Erfweiler
Lesung mit Rolf Schlicher: Was es mit Mondpapier und Hinkelsteinen auf sich hat
Potzblitz – eine Lesung aus einem Buch mit diesem Wort im Titel muss natürlich gewaltig beginnen. Mindestens mit einem Knall, besser noch mit einer Naturkatastrophe oder zumindest mit einer sehr guten Geschichte über Blitze. Und natürlich über die Pfalz.
Gemeinhin gilt der US-Amerikaner Benjamin Franklin als Entdecker der Tatsache, dass ein Blitz eine elektrische Entladung ist. Aber stimmt das wirklich? Rolf Schlicher präsentiert bei der Veranstaltung am Montag ein paar gute Argumente, warum ein Pfälzer möglicherweise erst den Beweis erbracht hat, dass Franklin mit seiner Vermutung zu Blitzen Recht hatte. Johann Jakob Hemmer lebte im 18. Jahrhundert und wurde in Horbach geboren. 1776 hatte er am Trippstadter Schloss einen fünfzackigen Blitzableiter montiert, der sich bei einem schweren Gewitter bewähren sollte, wie Schlicher verrät.
Anders als andere Reiseführer
Der Autor erzählt diese und andere Pfalz-Geschichten im besten Sinne kurzweilig. Unterhaltsam. Der Abend macht Lust auf das Buch. Ein Werk, das anders ist als andere Reiseführer. Schlicher arbeitet sich nicht an Pfalzklischees ab und ignoriert hinlänglich beschriebene Ziele wie den Dom in Speyer oder das Hambacher Schloss.
„Potzblitz – die Pfalz!“ ist ein Buch, das zum Lesen und Reden anregt. Es macht neugierig auf unbekannte Flecken und Geschichten der Pfalz. Rolf Schlicher ist ein Journalist, und Journalisten sind bekanntermaßen neugierig. Aber das war für ihn nie genug. Nicht zuletzt als langjähriger Leiter des Südwest-Ressorts der RHEINPFALZ wollte er auch bei den Lesern Neugier wecken. Neugier auf die Pfalz und die Pfälzer. Welch Glück, dass Schlicher in Kaiserslautern geboren wurde und die Westpfalz kennenlernte, bevor es ihn über Edenkoben nach Neustadt zog, wo er heute lebt. Das Schubladendenken in Vorder- und Hinterpfalz – beziehungsweise Ost- und Westpfalz – ist ihm fremd. Davon profitiert sein Buch. Schlicher ist nicht nur ein Pfalz-Fan, sondern vor allem ein Pfalz-immer-wieder-neu-Entdecker. Die Pfalz, das ist für ihn Heimat. Aber nicht im altbackenen und biederen Sinn. Schlicher hat kein engstirniges Verständnis von Heimat. Er versteht sie als eine Region, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten lohnt.
Bei der Lesung in Erfweiler nimmt der Autor die Zuhörer mit auf Entdeckungsreise. 40 bis 50 Personen sind gekommen. Sie erleben eine Lesung, bei der nicht nur vorgelesen wird. Mit großen Gesten, passenden Betonungen und kunstvoll gesetzten Pausen sorgt Schlicher dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Aber natürlich sind es auch die Anekdoten und Geschichten selbst, die bestens unterhalten. Wer weiß etwa schon, dass Papier aus einer pfälzischen Papierfabrik bei Nasa-Missionen im Einsatz war? Papier aus Frankeneck (Kreis Bad Dürkheim) flog 1969 unter anderem bei Apollo 11 mit. Logbuch und Karten mussten aus schwer entflammbarem Papier sein. Die Rohware dazu kam aus der Pfalz.
Akustisches und haptisches Erlebnis
Und Schlicher wäre nicht Schlicher, wenn er zur Lesung nicht ein Stück dieses besonderen Papiers dabei hätte. Natürlich lässt er es durch den Zuhörerraum gehen. Pfalz-Geschichte zum hören und anfassen gleichermaßen. Ein akustisches und haptisches Erlebnis.
In einem Buch über die Pfalz darf die Südwestpfalz natürlich nicht fehlen. Tatsächlich präsentiert Schlicher sogar eine Geschichte zu Erfweiler. Genauer gesagt zum Rappenfelsen. Dort findet sich dem Autor zufolge eine der schönsten Echostellen der Pfalz. Was macht das Erfweiler Echo aus? Schlicher sagt, es sei kurz, schnörkellos und einsilbig.
Und dann ist da noch die Sache mit den Hinkelsteinen, oder besser gesagt Menhiren, die es nicht nur bei Asterix und Obelix, sondern auch in der Pfalz gibt. Sogar in der Südwestpfalz hat Schlicher ein Exemplar ausfindig gemacht, bei Pirmasens ist es zu finden.
In seinem Buch gibt Schlicher zu den einzelnen Zielen jeweils Tourentipps für Wanderungen. Ergänzt wird das Werk durch Texte unter dem Schlagwort „Sapperlot“. Mit einem Augenzwinkern berichtet der Autor in dieser Rubrik über die Pfalz, die Pfälzer und Pfälzer Eigenheiten. In einem Beitrag geht es etwa um ein nicht existierendes Wirtshaus im Mittelpunkt der Pfalz. Apropos Mittelpunkt der Pfalz: Wo ist der eigentlich? Wer das erfahren will, sollte „Potzblitz – die Pfalz!“ lesen.
Lesezeichen
„Potzblitz - die Pfalz!“, Rolf Schlicher, Pilger-Verlag, 208 Seiten, ISBN 978-3-946777-22-9.