Pirmasens
Glücksspieler fordert 80 Millionen Euro von Manfred Schenk
Olaf Spiekermann ist der Insolvenzverwalter von Manfred Schenk. Gegenüber der RHEINPFALZ berichtet er von großen Summen, die im Spiel sind. Bei der Gläubigerversammlung am Mittwoch hätten 33 Gläubiger Forderungen geltend gemacht. Insgesamt betrage die Summe der Verbindlichkeiten 103 Millionen Euro. Ein Betrag, der auch für den erfahrenen Mitarbeiter einer Mannheimer auf Insolvenzrecht spezialisierten Kanzlei alles andere als alltäglich sein dürfte.
Pirmasens belegt regelmäßig vordere Plätze in Insolvenzstatistiken. So sind beispielsweise die Privatinsolvenzen in der Stadt auf einem deutlich höheren Niveau als beispielsweise im wesentlich größeren Kaiserslautern. Allerdings ist mit Verbindlichkeiten jenseits der 100-Millionen-Euro-Marke eine außergewöhnliche Größenordnung erreicht. Vergleichbare Fälle dürfte es in der Region schon lange nicht mehr gegeben haben.
Aufwendiges Verfahren
Nicht nur mit Blick auf die Summe zeichnet sich schon jetzt ein aufwendiges Insolvenzverfahren ab. Olaf Spiekermann spricht von einer wirtschaftlichen und rechtlichen Komplexität. Vieles sei noch zu klären. Das gelte beispielsweise mit Blick auf die einzelnen Unternehmen Schenks, die nun ebenfalls in einem Insolvenzverfahren stecken und teilweise miteinander verstrickt seien. Spiekermann rechnet damit, dass es etliche Monate bis Jahre dauern könnte, bis das Insolvenzverfahren abgeschlossen sei.
Manfred Schenk bestätigt die Vorgänge auf der Gläubigerversammlung. Allerdings relativiert er die Forderungen. 80 Millionen Euro fordere eine einzelne Person von ihm. Dabei handele es sich um einen Mann aus Rodalben. Beide sind Gesellschafter eines Einkaufszentrums in Homburg, über den Anteil der Mieteinnahmen haben sie sich zerstritten. Der Mann forderte vor dem Landgericht Zweibrücken über elf Millionen Euro von Schenk. Der wiederum bot ihm nach eigenen Angaben in einem gescheiterten Vergleich neun Millionen Euro an.
Glücksspieler will 80 Millionen Euro
Der Mann ist laut Schenk Berufsspieler. Er habe in der Gläubigerversammlung geltend gemacht, dass er mit Glücksspiel 80 Millionen Euro verdient haben könnte, wenn ihm das strittige Geld von Schenk zur Verfügung gestanden hätte. Der Pirmasenser Unternehmer sagt dazu: „Ich habe meine Zweifel, dass man mit Glücksspiel so viel Geld verdienen kann. Es ist absolut dreist, solche Forderungen zu erheben. Das ist lächerlich.“
Rund zehn Millionen Euro schuldet Schenk dem Finanzamt. Dazu hat er schon früher erklärt, dass er deshalb selbst einen Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens gegen sich gestellt habe. Der Geschäftsmann erklärt die hohe Summe, die er dem Staat schuldet, mit Bauleistungen, die mit einem „verkehrten Steuerschlüssel“ verbucht worden seien. Konkret seien zwei oder drei seiner Projekte in der Vergangenheit steuerlich nicht korrekt abgewickelt worden. Die Schuld dafür liege bei seinen Steuerberatern. Das habe das Finanzamt bei einer Prüfung in seinen Geschäftsräumen festgestellt, sagt Schenk. Ihm zufolge läuft auch ein Strafverfahren gegen einen der Steuerberater, der zweite sei mittlerweile verstorben.
Selbst für seine Firmen gebürgt
Weitere Millionenbeträge, die von Kreditinstituten bei der Gläubigerversammlung geltend gemacht worden sind, erklärt der Unternehmer damit, dass er als Privatperson Bürgschaften für seine Firmen ausgestellt habe. Das sei notwendig gewesen, um Projekte zu finanzieren. Da diese Vorhaben mittlerweile umgesetzt seien, stünde ein Gegenwert da. Außerdem seien die Bürgschaften nicht fällig.
Schenk kritisiert, dass bei einer Gläubigerversammlung erstmal alles gefordert werden könne. Laut Schenk hat sein Insolvenzverwalter die Forderungen jedoch zunächst alle bestritten. Nun gelte es zu prüfen, was davon überhaupt Bestand habe. Der Unternehmer ist zuversichtlich, dass sich die Forderung noch deutlich reduzieren werde.
200 Mitarbeiter beschäftigt
Schenk beschäftigt nach eigenen Angaben 200 Mitarbeiter in seiner Unternehmensgruppe. Sie betreuen unterschiedliche Projekte. Das Geschäftsvolumen der Gruppe erreichte laut Schenk in den vergangenen Jahren einen dreistelligen Millionenbereich. Seit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens habe er mit „erschwerten Bedingungen“ zu kämpfen. „Aber wir bemühen uns, alle Projekte abzuschließen“, sagt Schenk. Das gelte auch für die Baustelle an der Zweibrücker Straße. Gegenüber der Park-Brauerei soll ein Seniorenheim entstehen. Seit ein paar Tagen sind wieder Arbeiter auf der seit Monaten ruhenden Baustelle zu sehen. Schenk sagt: „Dort wird wieder gearbeitet. Ende 2025 wollen wir fertig sein.“
Dreistellige Referenzliste
Die Unternehmensgruppe Schenk hat zahlreiche Bauprojekte im In- und Ausland verwirklicht. In der Region gehören etwa das Edeka am Landauer Tor, aber auch das Hilgard-Center oder ein vergleichbares Einkaufszentrum in Homburg dazu. Aber Manfred Schenk steckt auch hinter der Anlage zur Klärschlammtrocknung in Fehrbach sowie einem bislang nicht verwirklichten Bauvorhaben auf dem ehemaligen Areal der Park-Brauerei in Zweibrücken. In der Turnstraße hat er kürzlich eine Wohnresidenz und eine Tagesbetreuung für Senioren fertiggestellt. In der Vergangenheit war Schenk für das US-Militär tätig, hat Gewerbeimmobilien entwickelt und Hotelprojekte vorangetrieben. Zu seinem Portfolio gehören zudem Wohnungen, Apotheken, und, und, und. Die Liste der Referenzen auf der Homepage der Unternehmensgruppe geht in den dreistelligen Bereich.
Das Firmengeflecht des Diplom-Ingenieurs Schenk umfasst mehr als ein Dutzend Unternehmen. Darunter sind mehrere Firmen im Ausland, etwa in der Schweiz, Luxemburg, Vietnam und Katar. Der Firmensitz der Unternehmensgruppe ist in der Pirmasenser Gärtnerstraße. Niederlassungen hat Schenk in Berlin, Halle, Freiberg (Sachsen) und Luxemburg.
Verdienste im Reitsport
In Pirmasens ist Manfred Schenk zudem bekannt, weil er über eine längere Zeit der städtische Feuerwehrchef war. Außerdem engagiert sich Schenk seit Jahrzehnten im Reitsport. Bis in den Sommer stand er an der Spitze des Reit- und Fahrvereins Pirmasens-Winzeln. Nach 21 Jahren kandidierte er nicht mehr für eine weitere Amtszeit. Aufgrund seiner Verdienste um den Verein ernannte die Mitgliederversammlung Schenk im August zum Ehrenvorsitzenden.

