Pirmasens
Harald Kröher wird 70: Ein Leben für die Fotografie
Seit rund 20 Jahren wirbelt der Pirmasenser durch die Fotoszene der Region. Der Pirmasenser hat eine Art, mit der manche nicht so richtig klarkommen. Er wird aber geliebt von vielen Fotobegeisterten in der weiteren Region – und wenn Kröher ruft, war die Alte Post immer rappelvoll.
In Pirmasens geboren, hat Kröher die Heimatstadt nur verlassen, um in Mainz und Kaiserslautern zu studieren. Die Fotografie wurde erst spät zum richtigen Beruf. Erste Kontakte zum Malen mit Licht, wie die Fotografie auch genannt werden kann, machte er auf dem Leibniz-Gymnasium in einem Fotokurs. Im Studium schaffte er sich seine erste richtige Kamera an: eine Canon EOS 100 mit 50 Millimeter Objektiv. Natürlich analog zu der Zeit. Die Digitalisierung der Fotografie hat Kröher regelrecht begeistert mitgemacht. Mit der neuen Änderung durch Künstliche Intelligenz (KI) will er nicht mehr so umfassend mitgehen. Für die Retouche nutze er öfter mal KI-Programme, verrät er. Aber mehr nicht.
Künstlerischer Leiter der Fototage
Lange Jahre arbeitete Harald Kröher im Pirmasenser Vermessungs- und Katasteramt als Vermessungsingenieur und zuletzt Systemadministrator. Mit 53 Jahren ließ er sich dauerhaft beurlauben, um sich ganz der Fotografie widmen zu können. Und seit dieser Zeit hat er richtig aufgedreht.
2008 hatte er die Pirmasenser Stadtspitze so weit, die ersten Pirmasenser Fototage zu veranstalten. Kröher managte als künstlerischer Leiter die Veranstaltung, führte als Conferencier durch die Galaabende bei Eröffnung und Finale der Fototage, holte Fotografen aus halb Europa nach Pirmasens, die in Vorträgen, Workshops und mit ihren Fotografien den Fototagen entsprechenden Glanz verliehen. Immer mit dabei waren natürlich viele seiner Fotomodelle. Sein Netzwerk baute sich der Pirmasenser durch die Teilnahme an internationalen Fotowettbewerben wie dem Supercircuit in Linz auf. Über ein dutzend Goldmedaillen gewann er mit seinen Fotos bei verschiedenen Wettbewerben, für die sich tausende Fotografen aus aller Welt beworben hatten. Zeitweise benutzte er gerne den Titel des „amtierenden Fotoweltmeisters“.
Liveshows mit Aktmodellen
Neben den Fototagen und Wettbewerben arbeitete er noch als Materialtester für Firmen wie Sigma, Rollei oder Cewe. Bei Fotomessen wie der Photokina in Köln oder der Internationalen Funkausstellung in Berlin zeigte Kröher regelmäßig seine Shows, die er allerdings auch immer in Pirmasens für das heimische Publikum anbot, beispielsweise bei der Kreativmesse „Kreativvitti“. Eine seiner Liveshows mit Aktmodellen sorgte bei der Photokina für so viel Aufsehen, dass die Security eingreifen musste, um die über 700 Zuschauer auf Distanz halten zu können.
In Workshops und Multimediashows lässt er das Publikum immer an seinem Wissen teilhaben, das er sich selbst weitgehend autodidaktisch angeeignet hat. Praktisch das ganze Jahr über ist Kröher mit seiner Frau Hanne auf Achse von der Bretagne über die Schweizer Berge bis nach Portugal, um vor fantastischen Landschaften in seinen Workshops die Fototechnik weiterzugeben. Für die Fotosessions müssen die Modelle bei Kröher allerdings auch einiges aushalten. Klatschnass und halbnackt in der Brandung bei frühlingshaften Temperaturen zu liegen, ist dabei noch das Angenehmste. Andere Fotoshootings führten ihn auch mal mit dem Hubschrauber in eine Schweizer Gletscherhöhle, wo bei minus 26 Grad Celsius das leicht bekleidete Modell abgelichtet wurde.
Neuauflage mit Kai Rogler
Die Fototage hat Kröher sieben Mal bis 2023 als künstlerischer Leiter mitorganisiert. Mal in kleinerer Version als Fototage kompakt oder gigantisch ausgedehnt mit 1800 ausgestellten Fotos an vielen Plätzen in der ganzen Stadt. „Ohne meine Frau Hanne wäre das alles nicht möglich gewesen“, betont Kröher bei jeder Gelegenheit. Die Fototage hat er inzwischen abgegeben. Der im bayerischen Forchheim lebende Kai Rogler wird im November die ersten Fototage ganz ohne Kröher veranstalten. Der Pirmasenser hat sich aus der Organisation komplett rausgezogen.
An Fotowettbewerben nimmt er seit 2014 auch nicht mehr teil. Seine Workshopteilnehmer gewinnen jetzt die Medaillen. Die Workshops laufen weiter, wobei er aber auch hier bald kürzer treten will, aus gesundheitlichen Gründen. Den Fotoapparat wolle er aber auf keinen Fall auf die Seite legen, betont Kröher immer.