Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Michael Diehl malt beeindruckende Bilder nicht nur der Berge

Michael Diehl in seinem Atelier auf dem Horeb in Pirmasens mit einem Gemälde aus der Matterhorn-Serie.
Michael Diehl in seinem Atelier auf dem Horeb in Pirmasens mit einem Gemälde aus der Matterhorn-Serie.

Majestätisch erhebt sich das Matterhorn auf der Leinwand. Ganz plastisch hat Michael Diehl das Bergmassiv gemalt. Bekannt ist er in Pirmasens als Bauunternehmer.

Im Gegensatz zu anderen Künstlern, die vor lauter Ego kaum den Pinsel halten können, ist Michael Diehl absolut bescheiden. „Ich bin kein Künstler, ich male nur gern“, sagt er gleich zu Beginn des Pressebesuchs in seinem Atelier auf dem Horeb in Pirmasens. Ein Raum mit hohen Wänden und viel Licht dient ihm als Malwerkstatt. Davor habe er im Wohnzimmer gemalt, erzählt der 61-Jährige. Seine Frau sei froh über das eigene Atelier, meint er augenzwinkernd dazu. Viel Zeit könne er leider nicht im Atelier verbringen, bedauert er. Seine Firma, eine überregional aktive Bauunternehmung, fordert ihren Tribut.

Die Leidenschaft für die Malerei habe er schon über 50 Jahre lang in sich getragen, erzählt Michael Diehl von den Anfängen. Mit zehn Jahren habe er den künstlerisch versierten Vater in die Kaiserslauterer Pfalzgalerie begleitet und dort ein großes Gemälde mit wunderbarem Himmel im Treppenhaus gesehen. „Das war es. Ich sagte mir damals, das will ich auch können“, schildert er sein „Grunderlebnis“ mit der Kunst. Unzählige Besuche von Ausstellungen, Museen und Kunstmessen folgten. Nach dem Abitur stellte sich die Frage: Kunst- oder Architekturstudium? Diehl entschied sich für die Architektur an der Universität Kaiserslautern, es folgte eine längere Kunstabstinenz wegen des Berufs und der Familie.

Der Griff zum Pinsel

Seit 2014 nun greift er wieder öfter zum Pinsel. Als erster Zyklus entstand eine Serie von acht Matterhornbildern im Format 100 mal 150 Zentimeter. Und die begeistert durch Ausdruckskraft und Plastizität. Fast nur schwarz-weiß erobert sich der Berg den Raum, in dem die Leinwand hängt. „Das Matterhorn habe ich als ikonisches Motiv gewählt“, erzählt der Pirmasenser. Und wo konnte er sich das technische Handwerk aneignen?

Alles autodidaktisch, versichert Diehl, der nie die Zeit gefunden habe, eine Kunsthochschule als Gaststudent zu besuchen oder Malkurse an Sommerakademien zu belegen. „Ich probiere mich einfach aus und arbeite mich Pinselstrich um Pinselstrich in die Materie ein, was mir große Freude bereitet“, erzählt er und eilt zum nächsten Gemälde, das in seinem Haus zu finden ist. Stilistisch etwas ganz anderes.

Und immer wieder ruft der Berg

Eine verwischte Landschaft ist zu erkennen. „Das habe ich nach einem Foto gemalt, das ich im TGV-Schnellzug bei 270 Stundenkilometern geschossen habe“, erläutert er den Hintergrund des Bildes. Gleich daneben thront der Großglockner, der wieder fast fotorealistisch gemalt wurde, und im Flur begegnet dem Besucher ein Porträtgemälde von der Ehefrau in einem Urlaub auf einem Fels sitzend. Hier wird der Einfluss des US-amerikanischen Malers Eric Zener deutlich. Bei der Gebirgsmalerei orientiert er sich mehr an Anselm Kiefer. Als weiteres Vorbild nennt er Gerhard Richter. „Deren Niveau werde ich leider weder in der Maltechnik noch in der Formatgröße jemals erreichen“, bedauert er.

Sein bisher größtes Gemälde misst 300 mal 150 Zentimeter. „Ich will noch größer gehen“, verrät er. Es fehle aber am Platz im Atelier. Die großen Formate liebe er, da diese vollen Körpereinsatz möglich machten. „Ich habe es nicht so mit dem Retouchierpinsel, der nur drei Haare hat. Ich habe aber natürlich auch solche Pinsel“, erzählt er. Gemalt wird auf Leinwänden, die er teilweise selbst aufspannt oder auf Holzplatten. Malmaterialien sind Öl- und Acrylfarben, die er gemäß den künstlerischen Vorbildern gerne auch mit Asche, Draht, Gips, Zement, Sand oder Kaffeepulver mischt. Pinsel sind nicht sein einziges Werkzeug und werden öfter mit Spachtel, Schwamm, Lappen oder Rakel ergänzt.

Motive auch aus der Pfalz

Die Motive findet er im Urlaub, die Familie ziehe es öfter in die Alpen, sowie beim Gassi mit den Hunden. Teufelstisch und Felsmassive des Dahner Tals sind somit auch auf Leinwänden zu sehen. Ein anderes Bild ist in Anlehnung an Gerhard Richter eine nass glänzende Straße im Wald. „Das ist die Zufahrt zum Beckenhof, ganz früh morgens. Da war ich mit den Hunden unterwegs“, erläutert er den Hintergrund diesen Bildes.

Abstrakt hat er sich ebenfalls ausgetobt, wobei die vollabstrakte Kunst ihm schwieriger erscheint als die gegenständliche. Momentan wolle er sich aber mehr in die Abstraktion vertiefen. Jedoch fehle ihm noch die Zeit. Er verbringe gern mal ein ganzes Wochenende im Atelier und vergesse dort Raum und Zeit um ihn herum, gesteht Michael Diehl. Das seien jedoch seltene Momente. Bei schönem Wetter locke die Gartenarbeit, womit letztlich nur verregnete Wochenenden blieben.

Eine große Ausstellung mit seinen Werken oder die Beteiligung an Gruppenausstellungen gibt es bisher nicht. Einzelne Gemälde waren in einem Pirmasenser Restaurant, dem Waldhaus „Hohe List“ und in einem Dahner Hotel zu sehen. Für eine Ausstellung habe die Zeit gefehlt, bedauert Diehl und hofft, dass sich das bald ändert.

Das Matterhorn hat es Michael Diehl angetan. Dieses Gemälde zeigt das Bergmassiv im Nebel.
Das Matterhorn hat es Michael Diehl angetan. Dieses Gemälde zeigt das Bergmassiv im Nebel.
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