Pirmasens Los, ledig und frei
Gekleidet in der traditionellen Kluft der Zimmerleute, einschließlich schwarzem Hut mit breiter Krempe, sprach der Vorsitzende der Kreishandwerksmeister der Westpfalz, Gerrit Horn, am Samstagnachmittag in der Festhalle in einer Freisprechungsfeier 357 Junggesellen „los, ledig und frei vom Zwang der Lehre“.
„Die Tradition der Freisprechung bezieht sich auf die Lebenswelt der handwerklichen Ausbildung in der Zeit vor der Industrialisierung“, schlug Josef Burger als regionaler Kreishandwerksmeister den Bogen zur historischen Herkunft und Bedeutung der Freisprechung im Handwerk, die seit dem Mittelalter bekannt ist. „Damals lebten die Lehrlinge in den Familien ihrer Lehrherren“, sie seien von ihnen abhängig gewesen, wie ein Kind von seinen Eltern. „Dieses Abhängigkeitsverhältnis wurde beendet mit der Freisprechung vom Meister“, erläuterte Burger. Scherzhaft fügte er hinzu: „Heute ist vieles anders und ich hoffe doch sehr, dass sie ihre Lehrzeit nicht als Freiheitsberaubung erlebt haben.“ Auch heute gewinne die Jugend mit dem Abschluss der Ausbildung eine neue Freiheit, wies Burger auf die Möglichkeiten hin, die sich den frisch gebackenen Junggesellen nun bieten, die aber auch mit den speziellen Rahmenbedingungen ihres Berufes und der Gesellschaft zu tun haben. „Diese muss man genau studieren, um sie nutzen zu können“, riet er. Michael Lehnert, Vizepräsident der Handwerkskammer der Pfalz, wies darauf hin, dass das Handwerk angesichts der demografischen Entwicklung eine berufliche Beschäftigungschance biete und forderte die Junggesellen auf, sich weiterzubilden. Der Pirmasenser Bürgermeister Peter Scheidel betonte, das Handwerk sei ein tragendes Fundament der heutigen Gesellschaft. Er wies auf die Kreativität und Vielfalt des Handwerks hin, das einen historischen Wandlungsprozess vollzogen habe und sich stetig an die Entwicklung anpassen müsse, um zu bestehen. Scheidel verwies auf die Herausforderung der Zukunft: „Wenn wir von fehlenden Fachkräften sprechen, dann werden es Meister und Gesellen sein, die auf dem Arbeitsmarkt fehlen.“ Und er betonte, dass eine optimale Qualifizierung nicht nur durch ein Hochschulstudium, sondern sehr wohl auch mit einer fundierten handwerklichen Aus- und Weiterbildung erreicht werden könne. Als einer der besten Prüflinge wurde Sven Gul, der eine Ausbildung zum Maurer bei der Bauunternehmung Caprano in Pirmasens gemacht hat, geehrt. Johannes Zäuner, ausgebildet im Karosserie-Lack-Zentrum Brehm in Pirmasens und frisch gebackener Karosserie- und Fahrzeugbauermeister, wurde für seine Gesamterfolge ausgezeichnet. Er hatte bei der Berufsweltmeisterschaft in Sao Paulo Platz sechs Platz errungen und erwarb die Auszeichnung „Medallion for Excellence“ für sehr gute Leistungen. Er war im Vorjahr Bundessieger des praktischen Leistungswettbewerbs. (arck)