Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Bürgermeister Maas zum Alltag mit dem Coronavirus

Wie schöpft Michael Maas Kraft? „Durch den Glauben und beim Wandern“, sagt er.
Wie schöpft Michael Maas Kraft? »Durch den Glauben und beim Wandern«, sagt er.

Die letzten und die nächsten Monate haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind geprägt von der Corona-Pandemie. In unserer Interviewreihe zum Jahreswechsel befragen wir Menschen aus der Region zur Pandemie und wie sie die Zeit erleben. Zum Auftakt verrät Bürgermeister Michael Maas der RHEINPFALZ, was er immer im Kühlschrank hat.

Was war Ihr schönster Moment 2021?
Ich hatte mit meiner Familie im Sommer eine Radtour unternommen. Es war tolles Wetter, leider waren aufgrund der Pandemie nahezu alle Einkehrmöglichkeiten auf der Tour geschlossen. Schließlich ist es uns gelungen, ein kleines Café zu finden, das den Außenbereich geöffnet hatte. Bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen habe ich in die Gesichter meiner Familie geschaut und erkannt, wie glücklich und zufrieden diese in dem Augenblick waren. Für mich war dies ein wunderbarer und vollkommener Moment.

Was wird nach der Pandemie besser sein als vorher?
Ich denke, die Themen Homeoffice und Online-Konferenzen haben enorme Bedeutung und Akzeptanz erfahren. Diese flexiblen und effizienten Instrumente werden sicherlich die Arbeitswelt in der Zukunft nun mehr und mehr prägen und verändern. Mit allen Vor- und Nachteilen.

Was haben Sie, was haben wir durch die Pandemie gelernt?
Für mich war der Begriff „systemrelevant“ neu. Dieser Begriff hat beziehungsweise beschäftigt mich über die Pandemie dauernd. Die Frage, ob ich systemrelevant bin und in welchem Umfang. Oder die Frage, ob und welche Beschäftigten in unserer Verwaltung systemrelevant sind, haben mich beschäftigt. Nach meinem Dafürhalten ist „systemrelevant“ eher relativ. Die Selbstwahrnehmung im Hinblick auf die eigene „Systemrelevanz“ relativiert sich beim Reflektieren doch sehr deutlich. Die Verwendung dieser Begrifflichkeit und eine vermeintliche Differenzierung halte ich für unangebracht. Je nachdem, wo die persönlichen Vorteile für die betreffende Person in der Pandemie lagen und liegen, wird beziehungsweise wurde diese Begrifflichkeit vorgeschoben.

Beispiel: In der Pandemiezeit ist der Betrieb der Kindergärten und Schulen meines Erachtens eher systemrelevant als nachgelagerte Verwaltungstätigkeiten und die Frage, ob Fristen und Termine bei Mahnbescheiden oder Ähnlichem gewahrt werden können.

Beim Thema Hygiene habe ich mir Rituale angewöhnt, die sicher auch in Zukunft sehr hilfreich sein können. Etwa die Verwendung von Desinfektionsmittel für die Hände beim und unmittelbar nach dem Einkauf.

Was hat Sie zuletzt überrascht?
Hier fällt mir nichts ein.

Was hat Sie zuletzt gefreut?
Ich habe den Halbmarathon beim diesjährigen Pfälzerwald-Marathon geschafft. Ich kam mit einem sehr guten Gefühl ins Ziel und musste mich beim Lauf nicht quälen. Die Erfahrung mit der Endorphinausschüttung und das Hochgefühl haben sicher mindestens zwei Tage angedauert.

Wer ist Ihr Vorbild?
Meine Eltern. Meine Mutter und mein Vater gleichermaßen.

Woraus schöpfen Sie Kraft?
Ich bin ein gläubiger Mensch. Meine Kraft schöpfe ich durch den Glauben und beim Wandern.

Eine Sorge, die sich 2021 als unbegründet erwies?
Meine größte Sorge, gerade zu Jahresanfang, galt meinen Eltern. Glücklicherweise hat die Impfung gut funktioniert, und es kam zu keinen Nebenwirkungen oder Komplikationen.

Haben Sie aufgrund der Pandemie etwas Grundsätzliches an Ihrem Leben verändert?
Verschiedene Hygienerituale, siehe oben. Im Privatbereich sicher: Vorher war ich abends oft im Fitnessstudio und habe Sport in der Gemeinschaft betrieben. Nun bin ich eher spät abends zum Joggen unterwegs. Die privaten, sozialen Kontakte haben sich dementsprechend deutlich reduziert. Dienstlich: Durch die Reduzierung von Präsenzterminen und der Einführung der Onlinekonferenzen hat sich der Termindruck unwahrscheinlich erhöht. Wegezeiten fallen weg, die eine kurze Verschnaufpause nach dem jeweiligen Termin geboten haben, aber auch (je nachdem, wo der nächste Termin stattfindet) eine kurze Zeitspanne bieten, um das Gespräch zu reflektieren und gegebenenfalls bereits verschiedene Arbeitsaufträge aus dem Gespräch abzuarbeiten beziehungsweise einzuleiten. Durch die Termindichte der Onlinekonferenzen gibt es Tage, bei denen selbst eine kurze Unterbrechung für persönliche Bedürfnisse zur Herausforderung wird.

Was haben Sie zuletzt falsch gemacht?
Beim Rasenkantenschneiden habe ich aus Versehen das Begrenzungskabel des Mähroboters beschädigt, dann den Rest des Wochenendes damit verbracht, die beschädigte Stelle zu finden, um dann doch das komplette Begrenzungskabel inklusive Leitkabel auszutauschen und neu zu verlegen. 

Haben Sie in den vergangenen Monaten geweint? Warum?
Nicht geweint, aber Tränen in den Augen. Ich war sehr müde, habe dann aber doch noch ein Buch gelesen und an einer Stelle, die mich sehr berührt hat, kamen mir dann die Tränen. Es war eigentlich keine traurige Stelle, eher eine schöne und anrührende Stelle, in der das Leben in einem kleinen Dorf in den 1950er Jahren beschrieben wurde.

Mit welcher Überzeugung gehen Sie ins Jahr 2022?
Es wird ein Jahr mit großen Herausforderungen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir diese Herausforderungen meistern werden. Gleich, ob diese dienstlich oder privat sein mögen.

Was darf trotz Pandemie nie im Kühlschrank fehlen?
Zwei Becher Götterspeise Waldmeister.

Wo waren Sie 2021 im Urlaub?
Eine Woche im Center Park am Bostalsee. Das war sehr, sehr schön. Und vier Tage Wanderurlaub auf dem Grimmsteig in Nordhessen.

Welches Lied begleitet Sie durch die Pandemie?
Es gibt tatsächlich ein Lied, das ich lange nicht mehr im Radio gehört habe, welches mir aber sehr oft im vergangenen Jahr durch den Kopf gegangen ist. Bette Midlers „From a Distance“. Ich verbinde das Lied mit dem Golf- beziehungsweise Irakkrieg Anfang der 1990er Jahre. Die Bilder aus den Nachrichten von damals verbinden sich in meiner Erinnerung mit diesem Song. Gerade im letzten, durch die Pandemie geprägten Jahr kam und kommt mir dieses Lied immer wieder in den Kopf.

Zur Person

Michael Maas ist seit Juli 2019 Bürgermeister der Stadt Pirmasens. Davor war er Leiter des Tiefbauamtes und hatte verschiedene Funktionen in der Stadtverwaltung inne. Bevor er in den öffentlichen Dienst wechselte, arbeitete der Bauingenieur als Projektleiter in der freien Wirtschaft.

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