Interview RHEINPFALZ Plus Artikel „Ich bin mit meiner Karriere zufrieden“

Klaus Mertens ist Stammgast auf den Pirmasenser Bühnen.
Klaus Mertens ist Stammgast auf den Pirmasenser Bühnen. Foto: Mertens

Sie sind Stammgast auf den Pirmasenser Bühnen. Was schätzen Sie an Pirmasens und dem Pirmasenser Publikum?
In den nun schon mehr als drei Jahrzehnten der Verbundenheit mit dem kulturellen Geschehen in Pirmasens waren für mich die Offenheit des hiesigen Publikums für interessante Programme, die Begeisterungsfähigkeit, seine Treue und Dankbarkeit für qualitätsvolle kulturelle Darbietungen eine durchgängige Konstante.

Inwieweit unterscheidet sich ein großstädtisches Publikum in seinen Reaktionen oder musikalischen Vorlieben von dem Publikum in der pfälzischen Provinz?
Niemand würde seriöserweise Pirmasens mit einer der Großstädte oder gar kulturellen Metropolen unseres Landes vergleichen wollen; in diesen ist naturgemäß eine größere Vielfalt möglich, für die sich zumeist auch ein Publikum findet. Bezogen aber auf die Größe, die materiellen Möglichkeiten sowie die geografische Lage der Stadt Pirmasens kann sich das hiesige Publikum doch über ein sehr erfreuliches, weit gestreutes Kulturangebot freuen. Exemplarisch genannt seien hier nur das grenzüberschreitende Festival Euroclassic, die Konzerte der Mozartgesellschaft oder der hiesigen Chöre, wie zum Beispiel den Oratorienchor.

Sie singen in dem Konzert am Sonntag „Die schöne Magelone“ von Johannes Brahms. Warum haben Sie sich gerade dafür entschieden? Was zeichnet „Die schöne Magelone“ aus?
Johannes Brahms’ so wunderschöner Liederzyklus „Die schöne Magelone“ stellt an den Sänger wie den Pianisten höchste interpretatorische Anforderungen. Der Zyklus basiert auf einer uralten, anrührenden provencalischen Liebesgeschichte, die zum besseren Verständnis des Ganzen üblicherweise von einem Schauspieler/ Sprecher gelesen wird. Für mich ist es ein besonderer Anreiz, in diesem Falle auch das Erzählen der Geschichte selber zu übernehmen.

Kulturämter beklagen immer weniger Besucher bei klassischen Konzerten. Stellen Sie diesen Rückgang, einhergehend mit einer Überalterung des Publikums auch fest?
Der Rückgang der Besucherzahlen sowie die Überalterung des Publikums bei klassischen Konzerten ist keine spezifisches Problem für Pirmasens; es ist vielmehr allgegenwärtig. Auch für Veranstalter ist es inzwischen kaum noch möglich, zuverlässige Prognosen hinsichtlich der zu erwartenden Besucherzahlen zu machen. Dennoch sollte man deshalb nicht resignieren oder gar das Programmangebot reduzieren – also falsche Schlüsse ziehen. Ein weitgefächertes kulturelles Angebot bleibt wichtig, gerade auch für den „ach so modernen Menschen“. Auch gibt es längst schon wieder sehr erfreuliche und hoffnungsvolle gegenläufige Signale.

Wie kann man klassische Musik wieder populärer machen und ein junges Publikum dafür gewinnen?
Grundsätzlich lassen sich viele, auch lange schon bewährte Programme interessanter gestalten, neue Formate liegen längst schon vor. Beispielhaft sei hier die Kombination von Musik und Text/Lesung genannt. Vieles andere ist ebenfalls längst in der Pipeline. Nicht umsonst erfreut sich zum Beispiel der Studiengang „Kulturmanagement“ großer Beliebtheit. Ganz entscheidend bleibt natürlich die so wichtige Aufgabe der Schulen – vom Kindergarten bis hin zu den Oberstufen –, junge Menschen für das in vieler Hinsicht so wichtige Fach „Musik“ zu interessieren und diese durch regelmäßigen Unterricht, Chorgesang, Instrumentalunterricht für diesen so bedeutsamen Bereich eines erfüllten Menschenlebens zu begeistern. Musikunterricht muss wieder ein seriöses Unterrichtsfach in der Schule werden.

Sie sind unlängst in Leipzig mit der Bach-Medaille ausgezeichnet worden. Was bedeutet Ihnen eine solche Ehrung?
In Leipzig, der Bach-Stadt schlechthin, zumal während des alljährlichen großen Bach-Festes mit der Bach-Medaille ausgezeichnet zu werden, bedeutet für mich, der ich zeitlebens intensiv mit Bachs so großartiger Musik beschäftigt war und bin, natürlich eine große Freude – ja, ich empfinde dies als eine Art Krönung meiner bisherigen Arbeit in diesem Bereich.

Worauf sind Sie beim Blick auf Ihre lange Karriere besonders stolz?
Es gäbe natürlich schon jetzt zahllose Begebenheiten, Besonderheiten, wunderschöne und zu tiefst berührende Momente in meiner bisherigen Sängerkarriere zu nennen. Besonders stolz aber bin ich auf die Gesamteinspielungen der Vokalwerke des genialen Johann Sebastian Bach sowie des Bach-Vorgängers Dietrich Buxtehude. All dies geschah unter der Leitung von Ton Koopman mit seinen wunderbaren Ensembles. Just in diesem Jahr feiern wir unsere 40-jährige musikalische Zusammenarbeit und Freundschaft – etwas im Musikbetrieb sehr Seltenes und entsprechend Wertvolles.

Sie haben so viel in Ihrer Karriere erreicht – haben Sie da noch einen Traum, einen Wunsch, was Sie musikalisch noch tun oder erreichen wollen?
Mit dem Verlauf meiner bisherigen Karriere bin ich mehr als zufrieden, zugleich sehr dankbar für alles bereits Erlebte und Erreichte. Bei mehr als 200 CDs konnte ich mir etwa in der Kammermusik viele Wünsche erfüllen. Außerdem geht mein Weg als Sänger ja auch mit 70 Jahren unverändert weiter.

Mittlerweile haben Sie das Rentenalter erreicht. Haben Sie je daran gedacht, die Musik einmal an den Nagel zu hängen?
Natürlich nahm ich meinen 65. Geburtstag zur Kenntnis. Diese bloße Zahl allerdings zum Anlass zu nehmen, von nun an im bequemen Lehnstuhl die Ruheposition einzunehmen, käme mir überhaupt nicht in den Sinn. Dieses entspräche auch nicht meinem Typ sowie meinen Intentionen. Stattdessen gibt es nach wie vor zahllose schöne Konzertanfragen, CD-Produktionen und ständig Neues zu lernen.

Bitte nennen Sie abschließend bitte drei Gründe, in das Konzert in der Alten Post in Pirmasens zu kommen.
Ein Besuch des Konzertes mit Brahms’ „Die schöne Magelone“ am kommenden Sonntag empfiehlt sich aus vielen Gründen. Es wird Sie in die Welt einer uralten, anrührenden Liebesgeschichte aus der Provence entführen, die Johannes Brahms in kongenialer Weise für Stimme und Klavier vertont hat. Sie erleben am Konzertflügel den großartigen, vielfach ausgezeichneten jungen Pianisten Volodymyr Lawrynenko aus der Ukraine. Und ich werde nicht nur die sehr anspruchsvollen Lieder singen, sondern auch die Geschichte des –schon damals im besten Sinne europäisch gesinnten – Liebespaares erzählen. Ein interessantes Konzertformat also. Mit der Alten Post wählte das Pirmasenser Kulturamt eine für diese intime Musik sehr geeignete Location aus. Weitere Gründe für Ihren Besuch werden sich Ihnen dann während des Konzertes erschließen. Bis Sonntag also!

Infos

Der Liederabend mit Klaus Mertens am Sonntag, 27. Oktober, 18 Uhr, in der Alten Post ist eine Kooperation des Pirmasenser Kulturamtes im Rahmen des Festivals Euroclassic mit der Mozartgesellschaft.

Eintrittskarten (inklusive Garderobengebühr) gibt es für 19 (ermäßigt zwölf) Euro im Pirmasenser Kulturamt, Telefon 06331/842352, E-Mail: kartenverkauf@pirmasens.de. Die Tageskasse ist am Sonntag ab 17 Uhr geöffnet.

Weitere Infos zu Klaus Mertens stehen im Internet unter www.klausmertens.eu, zum Festival Euroclassic unter www.festival-euroclassic.eu.

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