Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Horst Brills Zwei-Wochen-Vertrag mit Bayern München

Viermal erreichte Horst Brill mit dem FK Pirmasens die Bundesliga-Aufstiegsrunde, hier 1966 mit Hans Josef Hellingrath (rechts)
Viermal erreichte Horst Brill mit dem FK Pirmasens die Bundesliga-Aufstiegsrunde, hier 1966 mit Hans Josef Hellingrath (rechts) von Fortuna Düsseldorf).

Leute aus der Nähe: Horst Brill war Präsident, Trainer und ein herausragender Spieler des FK Pirmasens. Und vor allem blieb er seinem Heimatverein als Fußballer stets treu. Auch heute noch zieht es ihn zu den Heimspielen des FKP, wenn Corona und das Wetter ihm keinen Strich durch die Rechnung machen. Heute feiert er seinen 80. Geburtstag.

Es war der 30. Juni 1963. Der Tag, an dem sich das sportliche Leben des Horst Brill entschied. Der exzellente, pfeilschnelle Außenstürmer des FK Pirmasens, damals 22 Jahre jung, hatte zwei Wochen zuvor beim aufstrebenden FC Bayern München einen Profivertrag unterzeichnet. Brill wohnte bereits zwei Wochen in der bayerischen Landeshauptstadt und wollte eigentlich nur zu einer Stippvisite noch einmal in seine Heimatstadt Pirmasens zurückkehren. Brill hatte dort ein Gespräch mit dem Pirmasenser Bürgermeister (und späteren FKP-Präsidenten) Leo Felten und FKP-Gönner Gustav Käfer (später ebenfalls FKP-Präsident). Die beiden wollten Brill umstimmen und ihn dazu bewegen, auch künftig für „die Klub“ zu kicken. Schließlich strebten die Pirmasenser den Aufstieg in die Bundesliga an. Und tatsächlich: Brill „knickte“ ein und sagte Bayern München ab!

Von Bundestrainer Helmut Schön gestrichen

Rückblickend war es wohl nur die zweitbeste Entscheidung von Brill gewesen. Hatte der Flügelflitzer aus Pirmasens gerade noch an einem Lehrgang der Nationalmannschaft teilgenommen, so erreichte ihn alsbald ein Anruf von Bundestrainer Helmut Schön. Dieser habe ihm mitgeteilt, dass er nicht mehr zum erweiterten Kader der Nationalmannschaft gehöre, weil er „keine Spieler aus der zweiten Reihe berücksichtigen“ könne. Das war der Knick in einer möglicherweise ganz großen Karriere des Horst Brill. Schließlich wurde die deutsche Nationalmannschaft unter Schön 1966 Vize-Weltmeister, während der FKP mit Brill zwar 1964, 1966, 1970 und 1971 die Aufstiegsrunde zur Eliteklasse erreichte, dort aber jeweils scheiterte.

Mit 15 Jahren war Horst Brill aus Hamburg, wo sein Vater geholfen hatte, eine Lederfabrik aufzubauen, in seine Geburtsstadt Pirmasens zurückgekehrt. Er kickte in der B- und A-Jugend des FKP, der damals eine der besten Adressen im deutschen Fußball war. Nachdem Brill bei einem A-Jugend-Vorspiel eine starke Leistung gezeigt hatte, sagte der damalige FKP-Cheftrainer Helmut Schneider (1956 und 1957 Deutscher Meister mit Borussia Dortmund): „Brill, Sie fahren mit nach Berlin!“ Dort stand am 18. Juni 1960 das nächste Match der Pirmasenser in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft an. Brill, gerade 19 geworden, spielte an der Seite der FKP-Legenden Heinz Kubsch (1954 im Weltmeister-Kader), Emil Weber und Helmut Kapitulski im Olympiastadion, schoss bei seinem Debüt gleich zwei Tore zum 1:0 und 2:2, doch die Pirmasenser verloren letztlich mit 2:5 bei Tasmania Berlin.

Brill zog damit und auch in den folgenden Jahren – 1962 erreichte er mit dem FKP erneut die Endrunde um die deutsche Meisterschaft – die Blicke vieler namhafter Vereine auf sich. Nicht nur die Bayern, sondern auch der 1. FC Köln, der Hamburger SV, der 1. FC Kaiserslautern wollten ihn haben, wie er erzählt. Doch der „Brille Bubber“, wie ihn viele nannten, kickte weiter für seine große Liebe, den FKP, narrte in etlichen Spielen so namhafte Verteidiger wie Horst-Dieter Höttges, Karl-Heinz Feldkamp, Otto Rehhagel, Dietmar Schwager oder Fritz Fuchs.

Von Malmö bis Wien für den FKP gespielt

Brill war auch auf internationaler Bühne am Ball. Im Intertoto-Cup kickte er „von Malmö bis Wien“, wie er launig anmerkt. Als Brill tatsächlich mal wechselwillig war, wollte sein FKP-Teamkollege Hilmar Weishaar, mit dem er sich dem niederländischen Ehrendivisionär Enschede anschließen wollte, dann doch nicht mitgehen.

Morgens Buchhalter, nachmittags Zweitliga-Coach

1972 endete die Spielerkarriere Brills, nicht aber die Verbundenheit mit dem FKP. Er coachte die A-Junioren und war in den folgenden Jahren immer wieder der Feuerwehrmann, wenn der FKP den Trainer seiner ersten Mannschaft entlassen hatte – so auch in der letzten Saison in der Zweiten Bundesliga (1977/78). Brill arbeitete morgens als Buchhalter in der Firma Käfer, nachmittags war er als Coach aktiv. Von 1987 bis 1990 war er auch Präsident des FKP, dessen Ehrenrat er bis heute angehört.

In der Folge war der ehemalige Inhaber von Sportgeschäften und spätere Autoverkäufer als Trainer des FC Dahn und des TV Althornbach erfolgreich. Danach hatte er, wie er sagt, „sechs schöne Jahre beim FC Münchweiler“. Zuletzt war er beim PSV und MTV Pirmasens tätig. „Von der B-Klasse bis zur Zweiten Bundesliga habe ich alles trainiert“, erzählt der in Ruppertsweiler lebende, gesundheitlich leicht angeschlagene Brill: „Es ging mir schon besser.“

2021: Horst Brill auf der Tribüne des Stadions auf der Husterhöhe.
2021: Horst Brill auf der Tribüne des Stadions auf der Husterhöhe.
1977/78: Horst Brill hieß der Trainer in der von großen Finanzproblemen geprägten letzten Zweitbundesliga-Saison des FKP.
1977/78: Horst Brill hieß der Trainer in der von großen Finanzproblemen geprägten letzten Zweitbundesliga-Saison des FKP.
x