Pirmasens Konzert mit ungewöhnlicher Dramaturgie

Am Sonntagabend erklang in der Pirmasenser Johanneskirche „Deutsche Chormusik aus vier Jahrhunderten“, a cappella vorgestellt von der Bezirkskantorei Pirmasens unter der Leitung von Bezirkskantor Maurice Antoine Croissant.
Die Ausführung des Konzerts war interessant durchdacht. Die Bezirkskantorei stellte sich im Altarraum auf und sang von Josef Gabriel Rheinberger die „Missa Es-Dur (Cantus Missae, op. 109). Allerdings wurden die eucharistischen lateinischen Texte des Werkes nicht hintereinander, sondern verteilt über die komplette Aufführungszeit des Konzerts mit anderen Werken dazwischen vorgestellt. Zu Beginn folgte der Bittruf „Kyrie eleison“. Nach jedem die „Missa“ betreffenden Gesang erklang das Liedgut eines anderen Komponisten. So gab es nach dem Kyrie von Johannes Brahms „Ich aber bin elend“ zu hören. Nach jeweils zwei vorgestellten Gesängen verließ der Chor geordnet den Altrarraum und setzte sich auf Bankreihen rechts und links des Kirchenschiffes. Denn jetzt war der Organist Gernot Gölter an der Reihe und spielte auf der Orgel das „Präludium G-Dur“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy mit einem ruhigen Dahinschweben von Tonklängen. Wieder stellte sich der Chor im Altarraum auf und sang das „Gloria“ aus der „Missa“ von Rheinberger in bewegendem Crescento- und Decrescento-Passagen. Danach folgte von Heinrich Schütz „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ aus der „Geistlichen Chormusik“. Und Gernot Gölter bezauberte anschließend mit dem Stück „Menuet gothique“ von Léon Boellmann. Nach dem majestätisch gesungenen „Credo“ aus der „Missa“ folgte für den Chor das wunderschön vorgestellte Lied „Gott ist gegenwärtig“ von Wilhelm Krumbach. Danach spielte Gölter an der Orgel von Rheinberger die „Cantilene“ im Adagio aus der „Orgelsonate d-Moll“. Der Chor glänzte wieder bei leisem Beginn mit dem „Sanctus – Benedictus“ aus der „Missa“ und stellte anschließend von Gottfried August Homilius den Psalm „Die mit Tränen säen“ überaus ergreifend vor. Dann zeigte Gölter, was er alles an Klangfarben, Virtuosität und Interpretationsvermögen auch mit dem Schweller an der Orgel beim „Final“ aus der „1. Symphonie“ von Louis Vierne großartig vorstellen kann. Nach dem feierlichen „Agnus Dei“ aus der „Missa“ von Rheinberger folgte das „Abendlied“ von demselben Komponisten und als Danke für den riesigen Applaus der vielen Zuhörer sang die Bezirkskantorei ergreifend schön drei Strophen des Liedes „Der Mond ist aufgegangen“. Der komplette Chor hatte sich großartig dynamisch in seinen Gesängen gezeigt und passte sich voll dem Dirigat von Croissant an.