Vereine RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Pferdegespann und Schlitten zum Auswärtsspiel

Das Vereinsheim im Gründungsjahr
Das Vereinsheim im Gründungsjahr

Die SV Ludwigswinkel feiert am Wochenende ihren 100. Geburtstag. Ein Blick zurück auf bewegte Zeiten.

Am letzten Wochenende im Juni feiert die SV Ludwigswinkel ihr 100-jähriges Jubiläum. Fußball, ein Festakt und Musik stehen auf dem Programm vom 26. bis 29. Juni auf dem vereinseigenen Platz im Schöntal.

Begonnen hat die Vereinsgeschichte voller Herzblut, Zusammenhalt und Familie am 26. Juni 1925 in der Gastwirtschaft Salzmann, heute „Zum Landgrafen“. Theo Belschner kam aus dem Elsass nach Ludwigswinkel und beherrschte das Kicken. Ihm gelang es, die Jugendlichen, die auf den Straßen spielten, zu sammeln und Spiele gegen die Mannschaften der Nachbarorte zu organisieren. Mit der Gründung des „Verein für Bewegungsspiele VfB“, mit den Vereinsfarben schwarz-weiß und einem Jahresbeitrag von sechs Reichsmark, begann die Geschichte des organisierten Fußballs im Dorf.

Theaterstücke zur Finanzierung aufgeführt

Wie damals üblich, fuhr man mit Leiterwagen und Pferdegespann oder Fahrrad beispielsweise nach Spirkelbach zum Spiel oder mal mit dem Schlitten nach Lemberg. Zur Finanzierung des Vereinslebens gab man Theaterstücke zum Besten.

Den ersten sportlichen Höhepunkt erreichte der Verein 1934/35, als die erste Mannschaft Meister in der Abteilung II 1 der 2. Kreisklasse wurde. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam auch der Fußball zum Erliegen. Viele der hoffnungsvollen Fußballtalente kamen nicht mehr heim. Doch die Fußballbegeisterung hielt sich in den Herzen. Bereits ein Jahr nach Kriegsende wurde der Spielbetrieb wieder aufgenommen.

Erzwungene Namensänderung

Die damalige französische Militärregierung verlangte eine Namensänderung. So entstand die „SVL – Sportvereinigung Ludwigswinkel“, die Vereinsfarben wurden blau-weiß. Zu den Spielen fuhr man inzwischen mit dem Traktor. 1949/50 errang die Mannschaft die Meisterschaft in der Kreisklasse Pirmasens Gruppe 1.

Der Weg des Vereins war nicht immer mit Erfolgen gepflastert. Auch schwierige Zeiten mussten im Vereinsleben gemeistert werden. Das tat dem Engagement, dem Zusammenhalt und der Begeisterung keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1979 konnte man den vereinseigenen Tennenplatz einweihen, der mit tatkräftiger Unterstützung der US-Streitkräfte angelegt worden war. Das Vereinsheim fand Platz im ehemaligen Kasernenwärterhaus des Franzosencamps, wurde angebaut, erhielt neue Kabinen, Duschen und später eine Photovoltaikanlage, alles in Eigenleistung der Mitglieder. Dem unermüdlichen Einsatz folgte dann auch wieder der sportliche Erfolg.

Modernisierung in den 90er Jahren

Der SV stieg 1989 in die B-Klasse auf und marschierte in die A-Klasse durch. Das sollte für längere Zeit der größte Erfolg bleiben. 1990 wich der Tennenplatz einem modernen Rasenplatz, der im vergangenen Jahr saniert wurde. Die Bewässerungsanlage wurde modernisiert, ebenso wie das Gelände um das Vereinsheim. Derzeit erhält das Vereinsheim eine Grundsanierung und wird auf Vordermann gebracht. Deckendämmung, Wandbeläge, Theke und Ausstattung werden auf den neuesten Stand gebracht.

Aktuell hat die SV 184 Mitglieder. Mehrere Jugendmannschaften kicken im Verbund mit anderen Vereinen.

Auch die erste Mannschaft schaffte es aus dem tiefen Tal zurück in eine geordnete Spur und spielt aktuell in der C-Klasse Pirmasens/Zweibrücken Ost. Jugendteams gibt es in Spielgemeinschaft mit benachbarten Vereinen. Inzwischen ist der Fußball im Ort auch nicht länger Männersache. Die Frauenabteilung, mit Spielbetrieb bei den B-Juniorinnen, erfreut sich großer Beliebtheit.

Beliebte Schlachtfeste

Auch aus dem Dorfleben ist die Sportvereinigung nicht mehr wegzudenken. Beliebter Treffpunkt für Jung und Alt sind die monatlichen Schlachtfeste im Vereinsheim. Die Faschingsabteilung sorgt jedes Jahr dafür, dass die närrischen Tage im Dorf gefeiert werden. Verschiedene Kinder- und Jugendtanzgruppen sind entstanden und bereichern das Dorfleben.

Der Verein steht aktuell auf finanziell soliden Füßen und die Vereinsfamilie hofft darauf, dass sich nun auch die sportlichen Erfolge bald wieder einstellen.

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