Pirmasens Meisterwerke eines Grenzgängers

Seit 2005 spielt Sebastien Wittmann als Gitarrist bei der Band „Die Dicken Kinder“. Zudem ist der 32-Jährige als Studiomusiker tätig und tourt mit zahlreichen Formationen durch ganz Europa. Jetzt ist seine neue CD „Expressions“ erschienen.
Stimmungswelten, so kontrastreich und vielfältig, dass der Hörer sich zu verlieren droht. Doch die Leadgitarre nimmt mit auf die Reise. Es geht durch 13 Songs, die allesamt eines beweisen: Können. Denn Gesang sucht man auf den Instrumentalstücken vergebens. Sebastien Wittmann greift in seiner neuen CD mit dem Titel „Expressions“ in die Trickkiste und präsentiert ausdrucksstark die Kunst der modernen E-Gitarre. „Meine Mutter hat mich mit sechs Jahren zum Gitarrespielen gebracht“, sagt der 32-Jährige. „Zuerst hatte ich klassischen Unterricht, bis ich dann mit neun meine erste E-Gitarre bekam. Seitdem sind Sebastien und sein Instrument unzertrennlich. Mit seiner Fender Stratocaster spielt er seit seinem elften Lebensjahr in Bands. Mit 13 kommt der erste Auftritt. „Nach Abitur und Zivildienst machte ich die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Musik in München.“ Hier lernt der damals 21-Jährige von renommierten Jazz-Größen wie Michael Sagmeister und Frank Haunschild. Zwischenzeitlich ist er als Studiomusiker tätig, tourt mit zahlreichen Formationen europaweit und repräsentiert die Gitarrenmarke Godin auf der Frankfurter Musikmesse. Seinen regionalen Bekanntheitsgrad erlangt Wittmann vor allem mit den „Dicken Kindern“, zu denen er 2005 stößt. „Wichtig an meinen Beruf ist mir vor allem die Abwechslung, deswegen will ich mich nicht auf einen bestimmten Stil festlegen“, sagt er. So veröffentlicht Wittmann mit den Formationen „VOX“ und „Subway“ Alben, die von Pop bis Metal reichen. Für die Landesgartenschau in Landau schreibt er zusammen mit Sanoj Abraham den Titelsong „Lass die Sonne rein“. Mit seinem ersten richtigen Album wollte er vor allem sein Können am Instrument zeigen, sagt Wittmann. Deswegen werden auch sonstige Gesangsmelodien durch Gitarre ersetzt. „Ich bin Perfektionist und habe die gesamte Produktion selbst in die Hand genommen. Die ersten Songs für das Album sind dabei schon vor zehn Jahren entstanden.“ Und Perfektion merkt man den Stücken auf „Expressions“ auch an. In „Heaven & Hell“ wechselt zurückhaltendes, sphärisches Gitarrenspiel gekonnt mit bösen, rockigen Elementen. „No Jazz“ ist die erste von voraussichtlich vier Video-Auskopplungen. Hier swingt ein Jazz-Intro, bis abrupt eintretender Speed-Metal die Gesamtausrichtung des Songs hervorkehrt. „Water“ ist eine gefühlvolle Ballade mit beseelten Soloeinlagen. Dazu vernimmt der Hörer im Hintergrund stimmig Regen. In „The Ultimate Flow“ wird Klassik mit Metal vermischt. Das erinnert an neoklassische Gitarristen wie Yngwie Malmsteem, die mit solchem Grenzgängertum in den 80ern bekannt wurden. „Bei den Aufnahmen zu ,D-Malt’ wurde eine Spielzeugpistole über einen Tonabnehmer gehalten, die Laser-Geräusche erzeugt“, erklärt Sebastien. „Der Experimentierfreudigkeit sind also fast keine Grenzen gesetzt.“ Auch eine sogenannte „Talkbox“ fand bei „D-Malt“ Verwendung. Mit Hilfe eines Schlauchs im Mund kann der Musiker den Klang der Gitarre so verändern, dass sie regelrecht anfängt zu „sprechen“. „Sunrise“ ist die zweite Ballade des Albums. Sechs- und zwölfsaitige Akustikgitarren kreieren eine Atmosphäre, die zum Seelenbaumeln einlädt. Eine markante fremdländische Melodielinie rundet den Song ab. Überhaupt ist Abwechslung bei Wittmann Trumpf. „Prog Song“ verwebt orientalische Versatzstücke geschickt in das ansonsten rockige Liedgeflecht. „ZZ-Drill“ erinnert an den groovigen Blues-Rock von Bands wie „ZZ Top“. „Hier kam auch die Bohrmaschine zum Einsatz“, sagt der 32-Jährige. „Das Plektrum, mit dem sonst die Saiten angeschlagen werden, habe ich dazu auf einen speziellen Bohrmaschinenaufsatz geschraubt.“ Die limitierte Edition „Expressions“ ist auf I-Tunes, Amazon, im Handel und im Internet unter www.sebastienwittmann.de erhältlich.