filme wie „Menschen im Hotel“ werden unwillkürlich wach. Wie viel Kommunikation ist möglich in einer Welt, in der jeder auf sich selbst zurückgeworfen wird? Diese Frage legt das Bild unwillkürlich nahe.

Eine andere Aufnahme zeigt das Porträt einer jungen Frau, die der Welt mit entschlossenem Trotz begegnet. Wie in einer filmischen Nahaufnahme blickt sie dem Betrachter entgegen, mit entschlossenem Ausdruck, während das Gesicht ihres jungen Begleiters halb von einem Hut verschattet wird – ein Topos, der vielen Fans des französischen Stars Alain Delon bekannt vorkommen dürfte. Eine andere Aufnahme zeigt eine wunderschöne junge Frau mit honigblondem langem Haar, deren geheimnisvoller Blick eine unausgesprochene Aufforderung erahnen lässt.

Von Skepsis bis zu Ablehnung

Auch ein Gruppenfoto findet sich unter den Werken von Eduard Stranadko, das auf den zweiten Blick aber mehr wie eine Collage wirkt. Vor den verschwommenen Fensterfassaden eines Hochhauskomplexes treten die Gesichter von jungen Frauen und Männern in einer markanten Plastizität hervor, ihr Ausdruck variiert von fragender Skepsis bis hin zu Verschlossenheit oder offener Ablehnung.

In anderen Aufnahmen zeigt Eduard Stranadko Gesichter, die übergroß aus schemenhaften Massen hervortreten, in denen sie sich zu verlieren drohen. Verstört wirkt ein junger Mann, auf der Suche nach etwas, das er selbst vielleicht gar nicht explizit benennen kann. Eine junge Studentin, die vermutlich gerade aus der U-Bahn kommt und ganz versunken in einem Buch blättert, wirkt da weit weniger verstörend.

Farbenfrohe Ruhe

Ein ganz anderes Großstadtpanorama präsentieren dagegen die Arbeiten von Hanno Huwer. Ganz in der Tradition der US-amerikanischen Street Art, präsentiert er Serien von Collagen, in denen er Zeitungsausschnitte und Werbung einander gegenüberstellt. Bunt und farbenfroh sind seine Arbeiten, in der Konfrontation entwickeln sie eine eigene Dynamik und Plastizität. Auch Menschen treten bisweilen in schattenhafter Gestalt und Brandfackel schwingend aus diesem Dschungel der Schlagzeilen und Texte hervor, der mit Farbe und Form spielt.

Eine tiefe Ruhe strahlen dagegen die Skulpturen des Bildhauers Raymond David aus. Vögel und Delfine finden sich in seinem Figurenpanorama, aber auch ein innig ineinander verschmelzendes Paar oder die Gestalt einer ganz in ihrer Pose versunkenen Tänzerin.

Ausstellung

Die Schau im Mannlich-Haus in Zweibrücken ist an jedem Samstag des Monats von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

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