Handball
Joachim Schulze: Experte für Beton-Abwehr und Granaten
Es war das Jahr 1982. Ein Freund schleppte den damals 16-jährigen Joachim Schulze mit zum Handballtraining des TV Dahn. Wer so spät einsteigt, hat in dieser komplexen Sportart eigentlich kaum noch eine Chance auf eine erfolgreiche Karriere. Das war bei Schulze anders. Denn der brachte nicht nur stattliche 1,93 Meter aufs Spielfeld, sondern auch rund zwei Zentner Körpermasse – und jede Menge Talent. In der Abwehr rührt er noch heute im Mittelblock den Zement an, im Angriff feuerte er aus dem Rückraum Granaten ab, die noch immer nicht selten den direkten Weg durch die Reihen des Gegners ins Ziel finden.
Hilfreich war Schulze in Sachen Spielverständnis und Taktik sicher seine Auffassungsgabe, die ihm im Berufsleben sogar zu einem naturwissenschaftlichen Doktortitel verhalf. Und da kann er die Brücke zum Beton schlagen, denn an der Technischen Universität in Kaiserslautern arbeitet und forscht der Diplom-Chemiker an dem Baustoff, um ihn immer leistungsfähiger zu machen.
Drei Söhne spielen Handball
Auf dem Handballfeld machten ihn seine Fähigkeit, eine Beton-Abwehr anzuführen, und die Freude, die ihm sein Sport bis heute beschert, erst zum Oberligaspieler beim TuS Landstuhl, dann sogar mit 34 Jahren noch zum Drittligaspieler bei der SG Waldfischbach. „Dort bin ich mit meiner Spielanlage und technischen Defiziten doch an meine Grenzen gestoßen“, sagt Schulze heute, wenngleich er in der damaligen international besetzten Waldfischbacher Truppe großen Spaß hatte. Und für Schulze war Handball zeitlebens Hobby neben dem Beruf und der Familie, in der er als Vater auch seine Rolle spielen musste.
Vererbt hat er nicht nur die Liebe zum Sport an seine drei Söhne, auch das Talent. Der älteste Sohn, Patrick Schulze (27), spielt in der Oberliga-Mannschaft des TuS Kaiserslautern-Dansenberg, Jonas (25) hütet in der Rheinhessenliga für Mainz-Bretzenheim das Tor und Alexander (23) ist inzwischen in der Bundesliga beim TVB Stuttgart auf der linken Außenbahn aktiv. Nicht zu vergessen ist Tochter Hannah (16), die zwar selbst lieber reitet und klettert, aber als Fan immer dabei war, wenn die Schulzes in den Hallen um Punkte kämpften.
„Wandel der Zeit“
Dass mit dem TV Ramstein neben der SGW ein weiterer seiner Ex-Vereine von der Handballkarte verschwunden ist, betrübt Schulze: „Es ist wohl der Wandel der Zeit. Die Jugendlichen sitzen mehr am Computer.“ Er rät den Vereinen, die Kräfte noch mehr zu bündeln und noch offener für Spielgemeinschaften zu sein.
Herzblut-Pfälzer
Er selbst versucht heute noch – neben seinen Aktivitäten in Dansenbergs B-Klasse-Mannschaft – so viele Spiele seiner Sprösslinge zu besuchen, wie es irgend möglich ist. Daneben findet der „Herzblut-Pfälzer“ noch die Zeit, um mit seiner heutigen Partnerin durch den Pfälzerwald zu wandern oder im Cabrio die Tagesausflüge in die Vorderpfalz, den Schwarzwald oder auch mal zum Großglockner zu genießen. Auch Laufen oder Radfahren gehört ab und an zum Ausgleichsprogramm.
Trainerlaufbahn beendet
Schulze ist ein Mann, der ohne den Pfälzerwald nicht leben kann. Die Verbindung nach Dahn, wo seine Eltern wohnen, ist weiterhin gegeben. Mit 44 Jahren half er beim TVD sogar noch mal einer neuen Generation von Handballern als Leitwolf auf die Beine. Allerdings hat er zur aktuellen Verbandsliga-Mannschaft des TVD kaum noch einen Bezug: „Da spielen heute Söhne meiner damaligen Mitspieler“, merkt er gut gelaunt an. Dass er kein heißer Kandidat auf den dort lange vakanten Trainerposten gewesen sei, betont er auch: „Erstens wäre der Aufwand zu groß, zweitens habe ich meine Trainerlaufbahn eigentlich abgehakt, weil ich mir die Zeit für meine anderen Interessen freihalten möchte.“
Schöne Zeit in Rodalben
Dabei hatte Schulze schon als Trainer fungiert, fünf Jahre davon als Spielertrainer der TS Rodalben. „Das war kurz nach der Jahrtausendwende“, erinnert er sich „an eine schöne Zeit, alleine schon wegen der tollen Halle und dem klasse Umfeld dort.“ Er habe immer großen Wert auf körperliche Fitness gelegt, sei aber kein Felix Magath gewesen, sondern habe auf Mitspielerbasis geführt. Wenngleich doch einige seiner Spieler etwas entgeistert dreingeblickt hätten, wenn es zum Training nicht in die Halle, sondern in den Wald ging.
Noch mal Torschützenkönig
Mit dem TuS Dansenberg ist Schulze noch einmal B-Klasse-Meister und Torschützenkönig geworden. Auf den Aufstieg verzichtete die Ü50-Truppe, zu der auch der ebenfalls aus Dahn stammende Ex-CDU-Landtagsabgeordnete Peter Dincher (früher Frauentrainer in Hauenstein), die Pirmasenser Steffen Huske und Andreas Becker sowie Stefan Reiser, Boris und Michael Flesch (alle früher SG Waldfischbach) gehören. Denn Schulze betont, dass es in diesem Team hauptsächlich um Spaß und Geselligkeit gehe. Außerdem schmerzten nach dem Spiel die Knochen noch zwei Tage lang.
Auf die Frage, wie lange er noch spielen werde, kommt die Antwort zögerlich: „Meine Tochter forderte, dass ich nach ihrem Abitur aufhören solle. Das wäre in drei Jahren.“ In Beton gegossen scheint dies aber nicht.