Pirmasens Gericht: Hat ein Handwerker zu viele Stunden abgerechnet?

Ein Elektriker soll zu viele Stunden abgerechnet haben, deswegen stand er am Mittwoch vor Gericht.
Ein Elektriker soll zu viele Stunden abgerechnet haben, deswegen stand er am Mittwoch vor Gericht.

Weil er zu viele Arbeitsstunden abgerechnet und die Elektroarbeiten schlecht ausgeführt haben soll, musste sich ein 47-Jähriger am Mittwoch wegen Betrugs vor dem Amtsgericht Pirmasens verantworten. Der Handwerker behauptet, dass er wohl selbst übers Ohr gehauen wurde.

„Ich habe keinen Betrug gemacht“, verteidigte sich der Mann aus der Südpfalz. Eine Firma in Regensburg habe ihn beauftragt, Elektroreparaturarbeiten in einem Haus in Pirmasens auszuführen. Die genannte Firma habe die Rechnung über 1101,30 Euro an den Hauseigentümer erstellt. Er habe nur den Bericht geschrieben. Bis heute habe er kein Geld erhalten, auch nicht von dieser Firma. Aber diese habe sich mit dem Hauseigentümer geeinigt, dass dieser nur 350 Euro zu bezahlen braucht. Auch davon habe er nichts bekommen, beteuerte der Angeklagte.

Am 8. Mai 2021 seien sein Vater und er vor Ort gewesen und hätten den Schaden an der Elektrik in der Wohnung behoben, erzählte der 47-Jährige. Sein Vater habe geklingelt und sei in die Wohnung, während er gleich in den Keller an den Hauptverteilerkasten gegangen sei. Damals sei strenge Coronazeit gewesen, war seine Begründung. Zu zweit seien sie maximal zwei Stunden dort gewesen, behauptete er. Die Arbeit sei abgeschlossen gewesen. Sein Vater habe vor Ort den Bericht geschrieben, den die Mieterin auch unterschrieben habe.

Staatsanwaltschaft: Eine Beweisaufnahme wird teuer

Laut Anklage sollen vier Arbeitsstunden, das heißt zwei Mitarbeiter zu je zwei Stunden, plus eine Pauschale von 50 Euro für An- und Abfahrt auf der Rechnung stehen. Tatsächlich soll aber nur eine Person eine Stunde tätig gewesen sein, heißt es in der Anklage. Für Elektroarbeiten müsse man immer zu zweit sein, sagte der Angeklagte. Aber worin der Schaden an der Elektrik bestand oder welche Arbeiten sie ausgeführt hätten, konnte der 47-Jährige nicht sagen. Der Oberamtsanwalt belehrte, dass eine Person in der Wohnung die Leitungen nicht allein durchmessen könne. Dazu brauche es zwei Personen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft stellte das Gericht das Verfahren vorläufig ein. Wenn der 47-Jährige 300 Euro an den Pfälzischen Verein für soziale Rechtspflege bezahlt hat, wird das Verfahren endgültig eingestellt. Andernfalls muss eine umfangreiche Beweisaufnahme durchgeführt werden. Dann wird es teuer, hatte der Oberamtsanwalt gewarnt.

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