Pirmasens Leserbriefe an die Lokalredaktion:

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Da betreibt ein gemeinnützig arbeitender Verein seit über 20 Jahren ein militärgeschichtliches Museum in der Stollenanlage in Niedersimten. Erfreulicherweise war in den letzten Monaten der Presse zu entnehmen, dass den Betreibern Fördergelder aus EU-Mitteln in Aussicht gestellt werden. Wenn man die regionale und überregionale Presse in den letzten zehn Jahren bezüglich des Museums verfolgt hat, so findet man durchweg Anerkennung für die gelungene museale Darstellung und die von dem Betreiberverein erbrachte ehrenamtliche Tätigkeit, die ein Museum ohne große Fördergelder aufgebaut haben. Der im letzten Jahr in Zeit-Online erschienene Artikel, in welchem dem Museum mit der Überschrift: „Da gehen auch Nazis gerne hin …“ eine fehlende Kontextualisierung vorgeworfen wird, hat für viel Empörung gesorgt und kann von mir nicht nachvollzogen werden. Offensichtlich haben die Autoren noch nie eine Führung in diesem Museum gebucht. Im Frühjahr 2016 nahm ich an einer Gruppenführung im Westwall Museum teil. Für mich eine hoch interessante Zeitreise in den wohl schrecklichsten Teil unserer Geschichte. Beginnend mit der Situation in Europa nach Ende des Ersten Weltkriegs, einem Überblick der geschichtlichen Ereignisse bis zur Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten und detaillierten Informationen über den Westwallbau und seine Auswirkung, insbesondere auf die Grenzregionen, haben diese Führung zu einem lebendigen Geschichtsunterricht werden lassen, welcher mit der Schilderung der letzten militärischen Nutzung durch die Amerikaner endete. Sehr beeindruckt haben uns die Ausführungen bezüglich der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen am Westwallbau nach 1944 und auch die Erläuterungen zur „Roten Zone“, welche zur zweimaligen Evakuierung der Grenzbevölkerung führte. Unvorstellbar, dass in dieser Anlage die gesamte Niedersimter Bevölkerung zum Schutz vor den Luftangriffen Tag und Nacht verbrachte. Dieser Besuch hat Geschichte begreiflich gemacht und wenn man nun heute liest, dass dieses Museum aus brandschutzrechtlichen Gründen nicht mehr öffnen darf, ist dies sehr zu bedauern. Es stellt sich die Frage, warum jetzt? In den vorangegangenen Jahren haben wir immer wieder das Museum besucht und die wechselnden Ausstellungen angeschaut. Es wäre wahrlich ein Verlust für unsere Region und es ist zu hoffen, dass die Verantwortlichen mit den Betreibern eine Lösung finden und ohne Unterbrechung des Museumsbetriebes an der Optimierung dieses Museums weiter gearbeitet werden kann. Langsam wird es unsäglich, was sich in Pirmasens (nein ich habe mich nicht verschrieben) abspielt. Es soll einmal mehr Familien treffen, die zur Arbeit gehen, Steuern bezahlen und dazu noch den nicht mehr selbstverständlichen Beitrag leisten, Kinder in die Welt zu setzen und diese in einer Ganztagsschule betreuen zu lassen. Warum? Weil sie für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen. Und die straft man ab! Geht’s noch? In der gleichen Ausgabe lese ich, dass sich die Landtagsabgeordneten ihre Diäten um 17,5 Prozent erhöht haben. Kritik? Zero. Ernsthaft. Es gibt in Pirmasens einen Krisengipfel hoch verschuldeter Kommunen unter der Leitung des OB Dr. Matheis. Zu Recht! Da stimmen Verteilungsmodalitäten wirklich nicht mehr mit den tatsächlichen Gegebenheiten überein. Die kleinen Familien, die ihre Kinder unter Obhut und Betreuung sehen wollen, was ihr verdammtes Recht ist, zur Kasse zu bitten, um ein paar Euro einzunehmen, um die mit weit über 300 Millionen Euro verschuldete Stadt Pirmasens zu „sanieren“, ist gelinde gesagt eine Unverschämtheit. Darüber hinaus werden Arbeitsplätze, und zwar ganz wichtige Arbeitsplätze, gefährdet. Ich bin Pirmasenser mit Leib und Seele. Aber für diese Entscheidung der Stadt schäme ich mich. Die Zukunft der Stadt sind die Kinder. Ein Stadtratsbeschluss, wie oben beschrieben, wird noch mehr Kinder in die „Erziehungsarmut“ treiben. Ist das wirklich gewollt? Wenn es die finanzielle Not ist, dann fordere ich den gesamten Stadtrat auf, nach Berlin zu fahren und dort den Unmut über solche Entscheidungen kund zu tun. Aber, da fällt mir abschließend ein: Wir müssen ja in Pirmasens noch ein paar Plätze bauen. Und da die Stiftung nur für Abrisse und Plätze, aber nicht für Kinder zahlt, geht das natürlich vor. Ach Gott, was sind wir arm geworden. Ich hatte mich immer wohl und sicher in den beiden kurzen Fehrbacher Tunnelröhren gefühlt. Jetzt, da mir ein Landesbetrieb Mobilität aufzeigt, wie gefährlich die Route nach Pirmasens ist, würde ich doch lieber und sicherer mit dem Schlauchboot von Libyen nach Sizilien kurven. Wie viele Menschen müssen im Tunnel schon ihr Leben gelassen haben!? Aber ehrlich und im Ernst: Was hatten wir ehedem eine herrlich bunte Welt, als es jene studierten Rammböcke (Bürokraten) noch nicht gab. Ich sage voraus: diese Spezies (...) wird die Evolution zum Stocken bringen, so wie schon die Saurier durch eine Naturkatastrophe gekillt wurden. Jeder gefeierte Schritt nach vorn (...) wird begleitet von zwei bis drei bürokratischen Rückwärts-Rollen, dabei stehen wir im Südwesten eh schon an der Wand. Warum den Tunnel zwei Jahre sperren? Warum acht wertvolle Steuer-Millionen in den Wind hängen? Wenn schon, dann bereitet neben dem Tunnel ein Versorgungsrohr vor mit allen geforderten Spielereien und tackert den gefüllten Schlauch in einer Nacht an den Tunnelhimmel. (...) Oder besetzt die Stelle bei jenem Landesbetrieb einfach anders (...).

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