Pirmasens
Hadi Hajdarevic verabschiedet sich von der Musik
„Ich bin Deutscher. Ich bin Bosnier. Ich bin Mensch und trotzdem bleib ich Ausländer.“ Mit diesen Worten lässt Hadi Hajdarevic nach genau 20 Jahren in Deutschland seine eigene Geschichte Revue passieren und nimmt die Zuhörer mit auf eine Reise, die in der Nähe von Sarajevo begonnen und zu einem Marketingfachmann geführt hat, der heute hauptberuflich für eine hiesige Brauerei arbeitet.
„Ich trenne mich von der Musik und sammele in dem Album noch mal alles, was mich bewegt hat“, erzählt der 30-Jährige, der mit zehn Jahren seine Kindheit in Bosnien zurückgelassen hat, um in Pirmasens seinen Weg zu finden. Mit dem Album „Identität“ habe er zum ersten Mal ganz allein etwas Musikalisches gemacht. Vorher sei er „richtig fett im Musikgeschäft“ gewesen, aber immer für andere.
Corona macht „Dreck der Stadt“ den Garaus
Nicht nur in Pirmasens war die Plattform „Dreck der Stadt“ bekannt. 20 Mitglieder zählte die Gruppe 2019. Die ersten erfolgreichen Konzerte waren gelaufen und für 2020 waren Dutzende Auftritte in Großstädten wie Berlin, Frankfurt und Mannheim fest vereinbart. Die Mitglieder spielten mit dem Gangster-Rap. Ein paar davon waren auch wirklich im Gefängnis, hatten Ärger mit der Polizei. Dann kamen jedoch die Corona-Beschränkungen, alles wurde abgesagt. Die Gruppentreffen waren verboten. Die Musiker, Tontechniker und Filmleute von „Dreck der Stadt“ zerstreuten sich. 2021 erklärte die Gruppe die Auflösung mit einer Marketingaktion – stilecht natürlich als „Der letzte Dreck“ vermarktet. Hadi Hajdarevic weiß, wie das gemacht werden muss.
Und so geht er jetzt auch seinen eigenen Abschied von der Musik an. Mit einem sehr professionell gemachten Video auf Youtube. Der Bruder arbeitet für einen Fernsehsender in Köln. Da war die Filmkompetenz für ihn greifbar.
Der Kampf um die Anerkennung
Im Album selbst spielt die Familie eine große Rolle. Die eigenen Eltern, die wegen des Kriegs fliehen mussten. Nach wenigen Jahren wieder zurückkehrten, um in einem zerstörten Land einen Neuanfang zu wagen, sich aber doch wieder für die Rückkehr nach Deutschland entschlossen, wo der zwischen Bosnien, Italien und der Südwestpfalz aufgewachsene Sohn dann in einer Schule in Pirmasens landete, unzählige Male seinen Nachnamen buchstabieren durfte und es wohl nicht einfach gehabt haben dürfte, wenn man sich die 13 Songs auf dem Album anhört. „Ich habe immer mehr gegeben, um Anerkennung zu bekommen“, schildert er.
So auch bei „Dreck der Stadt“, das wohl zu einem großen Teil von ihm getragen wurde. Vor zwei Jahren habe er das Projekt beendet, da er nur noch Sachen machen wollte, die auch ohne ihn nach vorne gehen.
Die Sprache ist nicht mehr angesagt
13 Botschaften seien die Songs auf seinem Album, erzählt Hadi Hajdarevic, der inzwischen eine eigene Familie mit Frau und zwei Kindern hat, was auch ein Grund für den Abschied vom harten Rap mit Gangsterattitüde sein dürfte. Als Familienvater und 30-Jähriger spreche er zudem nicht mehr die Sprache, die derzeit angesagt ist. Musik sei ein sehr schnelllebiges Medium. Der Künstler müsse immer präsent sein und mache sich trotzdem zum Clown. Darauf hat Hadi Hajdarevic keine Lust mehr. In dem Album singt ein Chor „Wie lange muss ich die Last noch tragen?“ Diese Frage hat der Pirmasenser mit seinem Werk beantwortet.
Die Vertriebskanäle von „Dreck der Stadt“ wird er für den Vertrieb des Albums nutzen, sagt Hajdarevic. Aufgenommen wurde alles in einem Studio neben dem Pirmasenser Finanzamt. Hajdarevics Bruder hat das Musikvideo in Köln produziert. Auf Vinyl gibt es das Album auch – aber nur als ein Exemplar, und das behält der Künstler selbst. Als Erinnerung an die wilden Zeiten in der hiesigen Rapperszene. „Ich habe nie betrogen, war nie aalglatt. Ich habe Killer getroffen, mit Nutten gesoffen. Mich haben viele ins Herz geschlossen“, singt er in einem der Lieder, die jetzt auf verschiedenen Streamingplattformen zu hören sind.
Info
Das Album wird am 20. September online veröffentlicht. Mehr über Hadi Hajdarevic kann man unter hadi.marketing erfahren.