Pirmasens Märchen über Land und Leute

Packend und voller Lebensfreude präsentierten die Sänger und Stepptänzer in der Festhalle die Geschichte Irlands
Packend und voller Lebensfreude präsentierten die Sänger und Stepptänzer in der Festhalle die Geschichte Irlands

Die neue Show der irischen Stepptanz- und Musikproduktion „Rhythm Of The Dance“ begeisterte die Besucher am Samstagabend in der Pirmasenser Festhalle. Packend, nicht alltäglich und voller Lebensfreude präsentierten die Sänger und Stepptänzer die Geschichte Irlands.

Die Bühne ist in dunkles Licht getaucht, auf der Videoleinwand sieht man tiefe Krater des eingespielten Vollmonds. Musiker mit teils volkstypischen Instrumenten wie Pfeifen, Flöten oder einem Akkordeon und der Bodhrán, der großen irischen Trommel, stimmen ein Lied an: eine irische Volksweise, die, gepaart mit dem Licht des Vollmonds, für einen ersten Gänsehautmoment sorgt. Die Spannung steigt, als die ersten Tänzer die Bühne betreten. Im Laufe der Show werden es über 20 sein, die das Publikum mit ihren flammenden Steppschuhen und mit nahezu 25 Kostümwechseln begeisterten. Das, was sie zu erzählen hatten, „las“ sich wie aus dem Geschichtsbuch, das Produzent Kieran Cavanagh und Choreograph Dane McKiernan tänzerisch aufbereitet hatten. So erklangen die von der Liveband gespielten irischen Rhythmen nicht immer typisch fröhlich und an grüne Wiesen mit grasenden Kühen erinnernd: Unterdrückt von der englischen Herrschaft und gebeutelt von der damaligen Hungersnot im 19. Jahrhundert wurde zunächst eine Zeit der Sorgen und des Kummers gezeigt, die das irische Volk nur mit einer unbändigen Lebenslust besiegen konnte – umgesetzt durch aufwendige Schrittfolgen und ernste Steppmuster. Einen neuen Anfang voller Hoffnung und Optimismus markierte schließlich die Zeit, als Iren ins verheißungsvolle Amerika auswanderten. Dort feierten sie unbeschwerte Feste, in denen neue, quirlige Musikstile und Tanzschritte aus einer Mischung mit dem Amerikanischen hervortraten. Ein Tanz in die Freiheit. Geschmackvoll ausgewählt war das Bühnenbild: Während der gut zweistündigen Vorführung zeigte die Videoleinwand Ausschnitte aus der irischen Geschichte: szenengerechte Landschaften und dazu passende Bilder von alten Schlössern und Dörfern, die die Darstellung der Akteure unterstrichen. So wurde beispielsweise das Weltkulturerbe „Newgrange“ mit einem Bild der aufgehenden Sonne gezeigt. Oder es ging in die Hauptstadt Dublin. Die dazugehörigen Lieder wiederum glichen gesungenen Märchen über Land und Leute. Mit einem stetigen Wechsel der Übergänge und einer gelungenen Interaktion der Tänzer untereinander, die traditionell, im Set oder dem landestypischen Solotanz „Sean-nós“ daherkamen und dazu noch mit einer Liveband sowie einem Gesangstrio verschmolzen, erwies sich das irische Tanzspektakel, das seit 20 Jahren durch die Welt tourt, als ansehnliches Bühnenwerk professioneller Tänzer und Choreographen, die vom Pirmasenser Publikum mit anerkennenden Pfiffen und Rufen immer wieder ermutigt wurden, das Beste aus sich heraus zu holen und ihre sowieso schon atemberaubende Leistung immer wieder zu steigern. Höhepunkte für die Zuschauer waren neben den Tänzern sicher auch die Musiker, die immer wieder solo spielten und den Tänzern so eine Verschnaufpause gönnten und in bester Duellmanier mit ihnen um die Gunst des Publikums trommelten, fiedelten oder auch zupften. Von irischen Volksweisen über hitzige Swing-Nummern bis hin zu amerikanisch-irischen Liedbeiträgen war alles geboten – so auch Thin Lizzys „Whiskey In The Jar“, das einer der Sänger stimmungsvoll und voller Feierlaune interpretierte. Generell wurde in „Rhythm Of The Dance“ kräftig gefeiert: Immer wieder lieferte sich die Bodhrán-Trommel wahre Kämpfe gegen männliche Tänzer, während fragile Frauen mit flinken Füßen in Solotänzen zeigten, wie leichtfüßig Steppen, nach und nach verbunden mit modernen Tanzelementen, sein kann. Alles in allem war „Rhythm Of The Dance“ eine wunderbare Reise durch die grüne Insel, der die nahezu ausverkaufte Festhalle bereitwillig und unter großem Beifall folgte.

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