Pirmasens Ludwig Stempel: Was der Architekt der Alten Post noch so alles gebaut hat
Geboren wurde Ludwig Stempel im Jahr 1850 als Sohn eines Lehrers in Grünstadt. Während des Studiums in München lernte er Architektur bei Gottfried von Neureuther – einem Verwandten der Skifahrerfamilie Neureuther. Wie Neureuther orientierte Stempel sich architektonisch gerne an italienischen Bauwerken aus der Renaissancezeit.
Frisch ausgebildet kam Stempel 1877 an das Landbauamt Kaiserslautern, später wurde er Leiter der Behörde. Hier plante er öffentliche Gebäude wie Finanzämter oder Schulen. In der Pirmasenser Bahnhofstraße baute er das Amtsgericht und das gegenüberliegende Bezirksamtsgebäude, heute Sitz der Verbandsgemeinde. Als besonders großes Projekt sollte er 1891 in der rasant wachsenden Industriestadt Pirmasens ein neues Post- und Telegrafenamt entwerfen.
Pirmasenser Handwerker fühlten sich übergangen
Die Handwerksaufträge gingen per Ausschreibung hauptsächlich an Betriebe aus Pirmasens und Kaiserslautern. Weil sich andere Pirmasenser Handwerker übergangen fühlten, legten sie erfolglos Beschwerde ein. Stempel war darüber sichtlich frustriert und regte sich über die „liederlichsten Handwerker“ auf, arbeitete aber auch in Zukunft immer wieder mit Betrieben aus Pirmasens zusammen.
Nachdem das Fundamentlegen des Gebäudes weniger kostete als geplant, setzte Stempel erfolgreich durch, das übrige Geld für eine aufwändigere und schönere Dachkonstruktion einzusetzen. Vielleicht half die Erfahrung aus dem kurz zuvor fertiggestellten Kaiserslauterer Postamt, bei dem Stempel eine ähnliche Fassadengestaltung vornahm, die er nun perfektionierte mit dem triumphbogenartigen Hauptportal.
Als Ritter in den Adelsstand erhoben
Für seine Leistungen beim Bau der Alten Post erhielt Stempel eine persönliche Geldzuwendung von seinem Landes- und obersten Dienstherrn, dem bayerischen Prinzregenten Luitpold. In den nächsten Jahren errichtete er in Kaiserslautern unter anderem die Apostelkirche, das heutige Polizeipräsidium und den Humbergturm.
1897 wurde er befördert und nach München an die Oberste Baubehörde Bayerns versetzt. Neben einer Klosterkirche in der Oberpfalz oder dem Gymnasium am Kaiserdom in Speyer verantwortete er fortan vor allem Neubauten für die Uni München wie die Augenklinik oder das Hauptgebäude des Botanischen Gartens. Dafür wurde er 1909 als „Ritter von Stempel“ in den Adelsstand erhoben. 1915 wurde er sogar Leiter der Obersten Baubehörde. Seinen Ruhestand zwei Jahre später konnte er nur kurz genießen, bevor er in seiner Pfälzer Heimat an einer Lungenentzündung starb. Sein Nachruf im „Zentralblatt der Bauverwaltung“ nennt die Alte Post eines seiner Hauptwerke. In Kaiserslautern, wo er das Stadtbild besonders geprägt hat, wurde 100 Jahre später ein Platz nach ihm benannt.

