Pirmasens
Mit Hilfe aus dem All: Wie Vermesser vermessen
8.30 Uhr auf der Husterhöhe: Im Vermessungsbüro Leo Littig in der Marie-Curie-Straße werden die letzten Vorbereitungen für den Außendienst getroffen. Mehrere gelbe Koffer mit verschiedenster Ausrüstung werden vor der Abfahrt in Richtung Baustelle im weißen Transporter verstaut. „Wer ein Haus baut oder ein Grundstück besitzt und etwas daran verändert, kommt mit einem Vermesser in Kontakt“, sagt Jonas Littig. Seit drei Jahren arbeitet der 28-Jährige als Vermessungsingenieur im Büro seines Vaters Leo, zuvor hatte er Geoinformatik und Vermessung in Bonn und Mainz studiert.
Am Mittwoch geht es für die beiden zunächst nach Hauenstein. In einem Neubaugebiet muss eine sogenannte Teilungsvermessung durchgeführt werden – so werden aus einem Grundstück vier. Dafür muss Jonas Littig erst einmal die bereits vorhandenen Grenzpunkte suchen. Wo er diese findet, verrät ihm sein wichtigstes Hilfsmittel: ein Plan, auf dem die bestehenden Grenzen und Gebäude dargestellt sind. „Ohne den geht nix“, betont Littig.
Ab durch die Hecke
Um die Grenzpunkte genau erfassen zu können, sucht sich Littig Hilfe aus dem Weltraum. Was nach Science-Fiction klingen mag, ist für die Vermesser Alltag. Mit einem sogenannten GNSS führt Littig Satellitenmessungen durch. „Wir empfangen Signale von über 30 Navigationssatelliten sowie Korrekturdaten über den digitalen Mobilfunk. So können wir Messgenauigkeiten von zwei Zentimetern und weniger erreichen“, erklärt der junge Vermessungsingenieur. Am Mittwochvormittag ist er auf der Suche nach fünf Grenzsteinen. Das gehe in der Regel schnell, berichtet er, aber im Hauensteiner Neubaugebiet lautet das Motto „ab durch die Hecke“. Drei der Messpunkte liegen in einem dicht bewachsenen Hang – aber auch das gehöre dazu, sagt Littig.
Nachdem die Kletteraktion (vorerst) beendet ist, folgt der zweite Schritt. Dafür braucht Littig ein Tachymeter – auch Totalstation genannt. „Damit kann man Winkel und Strecken messen“, klärt der 28-Jährige auf. Bevor er das große Stativ aufstellen kann, muss Littig allerdings eine Position finden, von der er alle seine zuvor abgesteckten Grenzpunkte sehen kann. Heißt: Es wird wieder geklettert.
Auch das Maßband kommt noch zum Einsatz
Erst nachdem er die bestehenden Grenzpunkte mit dem Tachymeter erfasst hat, kann Jonas Littig damit anfangen, die neuen Grenzen auf dem Grundstück des Kunden zu vermessen. „Es ist viel Hin- und Herlaufen, aber wenn man sich vorher ein kleines Plänchen macht, spart man sich Wege“, so Littig. Ist das erledigt – und der Hauensteiner Hang ein letztes Mal bezwungen –, verarbeitet der Vermessungsingenieur all seine Messergebnisse zu digitalen Plänen und Berechnunsdateien, die vom Vermessungsbüro an die Katasterbehörde weitergegeben werden.
Bei der zweiten Station des Tages muss Jonas Littig keine Höhenmeter mehr überwinden: Ein Neubau in Ludwigswinkel muss vermessen werden. Trotz einsetzenden Nieselregens ist die Arbeit schnell erledigt. Per Tachymeter misst Littig fünf vorhandene Grenzsteine sowie drei Eckpunkte des Neubaus ab, um seine Daten zu sammeln. Hier kann sich auch der RHEINPFALZ-Redakteur nützlich machen – ganz ohne hochmoderne Technik geht es mit dem Maßband einmal um das neugebaute Wohnhaus herum.
Probleme bei der Nachwuchssuche
In diesem Jahr feiert das Vermessungsbüro sein 25-jähriges Bestehen. „Damals waren es nur ich und ein Azubi“, erinnert sich Leo Littig. Heute arbeiten neben ihm – als Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur – und seinem Sohn fünf weitere Vermessungstechniker und ein Geomatiker sowie je ein Auszubildender für beide Fachbereiche in der Marie-Curie-Straße. Zur Feier des Jubiläums möchte Littig Anfang September einen Tag des offenen Büros anbieten. „Wir wollen mit den Leuten ins Gespräch kommen und ihnen zeigen, was wir machen. Dafür bauen wir auch unsere Geräte auf und erklären sie“, kündigt er an. Ein genauer Termin stehe aber noch nicht fest.
In den 25 Jahren habe Leo Littig stets zwei bis drei angehende Vermesser und Geomatiker ausgebildet. „Viele davon arbeiten heute im Öffentlichen Dienst“, berichtet er. Allerdings hat das Vermessungsbüro – wie viele Branchen – Probleme bei der Nachwuchssuche. Dieses Jahr will Littig gerne noch zwei Azubis einstellen, aber es mangele an Bewerbern.
Info
Wer sich für den Beruf des Vermessers interessiert, kann sich per E-Mail an info@pfalz-vermessung.de beim Vermessungsbüro Leo Littig bewerben. Weitere Informationen gibt es im Internet unter vermessung-littig.de.