Pirmasens Mezzosopranistin Eva Vogel entführt in 1001 Nacht
Exotisch anmutend klingt die Musik, mit der die Deutsche Staatsphilharmonie ihr Gastspiel in der Pirmasenser Festhalle eröffnet. Mit Claude Debussys (1862-1918) Auftakt „Prélude à l’après-midi d’un faune“ lädt das Orchester das Publikum in andere, bezaubernde Sphären ein – von einem sonnigen kühlen Sonntagnachmittag hinein in eine verwunschene Welt, die auf Anhieb bezaubert. Mehr noch, die Musiker ziehen die Konzertbesucher unter der Leitung von Dirigent Michael Francis regelrecht hinein in ihre sinnliche Klangkunst, die in manchen Momenten zwar nur sachte, leicht schimmernd anklingt, um sich einen Moment später emotional inbrünstig mit gewaltiger Musik zu entladen. Doch gerade in den leisen, zarten Momenten ist die gebündelte Energie des gesamten Orchester zu spüren, wenn sich die Klänge der einzelnen Instrumente formieren.
Claude Debussy hat sich hier von Stéphane Mallarmés Gedicht „L’après-midi d’un faune“ 1865 inspirieren lassen und eindeutig das rhythmische Element betont. In seiner Musik spiegelt sich allerdings eine so geheimnisvolle Atmosphäre wieder, die an einen Zauberwald denken lässt. Beeindruckend ist, wie wunderbar die Musiker die Komposition Debussys spielen: mal treten einzelne Musiker mit ihren Instrumenten - wie etwa die Querflöte – hervor, mal formieren sich alle zu einem herrlichen Klangkörper. Sie sind einfach ein hochkarätiges, eingespieltes Team, das für einen gelungenen Auftakt sorgt.
Ravels „Shéhérazade“
Mit Maurice Ravels „Shéhérazade für Singstimme und Orchester“ tritt anschließend die Protagonistin des Abends ins Rampenlicht: die Mezzosopranistin Eva Vogel, die am Sonntag in die Rolle der Geschichtenerzählerin schlüpft. In den drei schillernd-exotischen „Shéhérazade“-Lieder berichtet sie von fernen Ländern und exotischen Landschaften berichtet. Das gelingt ihr in großartiger Weise – mit viel Gefühl und einer wunderbar samtigen wie tiefgründigen Stimme. Mit den drei Gedichten für Singstimme und Orchester („Asien“, „Die Zauberflöte“ und „Der Gleichgültige“) zieht die Mezzosopranistin das Publikum in den Bann. Es ist immer wieder ein Erlebnis, wenn eine Sängerin wie Eva Vogel, die weltweit konzertiert – im Royal Opera House London, bei den Salzburger Festspielen, in den großen Opernhäuser von Neapel und Turin, in die Pirmasenser Festhalle zu einem Gastspiel kommt.
Die Texte stammen von einem eng mit Ravel befreundeten Dichter, der eigentlich Léon Leclère heißt und sein Pseudonym aus den Figuren zweier Wagner-Opern zusammensetzt: Tristan Klingsor. Der gehört – wie Ravel – zur Künstlergruppe „Les Apaches“, die sich um 1900 in Paris regelmäßig zum Gedankenaustausch trifft. Was sie offenbar Gemeinsamt haben: ihren Hang zum Exotischen. Das könnte an der Pariser Weltausstellung in Jahr 1889 liegen, auf der man erstmals Gelegenheit hatte, außereuropäische Kulturen kennenzulernen. Die Orientmode bestimmt jedenfalls die Kunst aller Sparten. Und auch Ravel greift die Klangwelt Asiens für seine Kompositionen auf.
Rimski-Korsakows „Shéhérazade“
Dass der erste Teil des Konzerts schon nach einer guten halben Stunde endet, überrascht viele Konzertbesucher. Doch das umfangreichste Werk heben sich die Musiker bewusst bis nach der Pause auf. Mit Nikolai Rimski-Korsakow (1844-1908) „Shéhérazade“ op. 35, Sinfonische Suite aus 1001 Nacht, wird am Sonntag ein gewaltig voluminöses Werk aufgeführt, dass die erste Geige in den Vordergrund stellt. Dramatische und sanfte Töne wechseln sich ab, um wieder in das voluminöse Klanggemälde einzutauchen, das die Staatsphilharmonie wunderbar unter dem Dirigat von Michael Francis zeichnet. Mit Rimski-Korsakow Stück kann das Orchester zeigen, was es bedeutet, ein Livekonzert eines solchen Klangkörpers anzuhören. Die Klangwucht ist enorm, mit der die Musiker das Publikum in der Pirmasenser Festhalle mitreißen.
Dass dieses schillernd-exotische Konzerterlebnis unter der Überschrift „Landratten – Die Kraft der Geschichten“ läuft, mag auf den ersten Blick verwundern. Der Titel erschließt sich über das Thema Weltumseglungen und Entdeckungslust in der damaligen Zeit, die uns, die Landratten, bis heute zum Träumen bringen können. Der musikalische Ausflug in 1001 Nacht hat am Sonntag fantastisch geklappt. Die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz ist eben ein verlässlicher Garant, um hochkarätige klassische Musikmomente zu erleben. Die Pirmasenser, die den Künstlern mit Ovationen im Stehen für das mitreißende Konzerterlebnis danken, wissen das genau.