Pirmasens
Kritik an Gehalt der Wasgau-Vorstände: Das verdienen die Chefs der Supermarktkette
Welche besonderen Aktivitäten gab es im Geschäftsjahr 2025 bei der Wasgau AG?
Im vergangenen Jahr feierte die Wasgau ihr 100-jähriges Bestehen. Im Jubiläumsjahr gab es mehrere „strategische Projekte“, wie es Vorstandsvorsitzender Thomas Bings am Mittwoch bei der Hauptversammlung des Konzerns in der Festhalle formulierte. Er zählt dazu die Eröffnung des 24/7-Ladens am Höfle-Eck, die ersten Selbstbedienungskassen im Markt in der Bitscher Straße und die Eröffnung neuer Märkte in Neupotz, Landstuhl sowie in Saarbrücken. Außerdem hat das Unternehmen eine große Photovoltaikanlage in Pirmasens gebaut, um die eigene Lkw-Flotte weiter zu elektrifizieren. In Mainz und am Höfle-Eck hat die Wasgau AG zudem weitere sogenannte Stand-Alone Bäckereien eröffnet. Also Bäckereien, die an keinen Supermarkt angeschlossen sind.
Wem gehört die Wasgau AG?
Die Wasgau AG ist ein börsennotiertes Unternehmen. Sie verfügt über 6,6 Millionen Stammaktien. Größter Anteilseigner ist die Wasgau Food Beteiligungsgesellschaft (Annweiler) mit 53,1 Prozent. Danach folgen die Edeka Südwest eG (Offenburg) mit 24,98 Prozent und die Rewe Markt GmbH (Köln) mit 14,84 Prozent sowie weitere kleinere Anteilseigner. Interessantes Detail: Die Rewe Markt GmbH wiederum besitzt 51 Prozent an der Wasgau Food AG und hat somit das Sagen. Insgesamt hat die Wasgau AG knapp 650 Aktionäre.
Wie lief das Geschäftsjahr 2025?
Die Wasgau AG beziffert ihr Ergebnis vor Zinsen und Steuern mit 2,8 Millionen Euro. Aus den Reihen der Aktionären wurde daran durchaus Kritik laut. Zum Vergleich: Im Vorjahr war es mit 5,3 Millionen Euro fast doppelt so hoch. Die Verantwortlichen verweisen auf viele Investitionen und ein „anspruchsvolles Marktumfeld“. Der Umsatz lag 2025 bei 359 Millionen Euro, fünf Millionen mehr als im Vorjahr. Den Großteil davon, 311 Millionen Euro, erwirtschaftete die Wasgau AG mit ihrer Großhandelssparte. Die blieb den Angaben zufolge 2025 jedoch in Bezug auf den Umsatz unter den Erwartungen.
Was verdient der Wasgau-Vorstand?
Die Gesamtbezüge des Vorstands beliefen sich im vergangenen Jahr auf rund 1,1 Millionen Euro. Die Vergütungen des Vorstands setzen sich aus einer festen Summe sowie einer variablen erfolgsabhängigen Vergütung zusammen. Zu diesen Vergütungen kommen noch Nebenleistungen wie die Stellung eines Fahrzeuges zur dienstlichen und privaten Nutzung sowie individuelle Versorgungsleistungen. Insgesamt darf diese Summe im Jahr jedoch nicht höher als 2,5 Millionen Euro sein. Im Geschäftsbericht ist zu lesen, dass Vorstandssprecher Thomas Bings im vergangenen Jahr 445.000 Euro verdient hat. Seine Kollegen im Vorstand kommen auf 279.000 Euro (Sascha Kieninger) und 266.000 Euro (Peter Scharf). Außerdem flossen 37.000 Euro an das mittlerweile ausgeschiedene Vorstandsmitglied Elisabeth Promberger sowie 124.000 Euro an den ebenfalls ausgeschiedenen ehemaligen Vorstandssprecher Ambroise Forssman-Trevedy. Von den Vorstandsmitgliedern wurden zum Bilanzstichtag insgesamt 50 Aktien gehalten. Aktionäre kritisierten in der Hauptversammlung, dass ihre Dividende seit Jahren bei 0,12 Euro liege, während das Gehalt der Vorstände stets steige. Es wurden Forderungen laut, ihre Bezüge an die „schlechte Performance“ der Wasgau-Aktien zu knüpfen. Ein Aktionär warf dem Wasgau-Vorstand vor, Wasser zu predigen und selbst Wein zu trinken.
Was bekommen die Mitglieder des Aufsichtsrates?
Der Aufsichtsrat traf sich 2025 zu insgesamt fünf Sitzungen. Davon fand ein Treffen virtuell statt. Hinzu kommen weitere Sitzungen von einzelnen Ausschüssen des Aufsichtsrates. Der Aufsichtsrat hat zwölf Mitglieder und setzt sich zu gleichen Teilen zusammen aus Vertretern der Anteilseigner sowie der Arbeitnehmer. Die Aufsichtsratmitglieder erhalten jährlich eine Pauschale von 10.000 Euro. Der Vorsitzende Sven Spork erhält die doppelte Summe. Seine beiden Vertreter bekommen jeweils 15.000 Euro. Weiteres Geld gibt es für die Mitgliedschaft in den Ausschüssen des Aufsichtsrates. Insgesamt floss an die Mitglieder des Gremiums im Jahr 2025 die Summe von 180.000 Euro. In den Reihen des Aufsichtsrates befinden sich Besitzer von insgesamt 22 Aktien.
Welche Dividende fließt an die Aktionäre?
Für das Geschäftsjahr 2025 ist eine Dividende von 0,12 Euro je Aktie vorgesehen. Dieser Betrag entspricht der Ausschüttung der vergangenen Jahre. Das sorgt bei Aktionären immer wieder für kritische Anmerkungen. Auch in diesem Jahr gab es den Vorstoß, die Dividende auf 0,24 Euro zu erhöhen. Das wurde auf der Hauptversammlung am Mittwoch jedoch abgelehnt.
Was erwartet die Wasgau AG für das laufende Jahr?
Die Verantwortlichen rechnen mit einem Umsatzanstieg. Sie gehen zudem davon aus, dass die Anzahl der Beschäftigten nahezu konstant bleiben. Zum Stichtag des Geschäftsberichtes für 2025 waren es 268 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Vorstand erwartet für 2026 ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern zwischen einer und zwei Millionen Euro. Also noch mal deutlich weniger als im vergangenen Geschäftsjahr.
