Interview
Giffhorn nach der Salzkammergut-Trophy: „Wund- und Heilsalbe nützlich“
Frau Giffhorn, wie kommt man auf die Idee, eine Strapaze wie die Salzkammergut-Trophy auf sich zu nehmen?
Ich habe im vergangenen Jahr bei der Höllenberg-Trophy in Spirkelbach bei einem Gewinnspiel einen Startplatz für die Salzkammergut-Trophy gewonnen. Ich habe dann im selben Jahr die B-Strecke über 120 Kilometer absolviert. Der Drang, die Königsdisziplin zu machen, also die A-Strecke, die ja mit 203 Kilometern und mehr als 7000 Höhenmetern doppelt so lang ist, war immer vorhanden. Dieses Jahr habe ich zu meinem Geburtstag ein neues Mountainbike und einen Startplatz für die A-Strecke geschenkt bekommen. Ich hatte es mir zunächst nicht zugetraut, aber die Motivation, es mal zu versuchen, war bei mir doch größer. Der Zeitpunkt des Rennens am Samstag war gut, denn ich habe gerade mein Lehramtsstudium beendet. Ich habe da auch auf die Erfahrung meines Freundes, Lars Holder gesetzt, der ja Crossduathlon-Athlet ist.
Wie sah die Vorbereitung aus?
Seit zwei Jahren trainiere ich mit meinen Trainer Marian Klopfer. „Training mit Köpfchen“, heißt das. Wann immer es geht, fahre ich zusammen mit meinem Freund Lars Holder. Ohne ihn hätte ich die Vorbereitung so nicht durchziehen können. Wir sind viele Tests gefahren, bei denen es darum ging, bei längeren Fahrten von sechs Stunden die notwendigen Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Das ist gar nicht so einfach. Inzwischen kann ich das aber. Deshalb fühlte ich mich gut vorbereitet.
Wie sind Sie das Rennen taktisch angegangen, wie sah der Renntag aus?
Um 3.45 Uhr hat der Wecker geklingelt. Das Rennen startete um 5 Uhr. Ich habe am Morgen noch Kartoffeln und Pizza eingepackt. Den Tipp hat mir Lars gegeben. Die Gels und was es sonst noch gibt, kann ich irgendwann nicht mehr essen. Deshalb die Idee, einfach mit Kartoffeln und Pizza die Kohlenhydratspeicher während des Rennens zu füllen. Und ich kann sagen: Es hat sich bewährt. Die erste Kartoffel habe ich um 5.30 Uhr gegessen. Beim Rennen selbst wollte ich nicht zu schnell angehen. Das ist oft das Problem, wenn du zu stark motiviert bist. Zu Beginn ging’s mir vom Kreislauf her nicht gut. Ich denke, das lag an der frühen Startzeit, die ich nicht gewohnt war. Im Laufe des Rennens ging es mir immer besser. Am Ende gab es ein Duell mit einer Teilnehmerin, die ich überholt hatte, und die mich dann wiederum attackierte und an mir vorbeifuhr. Ich habe keine Pause gemacht. Am vorletzten Berg war mir klar, dass ich es schaffen werde. Da brachen kurz danach auch die Emotionen heraus. Ich musste einfach weinen. Am Ende bin ich Gesamtzehnte in 13:32:46 Stunden geworden und in meiner Altersklasse (Frauen ab 20) Dritte.
Wie fühlt man sich nach so einem Rennen?
Erst mal war eine Wund- und Heilsalbe nützlich. (lacht). Am Tag danach waren wir wandern. Ich habe dabei die Beine im See gekühlt. Am Abend gingen wir noch in die Sauna, also reines Relaxprogramm. Den ganzen Tag über habe ich viel gegessen und getrunken. Ich fühle mich erstaunlich gut. Am Montag sind wir heimgefahren. Allerdings mit dem Auto, denn auf einem Radsattel kann ich derzeit noch nicht sitzen.
Welches sind Ihre nächsten Ziele?
Das anstehende Referendariat hat Priorität. Sportlich möchte ich den Saarschleifen-Marathon und die Crossduathlon-Europameisterschaft in Tschechien noch angehen. Die Entscheidung ob oder ob nicht, treffe ich aber spontan.
ZUR PERSON
Angelina Giffhorn ist 28 Jahre alt. Die Hinterweidenthalerin hat die Fächer Sport und Wirtschaftspädagogik in Mainz studiert und beginnt demnächst ihr Referendariat. Sie gehört sowohl dem TV Hinterweidenthal als auch dem Heimatverein ihres Freundes Lars Holder, dem TuS Schleiden, an.