Lust auf Sommersport
Gleitschirmfliegen: So weit die Flügel tragen
„Ich war bei der Bundeswehr“, erzählt Jung über die Zeit, in der er zum Gleitschirmfliegen kam. 1989 war das, als der heutige Inhaber einer Zimmerei eine Lastwagen-Versicherung abschloss und in einem Prospekt der Versicherung ein Inserat fürs Gleitschirmfliegen fand. Das Thema habe ihn schon früher interessiert, und so beschloss er, seinen Flugschein zu machen. „Zuerst kommt der L-Schein“, weiß er. Interessierte, die sich auch in die Luft schwingen wollen, müssen sich an eine Flugschule wenden. 600 Mark habe er damals gezahlt. „Anfänger gehen zuerst auf eine Wiese“, sagt Jung. Dort lerne man, den Schirm zu kontrollieren und auch zu korrigieren, also etwa nach rechts oder links zu laufen. „Als Nächstes kann man an einen flachgeneigten Hang gehen und hat im Idealfall vielleicht sogar etwas Gegenwind. Dann kann es schon sein, dass man abhebt.“ Erst danach beginnen die eigentlichen Flugstunden.
Vorsicht bei Flughäfen
Wer den A-Schein mache, der darf an einem für ihn zugewiesenem Gelände starten und sollte an einem ebenfalls zugewiesenen Landeplatz auch wieder landen können. Die nächsthöhere Stufe sei dann der B-Schein, so Jung. „Das ist der Überlandschein. Mit dem kann man fliegen, so weit die Flügel tragen.“ Nur an Flughäfen muss Vorsicht walten: „Da verstehen die keinen Spaß.“ Bei einem Wettkampf in der Nähe des Flughafens Hahn sei es Vorgabe gewesen, nicht höher als 1300 Meter zu fliegen.
Am Gleitschirmfliegen Interessierte sollten fit sein, denn man trägt seine Ausrüstung, die 15 Kilo wiegen könne, schon mal eine halbe Stunde den Berg hoch. Bei Wettkämpfen wie den deutschen Meisterschaften nicht: Dort werden die Sportler zu ihrem Start gefahren.
Vier Jahre im Nationalkader
Früher flog der Hauensteiner viele Wettkämpfe in seinem Gleitschirm und hat auch einige beachtliche Erfolge in seiner Vita. So wurde er 2009 Deutscher Meister und stand von 2008 bis 2012 in der Nationalmannschaft der Gleitschirmflieger. „In den A-Kader kommt man, wenn man bei den Meisterschaften unter den besten 15 war“, erläutert er. Ein Wettkampf laufe ähnlich wie ein Autorennen ab – nur eben mit Start in der Luft.
Die erste Herausforderung sei, schon vor dem Start so nah wie möglich an die Startposition zu kommen. Der liege immer an der Unterkante der Wolken. Dann geht es nach und nach abwärts, um Bojen herum. Bei einigen Rennen könnten das im „Slalom“ um die 170 Kilometer sein, die da zurückgelegt würden. Jung: „Da kann es dann schon mal sein, dass 100 Leute unter einer Wolke auf den Start warten.“ Denn die warme Luft unter der Wolke sorge für die Thermik. „Die Wolke ist der Staubsauger“, bringt Jung einen Vergleich.
Noch eine ganze Spur extremer als das reine Gleitschirmfliegen sind beispielsweise die Wettkämpfe der Red Bull X-Alps. Jung: „Die fliegen dann von Berg zu Berg.“ Die Route der Extremsportler reicht von Österreich bis nach Monaco. Im Idealfall versuchen sie, auch wieder auf einem Berg zu landen und dort zu übernachten. Derjenige, der am schnellsten im Ziel ist, gewinnt 25.000 Euro Preisgeld.
Annweiler statt Spirkelbach
Diese extreme Variante hat Jung nie gereizt. Mittlerweile fliegt der 57-Jährige ohnehin keine Wettkämpfe mehr, schwingt sich aber immer noch gerne in seiner Freizeit in die Luft. „Es ist schon klasse, bis nach Weißenburg oder Neustadt zu fliegen“, schwärmt er. Auf dem Höllenberg bei Spirkelbach hebt dagegen schon seit vielen Jahren kein Gleitschirmflieger mehr ab. Der Südpfälzer Gleitschirmfliegerclub, dem Jung angehört, habe bei Annweiler einen Startplatz mit viel besseren Startbedingungen.
Während bei Rennen immer vier Sicherheitsbeauftragte dabei seien, zu denen Funkkontakt bestehe, sei man bei privaten Flügen „allein zu Haus“, wie der Gleitschirmprofi es ausdrückt. Deshalb müsse man vor jedem Flug das Wetter checken. Die Gleitschirmfliegerin Ewa Wisnierska wurde etwa bei einem Trainingsflug während eines Unwetters auf 10.000 Meter hochgezogen und war zwischenzeitlich ohnmächtig. Sie überlebte trotz Temperaturen von minus 50 Grad. Bei Turbulenzen könne auch der Schirm zusammenklappen, weshalb Gleitschirmflieger stets einen Fallschirm parat haben. Jung hat sogar zwei dabei.
Bei der Landung sollte man Gegenwind haben, da bei Mitwind die Gefahr eines Überschlags bestehe. „Man sollte einschätzen können, dass man den Landebereich auch trifft“, so Jung. Wenn alles beachtet werde, sei Gleitschirmfliegen eine sichere Sportart.
DIE SERIE
Im Sommer will man draußen Sport treiben – gerne am Wasser oder im Sand. Wir wollen Lust auf Freiluft-Randsportarten wecken, die man nur oder vorwiegend im Sommer ausübt. Dazu sprechen wir mit Vereinen, Anbietern, Trainern oder Sportlern aus der Region. Bisher sind erschienen: Stand-up-Paddling auf dem Clausensee (16. Juli), Segeln beim Wasgau-Segelclub Pirmasens (23. Juli), Beachvolleyball beim Turnverein Lemberg (26. Juli), Wakeboarden mit dem Dahner Philipp Burkhart (28. Juli) und Kanufahren auf dem Schwarzbach (4. August).