Pirmasens
Michael Bixler: Die Pandemie ist ein Killer der Kunst
Herr Baron-Bixler, Sie haben als Kind Klavierunterricht von Felix Ming bekommen, der damals Dirigent an der Staatsoper Wien war. Wie kam es dazu?
Felix Ming war sein Künstlername, bürgerlich hieß er Josef Kübel, wohnte um die Ecke in der Pirmasenser Bismarckstraße. Meine Mutter half dort im Haushalt aus, wenn seine Lebensgefährtin beruflich unterwegs war. Und so wurde in den 70ern die Vergütung meiner Mutter mit meinem Unterricht verrechnet, da wir kein Geld für die Klavierstunden hatten. Ich begann dort im Alter von fünf Jahren mit dem Klavierspiel. Auch witzig: Mein Vater hatte damals einen Fünfer mit Zusatzzahl im Lotto – 5000 Mark Gewinn –, musste das Geld aber für das Klavier bei Ming hinlegen, das ich für den Unterricht brauchte. Das Einzige, was er von seinem Gewinn noch übrig hatte, investierte er in eine damals teure Jeans, die bei Hosen Rauth 89 Mark kostete.
Wie hießen die ersten Bands, in denen Sie mitwirkten, und wann standen Sie zum ersten Mal auf einer Bühne?
Mit acht Jahren war ich schon als Organist unterwegs und spielte für den Saarländischen Rundfunk – damals noch mit Manfred Sexauer – für die SOS-Kinderdörfer auf Märkten. Mit meinen Kameraden aus der Husterhöhschule hatte ich auch eine Schülerband. Die erste offizielle Band hatte ich 1978 mit zehn Jahren – das waren die Strawberrys, weil wir bei den Proben so gerne diese kleinen roten Erdbeerbonbons naschten.
Ihre aktuellen Formationen Gentle Jackets und Bixi Chicks sind in Pirmasens und Umgebung sehr populär. An welche Konzerte erinnern Sie sich besonders gern?
Mit den Bixi Chicks beim Rheinland-Pfalz-Tag in Pirmasens zu spielen, war mit Sicherheit ein Highlight. Mit den Gentle Jackets ist eigentlich jeder Auftritt ein Highlight, denn Ralf „Maxa“ Maxstadt erzählt immer neue und spannende Geschichten zu den Songs, die es vor Lachen manchmal fast unmöglich machen, weiterzuspielen. Die Gentle Jackets sind eine super Mischung aus Top-Songs, traumhaften Musikern und der Freude an der gehobenen Song- und Klangkultur.
Sie sind mittlerweile seit 40 Jahren aktiv und gehören zu den Altvorderen der Pirmasenser Musikszene. Was hat sich, die Pandemie jetzt mal ausgenommen, seit damals geändert und wie schätzen Sie die junge Musiker-Generation ein?
Wir sind in der traumhaften Lage, in Pirmasens und der Region hervorragende Musiker zu haben. Die Musikszene in Pirmasens ist einzigartig. Jeder Musiker hier ist ein Highlight für sich und hat etwas Besonderes. Auch die „young generation“ ist sensationell. Wir haben verdammt gute junge Musiker, tolle Sänger, kreative Leute. Das Niveau ist extrem hoch bei unseren jungen Kollegen auch dank der Jugend-Kultur-Werkstatt, den Musikschulen und Bands wie den PS-Allstars, die Jung und Alt verschmelzen lassen. Aber auch dank Youtube und dem Internet kann heute viel mehr Fachwissen abgesaugt werden. Wir mussten alles noch vom Cassettenrecorder runterhören und die Texte per Hand aufschreiben. Das Netz erleichtert da heute sehr viel.
Was gibt es von Ihren weiteren momentanen Aktivitäten wie Finga Foot, Voice 2 Voice sowie dem Solo-Künstler Baron-Bixler zu berichten? Mit Finga Foot haben Sie ja auch für den FC Bayern München gespielt.
Mit Finga Foot, also mit Fingern und Füßen, machen wir einen sogenannten Walking-Act, beispielsweise in den Lounges in der Allianz-Arena beim FC Bayern oder bei Meisterschaftsfeiern und Geburtstagen für bekannte Fußballer. Seit März 2020 geht das allerdings wegen Corona leider nicht mehr. Voice 2 Voice ist ja bereits seit 18 Jahren mein Duo-Projekt mit wechselnden Sängerinnen wie Sonja Betsch, Barbara Lehnhardt oder Melissa Könnel. Aber auch hier geht leider seit März 2020 nichts mehr. Als Solist komponiere ich hauptsächlich in deutscher Sprache. Mein neustes Lied heißt „Wir zusammen“ und ist auf Youtube zu finden.
Neben Ihren eigenen Bands haben Sie schon mit Stars wie Howard Carpendale, Bobby Kimball von Toto, Ellis Hall von Earth, Wind & Fire oder Tommy Smiley von The Platters auf der Bühne gestanden. Wie kam es dazu?
Tommy Smiley lebte ja in Pirmasens und suchte einfach gute Musiker für seine Live-Events. Tja, dann war ich wohl ein guter Musiker. Michael Hauth, unser Sänger bei Santiago, war der Gewinner der Rudi-Carell-Show als Imitator des Schlager-Stars Howard Carpendale. So gelangten wir zum Howard-Carpendale-Fanclub-Treffen und spielten dort, bis uns der echte Howie hörte. Er nahm schließlich unserem Sänger Michael Hauth das Mikrofon aus der Hand und sang „One More Dance In Blue“ mit uns. Ellis Hall und ich führten auf der Frankfurter Musikmesse gemeinsam Instrumente für die Firma Solton aus Niederbayern vor. Schnell spielten wir einige Sessions zusammen, und Freunde besuchten uns. Zum Beispiel Bobbie Kimball von Toto und wir spielten dann „Hold The Line“ oder „Georgy Porky“ zusammen. Auch Don Techner, der Gitarrist von Rod Stewart, war bei diesen Sessions dabei. Das passierte alles spontan auf dem Messestand – aber so war das eben in den 1990ern: Rock’n’Roll und Feuer frei!
Glauben Sie, dass die Livemusikszene nach Corona eine andere sein wird als davor?
Definitiv wird es anders sein – nicht nur durch all die Auflagen, sondern auch, weil mal bis dato quasi eineinhalb Jahre nicht mehr live spielen durfte. Viele Kollegen haben sogar das Handtuch geworfen und wollen gar nicht mehr live musizieren. Die Pandemie wird einen großen Schaden an der Kultur hinterlassen. Opernsänger können nicht auftreten oder mit Orchester üben. Bei Musicals ist es nicht anders. Keine Proben, alles abgesagt. Es dauert bestimmt eine ganze Weile, bis alle wieder auf dem Niveau sind, das sie Anfang 2020 noch hatten. Stimmbänder sind Muskeln, und wenn sie nicht trainiert werden, ermüden diese, lassen nach, verlieren an Kraft. Aus meiner Sicht ist die Pandemie ein Killer der Kunst. Es werden ja auch kaum neue Songs von großen Künstlern veröffentlicht. Einige Songs werden im Home-Studio produziert, weil man nicht zusammen musizieren darf. Auch wir mit den Gentle Jackets und Bixi Chicks haben seit Mitte vergangenen Jahres nicht mehr geprobt oder gespielt. Das ist alles sehr traurig für die Musiker und Künstler. Die Arbeit für die Firma Blüthner Pianoforte ist glücklicherweise mein Hauptberuf. Allein mit dem Musikgeschäft MB Music wäre ich in der Pandemie schon pleite gegangen, wenn ich nicht mein Blüthner-Einkommen hätte. Aber so habe ich ja noch das einzige Musikgeschäft von einst sechs Musikfachhändlern in Pirmasens.
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