Pirmasens
Nach zehn Jahren ist Schluss: Modehaus Niebel schließt 2026
Nach zehn Jahren ist Schluss: Bernd Niebel, der mit seiner Modehauskette am 8. September 2016 in der Fußgängerzone das Modehaus Adler übernommen hat, verlängert seinen Mietvertrag nicht. Was bedeutet: Am 31. August schließt die Pirmasenser Niebel-Filiale. Niebel selbst war am Mittwoch nicht zur erreichen, aber Bernd Adler, Inhaber der Immobilie in der Hauptstraße 50, hat in Abstimmung mit Niebel die Nachricht verkündet. Als Grund für Niebels Ausstieg nach zehn Jahren gibt Adler an, dass Bernd Niebel die Entfernung von Pirmasens zum Rhein-Neckar-Raum, wo sich alle anderen Modehäuser befinden, falsch eingeschätzt habe: Die Wege waren zu weit.
Niebel hat dem Hauseigentümer schon frühzeitig reinen Wein eingeschenkt, sodass Adler nun mehr als ein Jahr Zeit hat, um eine Nachfolgelösung zu suchen. Für ihn gibt es keinen Zweifel, wo seine Prioritäten liegen: „Ich möchte dafür sorgen, dass ein Textilkaufhaus an diesem Standort bleibt.“ Das 1938 gegründete Modehaus Adler hat sich seit 1950 in der Hauptstraße 50 befunden, bis Bernd Adler es 2016 an Bernd Niebel übergeben hat. Weil es keine familiäre Nachfolgelösung gegeben hat, zog sich Adler zurück und fand in Niebel einen Unternehmer aus der Branche, der das Modehaus weitergeführt hat. Eigentümer der Immobilie blieb allerdings Adler, der sich nun mit 69 Jahren noch einmal auf die Suche nach der Zukunft des Modestandorts machen muss.
Höhe der Miete ist zweitrangig
„Die Frage der Miete hat keinen Vorrang“, betont Adler, dass es ihm nicht rein um die Finanzen geht: „Ich werde da offen für Kompromisse sein, bin jederzeit verhandlungsbereit, wenn ich etwa einem Existenzgründer entgegenkommen muss.“ Dem Pirmasenser Geschäftsmann ist es wichtig, dass die 900 Quadratmeter Verkaufsfläche auf drei Stockwerken in der Hauptstraße 50 auch nach dem 31. August 2026 von einem Bekleidungsgeschäft genutzt werden. Die 70 Quadratmeter im Erdgeschoss in der Hauptstraße 48 sind angemietet und werden nach Niebels Rückzug wieder abgetrennt.
In den vergangenen Tagen hat Adler schon Filialisten kontaktiert, ist aber auch anderen Lösungen gegenüber offen: Regionale Unternehmer aus der Branche oder fachkundige Existenzgründer sind ihm genauso willkommen. Denn die Infrastruktur auf den drei Stockwerken ist vorhanden, es müsse lediglich in die Erstausstattung der Ware investiert werden. Adler wäre sogar bereit, seinen Firmennamen zu reaktivieren, wenn das gewünscht werden – frei nach dem Motto: „Adler is back.“
Ohne das Modehaus ist der Alte Markt tot
Auch mit der City-Managerin hat er schon gesprochen, ebenso mit der Stadtspitze, um gemeinsam nach einem neuen Mieter zu suchen. Denn der Pirmasenser Unternehmer, der lange Jahre in der CDU-Fraktion im Stadtrat saß, weiß auch um die Bedeutung dieses Standorts. Gäbe es in der Hauptstraße 50 einen Leerstand, wäre die Fußgängerzone am Alten Markt quasi tot, nachdem schon zu Jahresanfang das benachbarte Haushaltswarengeschäft Wölfling nach mehr als 175 Jahren geschlossen hat. Daher muss auch die Stadt ein Interesse an einer Nachfolgelösung haben, ist sich Adler sicher.
Der Pirmasenser Unternehmer will in den nächsten Monaten nichts unversucht lassen, um dem Modestandort am Alten Markt eine Zukunft zu geben. Erst wenn er sich sicher ist, dass es keine Lösung für ein Textilkaufhaus geben wird, will er sich alternativen Nutzungen zuwenden.
