Autokonzert RHEINPFALZ Plus Artikel „Glasperlenspiel“ vor nur 160 Autos auf dem Zweibrücker Flughafen

Die Band „Glasperlenspiel“ mit Sängerin Carolin Niemczyk genießt nach Heimkino-Konzerten endlich wieder den Auftritt vor Mensche
Die Band »Glasperlenspiel« mit Sängerin Carolin Niemczyk genießt nach Heimkino-Konzerten endlich wieder den Auftritt vor Menschen.

160 Autos kamen am Samstag mit jeweils zwei bis vier Insassen zum Auto-Konzert von „Glasperlenspiel“ nach Zweibrücken – nicht nur aus der näheren Umgebung. Die Erleichterung der Band, wieder vor Menschen auftreten zu dürfen, war groß. Carolin Niemczyk machte kein Geheimnis daraus, dass die Liebe eines der Hauptthemen des Duos „Glasperlenspiel“ ist, das sie 2003 mit ihrem Lebenspartner Daniel Grunenberg gegründet hat.

Corona spielte nur einen Moment innerhalb der 100 schwungvollen Konzertminuten eine Rolle. Ansonsten war das Konzert von Leichtigkeit geprägt. Während auf dem großen Bildschirm, auf dem später das Bühnengeschehen zu sehen ist, noch darum gebeten wurde, die Autofenster geschlossen zu halten, verkündete Veranstalter Holger Staab für die Angereisten gute Nachrichten. „Sie dürfen aus dem Auto aussteigen und an der Autotür stehen blieben.“ Das passte nicht nur zur Stimmung. Ein „Glasperlenspiel“-Konzert, ohne tanzen zu dürfen, ist ja auch irgendwie undenkbar.

In Konzertformation

„Glasperlenspiel“ entbrannte nicht nur ein Hitfeuerwerk. Die Band des Duos untermalte das Konzert exzellent, scheut sich nicht vor Improvisationen. Viele bekannte Interpreten langweilen Teile ihres Publikums mit Eins-zu-Eins-Kopien ihrer Originalaufnahmen. Nicht so „Glasperlenspiel“. Hier trat eine echte Konzertformation auf. „Echt“ aus 2011 war so ein Song, der mit einer Frischzellenkur versehen wurde. Mitsingen war angesagt, die Stimmung stieg. Bald folgte der Singlehit „Paris“ und die neuere Single „Das Krasseste“. Einen Autosong habe das Konzert gebraucht, berichtet Niemczyk. Weil „Glasperlenspiel“ eben für Auto-Konzerte verpflichtet wurde. „Sleeping in my Car“ von „Roxette“ passte vom Rhythmus.

Die Sängerin verließ die Bühne während der Coverversion, wirbelte zwischen den Autos umher und hinterließ Andenken. So ganz ohne Publikumskontakt geht es einfach nicht. Zum Finale gab es „Royals and Kings“ und natürlich „Geiles Leben“. Hier entfaltete die Band zum letzten Mal ihre volle Wucht. In der Langfassung war zuerst ein wenig „Royal and Kings“ zu hören. Dann folgt darin noch ein wenig „Echt“.

Finanziell nicht erfolgreich

Konzerte – und seien es Autokonzerte wie dieses oder das von Heinz Rudolf Kunze in Webenheim – sind seit einigen Jahren, seit dem Einbruch im Tonträgerverkauf, die wichtigste Einnahmequelle der Musiker geworden. Und wenn namhafte (und damit teure) Künstler wie „Glasperlenspiel“ vor gerade einmal 160 Autos mit etwa 400 Insassen auftreten, dann klafft da eine finanzielle Lücke zwischen Gage und den Produktionskosten einerseits und den Einnahmen durch den Ticketverkauf auf der anderen Seite.

„,Glasperlenspiel’ hat nicht funktioniert“, sagt dann auch Veranstalterin Nathalie Harbig, die diese Auto-Veranstaltungen eher als langfristig wirkende Marketing-Aktionen versteht und deshalb weniger den finanziellen Erfolg im Auge hat. Dass dieses Konzert finanziell „nicht rund“ gelaufen ist, bestätigt auch Timo Holstein, der Manager von „Glasperlenspiel“. Für ihn ist es vor allem wichtig, dass die Band und alle, die in deren Umfeld tätig sind, wieder einmal auf die Bühne kommen. Da werde dann auch mal bei der Gage abgespeckt.

Eine größere Publikumsresonanz sagt Harbig für den Auto-Auftritt von Bülent Ceylan am kommenden Donnerstag auf dem Zweibrücker Flughafen voraus. Dafür haben schon 500 Autofahrer reserviert: „Das funktioniert“, ist Harbig zufrieden.

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