Saarbrücken „Man muss als Geigenbauer ein recht pingeliger Mensch sein“
Dass ein Neubau etwa 10.000 Euro kostet, verwundert nicht. Bis zu 200 Stunden Arbeit stecken in einem solchen Instrument – alles Handarbeit von höchster Präzision. „Man muss als Geigenbauer schon ein recht pingeliger Mensch sein, der nur wenige Fehler akzeptiert“, sagt dann auch Heinz Tebbi, der vor einem Jahr seine Ausbildung zum Geigenbauer beendet hat und nun einen Meisterkurs belegt. Sein Bruder Elias hat die Ausbildung im Juli in Klingenthal im Vogtland abgeschlossen. Dort und in der zweiten deutschen Schule für Geigenbau in Mittenwald werden pro Jahr nur 18 Geigenbauer ausgebildet. „Ausreichend“ für den Markt, denn der wird immer kleiner, da nicht jeder Musiker einen Neubau bezahlen kann oder möchte, sagt Elias Tebbi.
So werden mittlerweile gerade im Mittelklassebereich viele Instrumente importiert – vor allem aus China und Rumänien. Und das sogar in relativ guter Qualität, wie die Tebbis wissen. Das liege vor allem an den sehr guten klimatischen Bedingungen für sogenanntes Tonholz insbesondere in Rumänien.
Für den Geigenbau wird meist das Holz von Ahorn oder Fichte verwendet. Und den Bäumen muss es zuvor „relativ schlecht gehen – spartanisch, karg muss ihr Leben sein“, sagt Heinz Tebbi, denn nur dann hat das Holz die notwendige Steifigkeit für den Geigenbau. Das ist wichtig, da die Saitenspannung bis zu 40 oder 50 Kilo Zug auf dem nur zwei bis drei Millimeter starken Holz erzeugt. Zu sehen ist das Wachstum des Baumes an den Jahresringen. Die liegen bei Tonholz eng beieinander, acht bis zehn Ringe auf einem Zentimenter – statt auf fünf oder sechs Zentimetern wie beim schnell gewachsenen Baumarktholz. Entsprechend sind die geeigneten Bäume über 100 Jahre alt, zumal das Holz auch doppelt bis drei Mal so breit sein muss, wie das Instrument. Für den Bau eines wesentlich breiteren Cellos muss der Baum sogar noch älter und dicker sein. Entscheidend ist auch eine lange Lagerung des Holzes, da sonst Trocknungsrisse entstehen können, die die Haltbarkeit der Geige beeinträchtigen. Und so verwenden die Tebbis nur Holz, das zum Teil schon 50 Jahre bei ihnen ruht.
Der wichtigste Teil beim Neubau einer Geige ist jedoch das Gespräch mit dem Kunden, um dessen Klangvorstellungen zu ermitteln. Denn, so Heinz Tebbi, „unsere Arbeit ist nur dann perfekt, wenn der Kunde mit dem Klang zufrieden ist“. Maßgebend für die Klanggestaltung ist zum Beispiel die Wölbung des Instruments und die wiederum ist abhängig vom Holz, erklärt der Geigenbauer, der früher selbst im Saarländischen Landesschülerorchester Geige gespielt hat. „Bei industriell gefertigten Instrumenten kann man dagegen nicht auf das einzelne Stück Holz eingehen – Geigen sind daher eigentlich keine Stangenware.“
