Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Imposanter Veteran unter den Lichtspielhäusern

James Bond steht schon in den "Startlöchern": Wenn die Lichtspielhäuser wieder öffnen dürfen, wird der neue Bond-Film "Keine Zei
James Bond steht schon in den »Startlöchern«: Wenn die Lichtspielhäuser wieder öffnen dürfen, wird der neue Bond-Film »Keine Zeit zu sterben« im Walhalla-Kinozentrum zu sehen sein. Voraussichtlicher Termin der Internationalen Veröffentlichung ist der 30. September.

Kinos in Pirmasens (Teil 2): Walhalla – so hieß doch das Kriegerparadies der nordischen germanischen Mythologie. Nur die im Kampf gefallenen ruhmreichen Helden wurden aufgenommen und durften mit Göttervater Odin auf „Du“ trinken. Und lehnen wir uns im Walhalla-Kino nicht auch gerne in den weichen Sesseln zurück und bewundern die Helden der Neuzeit auf der Leinwand?

Aktuell gibt es jedoch für Kino-Junkies wenig Grund, die Krieger des 21. Jahrhunderts auf der Leinwand zu bejubeln. Coronabedingt ist das Walhalla geschlossen. Das hätte sich Odin nie träumen lassen, dass er die Heldenhalle einmal schließen müsste. In seiner mehr als 100-jährigen Geschichte war das Walhalla in der Landauer Straße noch nie so lange außer Betrieb. Vielleicht im Zweiten Weltkrieg, als die Stadt durch den Bombenhagel der Alliierten zerstört worden war. Doch das Walhalla überstand auch diese schwere Zeit – unzerstört.

1913 hatte sich der Pirmasenser Heinrich Ohr entschlossen, ein großes Lichtspielhaus zu gründen. So entstand der imposante Bau des Walhallas, der als Veteran nicht nur in der Pirmasenser Kinoszene gilt. Als die ersten Kinos in Pirmasens in den 1970/80er Jahren den Betrieb einstellten, gab das Lichtspielhaus in der Landauer Straße erst richtig Gas. 1973 wurde unter der Geschäftsführung der Familie Rolf Sieger zunächst der große Saal des Kinos durch eine Zwischendecke geteilt. Im Untergeschoss verblieb das Walhalla mit aktuell 247 Sitzplätzen. Im Obergeschoss kam das Royal (162 Plätze) neu hinzu. Im früheren Balkon des Walhalla entstand das Prinzess (142 Plätze). 1974 wurde seitlich ein weiterer Saal angebaut, das Lux mit 73 Plätzen. 1975 wurde noch ein frühere Nebenraum zum Studio umgebaut (40). Aus einem Kino sind fünf geworden und die sind allesamt mit modernster digitaler Projektionstechnik ausgestattet. In drei der fünf Kinos können auch 3D-Filme gezeigt werden, wie beispielsweise der Science-Fiction-Film „Avatar“. Der große Saal verfügt sogar über einen hochmodernen 4K-Projektor.

„Das Schweigen“ im Walhalla

Von jeher waren im Walhalla die Mainstream-Filme der jeweiligen Zeitepoche zu sehen. Der Autor erinnert sich dunkel, dass beispielsweise in den 60er Jahren das schwedische Filmdrama „Das Schweigen“ ins Walhalla kam. Die damalige Kritik schrieb darüber: „Mit schockierender Direktheit erzählt der Film- und Theaterregisseur Ingmar Bergman in diesem kammerspielartigen Schwarzweißfilm, was passiert, wenn Gott schweigt.“

In solch einem Fall hätte man natürlich auch in die Kirche gehen können, um Don Camillo-mäßig mit dem Herrn zu reden. Aber statt vor den Kirchentüren standen die Menschen damals Schlange vor der Kinokasse. So erinnert sich der 86-jährige Rudolf Zwick im Gespräch mit der RHEINPFALZ: „Drei Wochen vorher mussten wir die Karten bestellen.“ Es ging zwar auch um das Schweigen des Herrgotts, aber hintergründig um sexuelle  Begierde, Exzesse und Hass. Um ein Inferno der Angst, Verwirrung und Hilflosigkeit. Jede Menge Tabubrüche für die 60er Jahre. Mein lieber Scholli oder wie man heute sagen würde: Alter Schwede.

Rudolf Zwick: „Ein paar Jahre später war die Zeit der Oswalt-Kolle-Filme beziehungsweise der Hausfrauen- und Schulmädchen-Reports. Die sind alle entweder im Walhalla oder im Roxy gelaufen.“ Aber das waren quasi schon „alte Hüte“. Genauso wie die Erotik-Nachfolgefilme „Eis am Stiel“, für den das mitwirkende Starlett Sibylle Rauch höchstpersönlich im Walhalla-Kino der Presse zu einem Interview zur Verfügung stand.

James Bond jagt im Walhalla ebenso die Bösewichter wie Jimmy Blond, der Geheimagent aus Pirmasens, alias Torsten Groh, Teamleiter des Empfangs des Städtischen Krankenhauses, der eine Hommage an die James-Bond-Filme geschrieben und produziert hatte.

Das Walhalla-Kinocenter wird seit dem 13. Dezember 2007 von Theodor Sieber als Pächter betrieben. Als er das Kino seinerzeit übernahm, sei es in einem relativ schlechten Zustand gewesen. „Schon bei der Übernahme hatte ich vor, das Kino relativ bald zu renovieren und damit auch wieder mehr Besucher ins Walhalla zu locken.“ In den folgenden vier Jahren nahm Sieber eine Menge Geld in die Hand, um das Kino auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Rückblickend sagt er: „Durch die Renovierung und sonstige Veränderungen konnte ich in den ersten Jahren unter meiner Regie die Besucherzahlen gegenüber dem Jahr 2007 um bis zu 50 Prozent steigern. Der Erfolg lag damit über meinen Erwartungen. Bis zum Beginn der Corona-Pandemie konnte ich das Walhalla durchgehend wirtschaftlich erfolgreich betreiben.“

Ein Zug für zwei Halunken

Wenig zu finden ist in den Archiven über das Universum-Kino in der Winzler Straße. Laut Informationen der Stadt ist das Lichtspielhaus 1952 von der Firma „Baustoffe Mang“ erbaut worden, und zwar von einem Onkel des Walhalla-Kinobesitzers Rolf Sieger. Das „Uni“ hatte rund 600 Sitzplätze und wurde von 1956 bis 1959 von Rudi Ohr betrieben. Ihm folgte Friedrich Sieger von 1960 bis mindestens 1971; der übergab es an Rolf Sieger. Nach 25 Jahren musste das Haus in der Winzler Straße schließen. Der 25-jährige Pachtvertrag, den die Baustofffirma Mang seinerzeit mit dem Pächter geschlossen hatte, lief 1974 aus. Da sich das Betreiber-ehepaar Sieger nicht mit der Familie Mang über die weiteren Pachtbedingungen einigen konnte, kam es zu keiner Vertragsverlängerung. Zum 31. Dezember 1974 schloss das Filmtheater. Am 29. wurden im „Uni“ um 20 Uhr die letzten Billetts zur Abschiedsvorstellung ausgegeben. Sie hieß: „Ein Zug für zwei Halunken.“

Einige Jährchen früher, als Kurt Höh ein Junge war, gab es außer den sechs Kinos kaum noch andere Unterhaltungsstätten für Heranwachsende in Pirmasens. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ ließ Höh seine Kino-Jugend Revue passieren. Zum Beispiel erinnerte sich der heute 67-Jährige, dass er gerne im Roxy und mit seiner Clique im Park-Kino war. „In meiner Zeit waren Abenteuer- und Westernfilme im Roxy angesagt. Es folgten die sogenannten Sandalenfilme“ (Hauptsächlich in Italien produzierte Filme, in denen historische oder biblische Geschichten gezeigt werden.

FSK, die freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, die die Altersfreigabe von Medien nach dem Jugendschutzgesetz prüft, scheint damals noch kein großes Thema gewesen sein. Die Frage, ob denn das Kinopersonal die Jugendlichen nicht nach ihrem Alter gefragt hätten, beantwortete Höh so: „Nein. Da hat niemand gefragt.“ Andere Erinnerungen hat Rentner Rudolf Zwick. Er erinnert sich noch ganz gut, dass er mal Schwierigkeiten im Walhalla bekam, als der Platzanweiser seine Frau nicht reinlassen wollte, obwohl sie natürlich schon 18 Jahre alt war. „Ich habe gesagt: Spinnst du. Meine Frau nehm’ ich mit rein und sonst gar nichts.“

„Vertrauen ist gut...“

Eine ähnliche Erfahrung machte der Autor im Schloss-Theater, als bei einer Spätvorstellung (ab 22.30 Uhr) Polizeibeamte in Zivil die Besucher auf ihr Alter kontrollierten. Und da ich damals mit 18 immer noch aussah, als wär’ ich gerade erst fünf Wochen vorher konfirmiert worden, wurde ich natürlich genaustens unter die Lupe genommen. Zum Glück hatte ich meinen Personalausweis dabei. Da ist schon was dran an dem Lenin-Zitat: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Aber zurück zum Roxy und Kurt Höh. Er führte aus, dass dieses Kino von der Bestuhlung her eines der besten Lichtspielhäuser zur damaligen Zeit in Pirmasens gewesen sei. Das Roxy war ebenerdig mit den üblichen Plätzen ausgestattet, also Sperrsitze im hinteren Teil des Kinos; die Sitze im Parkett waren die vorderen, oft ebenerdigen Sitze im Bereich vor der Leinwand. Die allerersten Reihen, die zum Parkett gehörten, wurden im Volksmund Rasiersitze genannt, weil man den Kopf anheben musste, um das Bild zu sehen, als wolle man sich rasieren lassen. Außerdem war das Kino noch mit einem Balkon beziehungsweise einer Empore ausgestattet.

Selbst an Eintrittspreise erinnert sich Höh noch. Für Jugendliche kostete der Eintritt 50 Pfennig. Jeden Samstag bekam er von den Eltern zwei Mark Taschengeld, wovon 50 Pfennig für einen Kinobesuch vorgesehen waren, der Rest reichte dann noch für einen Bananensplit im Eiscafé Panciera am Exe (heute: „VIP Lounge“). Und so schwärmt Höh auch heutzutage noch gerne von seinen Kinobesuchen zu jener Zeit: „Für mich war Kino Abenteuer schlechthin. Für die nächsten drei Tage lief bei mir das Kopfkino ab und ich war Herkules, Old Shatterhand oder sonst eine Hauptfigur aus dem Film.“

Vom Roxy zum Rex

Eröffnet wurde das Kino 1912 als „Lichtspielhaus“. In Schutt und Asche versank das Gebäude durch das Bombardement der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Der Wiederaufbau erfolgte 1952; da hieß das Lichtspielhaus dann „Roxy“. Der damals moderne und stabile Zweckbau fasste im Parkett und auf dem Balkon rund 700 Besucher. 1979 wurde das Roxy durch den Betreiber Rolf Sieger in „Rex“ umbenannt. Das Haupthaus wurde wahrscheinlich auch im gleichen Jahr geschlossen und ein Lidl-Markt zog 1980 in das umgenutzte Gebäude. 1982 gab es nochmals einen Versuch, in einem Nebengebäude zwei Kinos mit je 36 und 30 Sitzplätzen zu installieren, wo erotische Filme gezeigt wurden. Auch diese Art der Unterhaltung konnte sich in Pirmasens nicht durchsetzen. Wann genau der Schlusspunkt erfolgte, geht aus den Archiven nicht hervor.

Heutzutage befindet sich ein Bio-Supermarkt in der Immobilie.

Das im Krieg ausgebombte „Lichtschauspielhaus“ in der Ringstraße wurde 1952 als „Roxy“ wiedereröffnet. Einige Jahre später erhie
Das im Krieg ausgebombte »Lichtschauspielhaus« in der Ringstraße wurde 1952 als »Roxy« wiedereröffnet. Einige Jahre später erhielt es den Namen »Rex«.
Das ehemalige „Universum“-Kino an der Ecke Winzler-/Kronprinzenstraße: Das Lichtspielhaus wurde aus wirtschaftlichen Gründen End
Das ehemalige »Universum«-Kino an der Ecke Winzler-/Kronprinzenstraße: Das Lichtspielhaus wurde aus wirtschaftlichen Gründen Ende 1974 dicht gemacht.
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