Pirmasens
Julian Steckel und Paul Rivinius spielen in Pirmasens Beethovens Cellosonaten
In der ersten Konzerthälfte am Sonntag, die um 11 Uhr beginnt, erklingen die beiden Sonaten op. 5 Nr. 1 und Nr. 2. Nach einer Pause, in der dem Publikum ein Imbiss angeboten wird, folgen ab 13 Uhr die Sonate op. 69 sowie die beiden Sonaten op. 102 Nr. 1 und Nr. 2.
Beethovens Werke für Violoncello und Klavier verteilen sich auf einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren und dokumentieren daher sämtliche Schaffensperioden des Meisters. Sie geben Einblick in seine künstlerische und menschliche Entwicklung und spannen einen Bogen über sein ganzes Leben sowohl als Mensch als auch als Komponist.
Vom Früh- zum Spätwerk
Die beiden Sonaten des op. 5 sind typische Frühwerke des jungen, provokanten Klaviervirtuosen, die große A-Dur-Sonate op. 69 zählt zu den Hauptwerken des „mittleren Beethoven“, während die beiden Sonaten op. 102 die späte Stilphase einläuten. Wie so viele Spätwerke des Meisters lösten auch diese beiden Cellosonaten bei den Zeitgenossen Irritation und Befremden aus.
Bereits in den beiden frühen Sonaten op. 5 schwebte Beethoven eine ausgewogenen Behandlung von Violoncello und Klavier vor. Von einer wirklichen Gleichberechtigung der Instrumente kann aber erst in den folgenden drei Sonaten die Rede sein.
Doch auch anderer Hinsicht sind Beethovens Cellosonaten bahnbrechend. Entsprach die A-Dur Sonate op. 69 vom Aufbau her noch dem klassischen Modell, so tritt in den Sonaten op. 102 ein gesteigerte Einsatz polyphoner Mittel hinzu, der in der kontrapunktisch kunstvoll gearbeiteten Schlussfuge der D-Dur Sonate gipfelt. Deutlich zeigen sich hier erste Merkmale von Beethovens Spätstil.
Die Zeitgenossen waren sichtlich irritiert, wie aus einer Rezension von 1818 aus der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ hervorgeht:„Diese beyden Sonaten“, heißt es da, „gehören ganz gewiss zu dem Ungewöhnlichsten und Sonderbarsten, was seit langer Zeit, nicht nur in dieser Form, sondern überhaupt, für das Pianoforte geschrieben worden ist. Alles ist hier anders, ganz anders, als man es sonst, auch sogar von diesem Meister selbst, empfangen hat.“
Heimspiel für Julian Steckel
Die beiden Interpreten sind den Pirmasenser Musikfreunden bestens bekannt durch viele Konzerte in der Festhalle. Paul Rivinius studierte Klavier in Saarbrücken, Frankfurt und München, wo er 1998 sein Examen als Meisterschüler von Gerhard Oppitz ablegte. Als Mitglied des „Clemente Trios“ gewann er den renommierten ARD-Wettbewerb, ist seit 2004 Mitglied des „Mozart Piano Quartetts“, mit dem er im Januar vergangenen Jahres in der Festhalle gastierte. Er genießt einen besonderen Ruf als Kammermusiker und lehrte viele Jahre als Professor für Kammermusik an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ in Berlin. Er lebt heute in München.
Nach dem Gewinn des ARD-Musikwettbewerbs 2010 begann Julian Steckels Solokarriere. Seitdem trat er unter anderem mit dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Royal Philharmonic Orchestra und dem Orchestre de Paris auf. Im Bereich der Kammermusik gehören unter anderem Janine Jansen, Christian Tetzlaff, Antje Weithaas, Elisabeth Leonskaja und die Quartette „Modigliani“, „Armida“ und „Ébène“ zu seinen Partnern. Julian Steckel unterrichtet als Professor an der Musikhochschule in München.
Infos
Karten für 19 Euro gibt es im Kulturamt sowie an der Tageskasse. Das kulinarische Angebot (15 Euro) ist nur beim Kulturamt. Telefon 06331/ 842352, erhältlich.