Pirmasens hart am Leben: Gestörte im Betriebsablauf

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Kann es sein? Die Deutsche Bahn ist reine Poesie? Schon erscheinen im Netz erste Anthologien der besten Zug-Ansagen. Der neue Büchnerpreisträger wird bestimmt ein mehrfach begabter Zugbegleiter sein. Oder eine Zugbegleiterin. Kein Wunder, wir mutmaßen einfach mal, dass ein Dada-Diplom Einstellungsvoraussetzung für eine DB-Karriere darstellt. Solide Ausbildungsbasis für Literatur in Normalform wie: „For Anschluss-Connections please listen to the Lautsprecheransagen.“ Oder Minidramen in der Absurditäts-Nachfolge von Samuel Beckett („Warten auf Godot“) wie dieser Einakter: „Das ist nicht der Knopf für die Freisprechanlage.“ „Doch. Wenn ich’s dir doch sage, das ist der Knopf!“ Wer mit der Bahncard 50 fährt, kann sich auch gleich etwa die Hälfte der existenzialistischen Pflichtlektüre sparen und stattdessen über die Ansage nachdenken: „Bitte niemand aussteigen! Außer die Frau, die eigentlich nach Nürtingen will. Die darf.“ Oder: „Der Zug Richtung Köln verspätet sich auf Grund eines liegen gebliebenen Zugbegleiters.“ Manche sachdienlichen Hinweise tendieren stark zu allerbester Sachliteratur, etwa: „Bitte beachten Sie: W-LAN benötigt keine Steckverbindung.“ Mitunter unterströmt auch heftige feministische Polemik die Ratgebung: „Müll und Ehemänner bitte nicht im Zug zurücklassen! Vielen Dank.“ Im rollenden Künstlerhaus DB wechselt sich selbstreflexive Prosa der Art „Der Zug des Lokführers ist ausgefallen. Er kommt jetzt mit dem Taxi“, mit virtuos ausformulierter Science-Fiction ab, wenn es dann heißt: „Durch eine äußerst seltene Verkettung glücklicher Umstände werden wir unser Ziel unerwartet planmäßig erreichen.“ Schlussendlich lässt sich sogar – mit etwas Entschuldigungstoleranz für Schadenersatz-unpflichtige 58-Minuten-Verspätungen, Gestörte im Betriebsablauf und dafür, dass außer der Ofenkartoffel mit Lachs im Bordrestaurant alles „aus“ ist –, irgendwie erotisch gemeinte Prosa erheischen. Für den 14. Juni 2015, die Fahrtrichtung bleibt unbekannt, ist die ICE-Ansage dokumentiert: „Soeben ist unsere ofenfrische Brezelverkäuferin zugestiegen. Sie möchte Sie im Speisewagen gerne erwarten.“ Der Rest ist: Kopfkino. | Markus Clauer

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