Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Mutmacher helfen Realschülern bei der Berufsfindung

Celine Nicolaus (von links), Catherina Bluhm, Dominik Kölsch und Philipp Kennel finden das Mutmacher-Seminar prima, weil es ihne
Celine Nicolaus (von links), Catherina Bluhm, Dominik Kölsch und Philipp Kennel finden das Mutmacher-Seminar prima, weil es ihnen ihre Stärken aufzeigt.

Wer bin ich? Was kann ich? Diesen Fragen geht das Berufsorientierungsseminar „Mein mutiger Weg“ auf die Spur, für das die Hauensteiner Gründer Pascal und Frederic Keller in der vergangenen Woche mit dem Zukunftspreis Westpfalz Award ausgezeichnet wurden. Am Donnerstag gastierte das Mutmacher-Team an der Käthe-Dassler-Realschule Plus.

Als eine Art „moderne Berufsberatung“ sieht Mutmacher Patrick Piel das Seminar, das er mit Annika Schiefer und Alwin Pianka leitet. Er selbst ähnelt in seiner Rolle einem Entertainer, der problemlos die Schüler bei der Stange halten kann. Egal, ob er sie mit Lob motiviert, aus der Reserve lockt oder auch mal zur Ruhe bitten muss. Sein Plus: Er spricht ihre Sprache. Auf „Eh, Alter. Das ist respektlos“, reagieren die Jungs. Außerdem läuft ständig Musik im Hintergrund, die den Jugendlichen gefällt und sie motiviert. Und dann gibt es noch einen Selfie-Point, am dem sich die Schüler mit den Seminarleitern oder alleine ablichten können. Zuvor suchen Sie sich Schilder mit Sprüchen aus: „Warum? Keine Ahnung, aber es war geil“ steht darauf, oder einfach: „In love“ oder „Limited Edition“.

Seit dem Start im Jahr 2018 habe sich viel getan, erzählt Mutmacher Piel. Waren es anfangs Seminare mit nur sehr wenigen Schülern, sei das Angebot inzwischen etabliert. In neun Bundesländern sei das Team unterwegs, sagt Schiefer. 25.000 Schüler hätten sie auf diese Art und Weise schon erreicht. Für ihren Erfolg mit dem Start-up „Mein mutiger Weg“ wurden die Gebrüder Keller aus Hauenstein in der vergangenen Woche mit dem Westpfalz Award des Vereins „Zukunftsregion Westpfalz“ ausgezeichnet.

Im Vordergrund des Seminars stehe nicht nur die Berufsorientierung, sondern auch die Persönlichkeitsbildung, sagt Piel, der die Schüler für ihre individuellen Chancen begeistern will. Ängste, die falsche Entscheidung zu treffen, sollen den Schülern genommen werden, betont er. Genauso der Druck, studieren zu müssen. Die Schüler sollen erkennen, dass das, was sie mitbringen, sich hervorragend für eine Ausbildung eignet.

Die Strategie: Die Schüler sollen erkennen, welche Stärken sie haben. Dann sind die Mitschüler gefragt. Die können ihr Gegenüber oft sehr viel besser einschätzen, findet Piel. Drei- bis viermal die Woche veranstalten die Mutmacher das Seminar – immer in einer anderen Stadt, einem anderen Bundesland. An der Käthe-Dassler-Realschule Plus findet das Seminar zum zweiten Mal statt.

Das Angebot gilt diesmal den drei achten Klassen, informiert Andrea Adler, Konrektorin und pädagogische Koordinatorin der Käthe-Dassler-Realschule Plus. Das seien circa 80 Schüler. „Viele Schüler haben keinen Plan darüber, was nach der Schule passieren soll“, so Adlers Beobachtung. Außerdem würden sie oft genug hören, was sie nicht können. Was schlichtweg fehle sei das Selbstbewusstsein. Von ihren positiven Seiten hätten viele keine Ahnung. Dass am Donnerstag schon viele Achtklässler eine Vorstellung davon hatten, was sie später beruflich machen wollen, wertet sie als positives Zeichen.

Circa 3000 Euro koste das Seminar, informiert Pakt-Koordinatorin Martina Fuhrmann, die aus ihrem Spendentopf die Hälfte zahlt. Die zweite Hälfte zahle die Arbeitsagentur für Arbeit.

Viereinhalb Stunden dauert ein Mutmacher-Seminar, in dem die Stärken eines jeden anhand eines „Workbooks“ herausgearbeitet wird. Das fanden die meisten Schüler spannend. Catherina Bluhm (13) war davon angetan von anderen zu erfahren, dass sie Menschen wunderbar zum Lachen bringen kann. Zu ihrem Berufswunsch passe das ganz gut. „Ich will Erzieherin in einer Kita werden“, erzählt sie im Gespräch. „Besser als Unterricht“, urteilt Philipp Kennel (13), der das Thema Stärken und Schwächen gar nicht so auf dem Schirm hatte. Seine Stärke: die Kreativität.

Für sechs Monate können die Schüler ein kostenloses E-Mail-Coaching in Anspruch nehmen. Ein Viertel der Teilnehmer nehme das Angebot in Anspruch, erzählt Piel, nicht zuletzt, um ihre persönlichen Anliegen vorzutragen.

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