Pirmasens Musiktage enden mit einer Uraufführung

Das Finale der 19. Rosenberger Musiktage rückt näher. Am Sonntag, 28. August, um 19 Uhr beginnt das letzte von vier Konzerten dieser kleinen, aber renommierten kirchenmusikalischen Reihe, zu der Besucher auch Anfahrtswege von bis zu 100 Kilometern in Kauf nehmen. Zu Gast sind das „Ensemble Cantissimo“ und das „Rascher Saxophon Quartett“ unter der gemeinsamen Leitung von Markus Utz.
Das im Jahre 1994 gegründete „Ensemble Cantissimo“ gehört zu den gefragtesten Vokalensembles im deutschsprachigen Raum. Der Name ist Programm: „cantissimo“ bedeutet die Fokussierung auf A-cappella-Gesang. Dabei gilt das Hauptinteresse seit jeher unerhörter Musik abseits des üblichen Repertoires. Mit seinen charakteristischen Interpretationen und der ungewöhnlichen Programmauswahl begeistert der Chor mit Mitgliedern aus Deutschland und der Schweiz unter der Leitung von Markus Utz die Kritiker und das Publikum gleichermaßen. Regelmäßige Einladungen zu namhaften Festivals sowie die enge Zusammenarbeit mit Rundfunkanstalten zeugen von der hohen Wertschätzung, die der Vokalkunst des Ensembles entgegengebracht wird. Auch bei den zahlreichen CD-Einspielungen von „Cantissimo“ stehen besondere Raritäten wieder entdeckter Chormusik im Mittelpunkt. So beschäftigen sich die Aufnahmen mit den geistlichen Werken des Mozart-Lehrers Giovanni Battista Martini oder dem Marienzyklus „Mater Dei“ des Freiburger Komponisten Franz Philipp. Außerdem erschien 2010 „I Himmelen“ mit Skandinavischer Chormusik. Der Carus-Verlag Stuttgart engagierte 2011 das Ensemble für die Ersteinspielungen der Chorwerke des Brahms-Zeitgenossen Heinrich von Herzogenberg, die inzwischen auf drei CDs zu hören sind. Das „Rascher Saxophon Quartet“ trat seit seiner Gründung 1969 regelmäßig in den bedeutendsten Konzertsälen der USA, Asiens und Europas auf, von der Carnegie Hall und dem Lincoln Center in New York, der Opera Bastille in Paris bis zum Schauspielhaus Berlin und der Royal Festival Hall London. Die „Wiener Zeitung“ nannte das Quartett die „ungekrönten Könige des Saxophons“ und ein Kritiker der „Welt“ behauptete, „wenn es eine olympische Disziplin des virtuosen Bläserspiels gäbe, dann müsste dieses Quartett unbedingt eine Goldmedaille erhalten“. Das „Rascher Saxophon Quartet“ setzt eine Tradition fort, die in den 30er Jahren von Sigurd Rascher, dem Pionier des klassischen Saxophons und Gründer des Quartetts, begonnen wurde. Er regte viele Komponisten an, Stücke für ihn zu schreiben. In ganz ähnlicher Weise hat das Quartett über 290 Komponisten inspiriert, ihm Werke zu widmen. Diese Komponisten waren begeistert von der homogenen Tonqualität, der Virtuosität und der dynamischen Interpretation alter und neuer Musik der vier Musiker. Bezüglich ihrer Bach-Interpretationen schrieb der Musikwissenschaftler Ulrich Dibelius, dass, wenn das „Rascher Quartet“ spielt, „die Musik eine seraphische Aura erhält – als hätten Orgel und Streichquartett sich miteinander vermischt“. Nachdem das „Rascher Saxophon Quartet“ schon mit so unterschiedlichen Künstlern und Gruppen wie Otto Sander, den „London Voices“, dem finnischen und den belgischen Radio-Chören aufgetreten ist, hat es nun zusammen mit dem „Ensemble Cantissimo“ ein Projekt entworfen, mit dem sie auch gemeinsam in der Wallfahrtskirche Maria Rosenberg auftreten. Es widmet sich zu einen mit „Immortal Bach“ dem 100. Geburtstag des norwegischen Komponisten Knut Nystedt, der der Chormusik des 20. Jahrhunderts viele neue Impulse gab. Zum anderen erklingen Werke von Johann Sebastian Bach, in der selten zu hörenden Kombination aus Stimmen und Saxophon-Quartett. Das Hauptaugenmerk des Konzerts mag aber wohl auf der Uraufführung des für diese beiden Gruppen neu komponierten Saxophon-Chor-Konzertes „Litanies“ des jungen norwegischen Komponisten Marcus Paus liegen, das dem Konzert auf Maria Rosenberg auch seinen Titel gegeben hat. Der 1979 geborene Marcus Paus ist einer der meist aufgeführten norwegischen Komponisten seiner Generation. Er ist ein Vertreter der Rückbesinnung auf die Tradition, Tonalität und Melodik und seine Werke werden international vom Publikum und den Kritikern gleichermaßen gelobt. Paus studierte an der norwegischen Musikakademie und der Manhattan School of Music. Seine Werke umfassen Kammermusik, Chorwerke, Solokonzerte, Orchesterwerke, Opern, Symphonien und auch Kompositionen für Film, Theater und Fernsehen. Im Jahr 2010 war er künstlerischer Leiter des Oslo Opera Festivals. sein Werk „Litanies“ beschreibt er als vollwertiges Konzert für Saxophon-Quartett und Chor nach Texten des englischen Antikriegslyrikers Siegfried Sassoon. Die Gedichte aus dem Zyklus „The Road to Ruin“ (1933) handeln vom Ersten Weltkrieg, von Zerstörung und Trostlosigkeit, aber auch von der Wachsamkeit und Hoffnung danach. (han) Das Programm —Knut Nystedt: Chorimprovisationen über „Immortal Bach“ für Saxophone und Chor; „Three Motets“ und „O Crux“. —Johann Sebastian Bach: Aus Kunst der Fuge: „Contrapunctus I“; „Singet dem Herrn“ Bwv 225; aus Kunst der Fuge: „Contrapunctus XI“. —Marcus Paus: „Litanies“ (Uraufführung). Karten Karten für das Konzert gibt es für 15 (ermäßigt zwölf) Euro im Geistlichen Zentrum Maria Rosenberg, Telefon 06333/923200, E-Mail info@maria-rosenberg.de. (han)