Pirmasens
Mit Taxi Driver Christian Brückner durch New York
Gemeinsam mit dem Jazzensemble So 4 bringt Christian Brückner Kurzgeschichten der US-Ostküsten-Dichter und Autoren auf die Festhallenbühne. So entsteht ein Klangbild, das nicht nur New-York-Fans mit allen Sinnen in die Stadt am Hudson River entführen wird.
Das magische Timbre seiner Stimme ist ein Phänomen. Alain Delon, Marlon Brando, Harvey Keitel, Robert de Niro – Brückner synchronisiert sie nicht einfach nur, er bringt uns diese Schauspieler erst richtig nahe und sorgt dafür, dass wir mit ihnen etwas Bestimmtes verbinden. In seiner Stimme liegt eine faszinierende Melancholie, ein leicht metallischer Ton. Damit vermittelt er auch große Erzählungen auf sehr sinnliche Weise. Kein volltönender Wohlklang, kein Pathos, kein Gramm Fett sozusagen. Gelassenheit liegt in seinen lakonischen Solopartien, vom Schmerz ist die Gebrochenheit geblieben, von der Sorge die Skepsis.
Das Phänomen
Längst ist das Etikett vergeben: „The Voice“ nennt man den 1943 in Waldenburg geborenen und in Köln aufgewachsenen Sprecher und Schauspieler. Brückner, der heute in Berlin lebt, gilt als Phänomen: Als erster Sprecher und Rezitator hat der gebürtige Schlesier den bedeutendsten deutschen Medienpreis, den Grimme-Preis, erhalten. Für sein Gesamtkunstwerk wurde er 2012 mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet, 2019 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Dennoch: „Meine Stimme ist mir scheißegal, ich habe mich nie um sie gekümmert, habe sie nie gepflegt", sagte er mal im Interview.
Im Alltag erkennen ihn viele erst, wenn er spricht, ohne dass ihnen sein Name einfiele. Regelmäßig wird er auf den Mann angesprochen, mit dem seine Karriere eng verbunden ist. US-Regisseur Martin Scorsese hatte Brückner 1976 für die Synchronisation seines legendären Films „Taxi Driver“ für die Figur des Travis gecastet. Aber schon vorher, bereits während seines Studiums (Germanistik, Theaterwissenschaft und Soziologie) hat Brückner am Theater und als Sprecher beim Radio gearbeitet. Durch die Synchronisierung von Warren Beatty in „Bonnie und Clyde“ wurde er 1967 einem großen Publikum bekannt.
Leidenschaft Literatur
„Synchronisieren ist die ideale Arbeit für mich“, sagt er, und doch ist seine eigentliche Leidenschaft die Literatur. Wenn er Bukowski liest, Melville, Dorothy Parker, Truman Capote und all die anderen. Er spricht die großen Werke der Weltliteratur für den Rundfunk und als Hörbücher, darunter sind die ungekürzten „Odyssee“- und „Moby-Dick“-Lesungen oder die nahezu 30-stündige Aufnahme von Thomas Wolfes „Schau heimwärts, Engel“.
Seit „Taxi Driver“ ist Christian Brückner eng verbunden mit New York. Einige Jahre lang hat er mit seiner Familie sogar dort gelebt, er besitzt noch heute eine Wohnung in Manhattan, wo er sich regelmäßig aufhält. Er liebt den Puls dieser Stadt und ihren Sound und setzt sich, als glühender Jazz-Fan, seit Langem mit ihrer Literatur und ihrer Musik auseinander.
Kafka, Frisch, Parker
Nun bringt er mit dem New Yorker Jazzensemble So 4 eine Auswahl an Texten zu New York von bekannten Autoren und Künstlern wie Franz Kafka, Max Frisch und Dorothy Parker auf die Bühne der Pirmasenser Festhalle, die es so gebündelt nicht auf CD gibt. Texte und Gedichte, die im Zeitalter des chauvinistischen Rollbacks von einer fulminanten, sich überschlagenden Kraft beseelt sind und gegen die gesellschaftliche Engstirnigkeit aufbegehren.
Die Musik ist hier nicht Untermalung, sondern steht gleichwertig neben der Sprache, eine Begegnung auf Augenhöhe, ein Sich-Reiben, manchmal liebkosend, dann wieder forsch und fordernd. Jazz-Moods und poetische Rezitationen. Das Quartett So 4 besteht aus Gee Hye Lee (Piano), Joel Locher (Kontrabass), Jan von Klewitz (Saxofon) und Torsten Krill (Schlagzeug). Martin Mühleis besorgte die Textbearbeitung und die Produktion und führt Regie. Meistens verkauft und signiert Christian Brückner nach den Lesungen auch seine CDs.
Info
Es gibt noch Karten im Pirmasenser Kulturamt im Forum Alte Post, Telefon 06331 2392716, E-Mail: kartenverkauf@pirmasens.de, bei ticket-regional.de und voraussichtlich auch noch an der Abendkasse.