Pirmasens Kalinka und die zwölf Räuber in der Pfarrkirche

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Leicht hätte man glauben können, sich am Montagabend in einer Kirche mit vergoldeter Kuppel in den Weiten Russlands zu befinden. Dass diese Illusion aufkam, obwohl es sich um die Pfarrkirche in Herschberg handelte, lag an den Stimmen und der Musik aus dem Altarraum. Der berühmte Schwarzmeer Kosaken-Chor unter Leitung von Peter Orloff gastierte zum ersten Mal in der Sickingerhöhgemeinde.

Das von flackernden Kerzen beleuchtete Gotteshaus konnte die mehr als 200 Besucher kaum fassen. Pfarrer Müller als Hausherr begrüßte den weit gereisten Chor als „großartige Botschafter einer einzigartigen Musikkultur“. In der Tat berührten die neun Sänger und drei Musiker mit Domra, Balalaika und Knopf-Akkordeon (Bajan) von Anfang an die Herzen der aufmerksam lauschenden Zuhörer. Selten hört man Tenöre höher und Bässe tiefer singen als bei diesem Ensemble von dem man sagt, dass es „singend betet und betend singt“. Schon beim ersten russisch gesungenen Chorsatz erzeugte die unglaubliche Klangfülle bei vielen Besuchern direkt ein Gänsehautgefühl. Ergreifend auch das musikalisch dargebotene „Vater unser“ oder „Ave Maria“ von Franz Schubert mit Chor und Solist. Peter Orloff selbst, Deutscher mir russischen Wurzeln, ist mit den Schwarzmeer-Kosaken seit frühester Kindheit verbunden. 1938 wurde das Ensemble von seinem Vater Nikolai Orloff mitbegründet, der zusammen mit wechselnden Dirigenten fast drei Jahrzehnte die Gesamtleitung innehatte und einem Millionenpublikum die besondere Musik der russisch-orthodoxen Kirche und der Kosaken nahebrachte. Kaum 14 Jahre alt wird sein Sohn Peter 1958 als damals jüngstes Mitglied eines Kosakenchores überhaupt in das Ensemble aufgenommen. Bedingt durch die Auflösung des Chores 1967 verlief dann seine musikalische Karriere in ganz anderer Richtung und aus dem singenden Kosaken wurde der Schlagerstar der 70er und 80er Jahre. Nach der Wiedergründung der Schwarzmeer Kosaken 1993 übernahm Peter Orloff dann die Gesamtleitung und hat mit diesem stimmgewaltigen Chor seither bei tausenden Konzerten die Menschen begeistert und berührt. Während im ersten Teil des Konzertes in Herschberg hauptsächlich klassische und geistliche Musik dargeboten wurde, kamen im zweiten Teil auch die Folklore sowie typische Kosakenklänge und russische Volkslieder zu ihrem Recht. Dazu gehörten natürlich „Die Legende von den zwölf Räubern“ ebenso wie „Abendglocken“ oder der „Kosaken-Reitermarsch“. Mit rhythmischem Klatschen beim allseits bekannten Ohrwurm „Kalinka“ und stehend dargebrachtem Applaus bekundeten die Zuhörer ihre Begeisterung.

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