Pirmasens Galerie Lantz: Kunst vom Boden bis zur Decke
Allerdings sei hier ein enormer Preisverfall festzustellen. Pauline und Werner Lantz haben in der Region fast schon ein Monopol durch die Rahmenwerkstatt, die nächste befindet sich in der Galerie Beck in Homburg. Werner Lantz kann passgenau den richtigen Rahmen mit Passepartout anfertigen. Seit 35 Jahren betreibt das Ehepaar die Bilderrahmen-Werkstatt, seit 2003 die Galerie in der Bahnhofstraße. In den Jahren musste Werner Lantz beobachten, dass ein Konkurrent nach dem anderen aufgab. Mit der Folge, dass er nun im Pirmasenser Umfeld der letzte Rahmenbauer sei. Kunden kämen aus Mainz oder Frankfurt, berichtet Pauline Lantz. „Es gibt nichts, was ich nicht rahmen kann“, behauptet Werner Lantz und erzählt von einem Brikett, das von James Rizzi bemalt wurde und einem Lebkuchen, dem er auch einen passenden Rahmen verpasst habe. Das größte gerahmte Werk sei ein zwei Meter langes Bild gewesen, für das noch ein Passepartout nötig gewesen sei. Die gebe es aber nicht in dieser Größe, also habe er kurzerhand eine Holzplatte zum Passepartout geschnitten, mit einer Tiefe von sieben Zentimetern.
Mit Kunst hatte Werner Lantz zunächst nicht viel am Hut. Nach einer Lehre als Maurer habe er in einer Schreinerei und bei einem Dachdecker gearbeitet, bevor er sich im Kunstzentrum in Gersbach als Rahmenbauer selbstständig machte. Die Werkstatt ist inzwischen in Kröppen, die Galerie in der Bahnhofstraße am Münzplatz, wo das Paar in drei großen Räumen hunderte Gemälde, Plastiken und Grafiken anbietet. Alle Wände sind vom Boden bis zur Decke mit Kunst gefüllt. An den Wänden stehen weitere Bilder und stapeln sich. Wie viele Gemälde hier sind, kann Pauline Lantz gar nicht sagen.
Kunst vom Boden bis zur Decke
Die Qualität der Arbeiten ist beachtlich. Viele Gemälde von Klaus Heinrich Keller sind darunter. Armin Hott grüßt mit seinen Rabenblättern von den Wänden. Mit Alexandra Deutsch, Mark Blunck, Franz Martin oder Eberhard Linke sind die hiesigen zeitgenössischen Künstler gut vertreten. Dazu kommen prominente überregionale Künstler wie Günther Grass, Alexander Archipenko, Jörg Immendorff, Günther Uecker und André Masson. Auch alte Meister wie Lovis Corinth oder Otto Dill sind da. Und in einer Ecke findet sich der einstige Pirmasenser Kunstdojen Heinrich Renaud Gruber. Beim Pressebesuch lädt Pauline Lantz gerade ein Dutzend großformatiger Gemälde eines Spaniers aus. Dessen Frauenbildnisse gehen gut in Pirmasens.
Die alten pfälzischen und die prominenten Künstler sind über einen verstorbenen Pirmasenser Sammler in die Galerie gekommen. Pauline Lantz erzählt, dass sie schon immer mal Konvolute von Sammlern übernommen hätten, aber der Nachlass dieses Pirmasensers war etwas Besonderes. In einem Haus auf dem Kirchberg hingen über drei Etagen an allen Wänden die Bilder. Dazu kamen Schränke voller Grafiken. Die Erben wollten das Haus verkaufen. Werner Lantz hatte nur wenig Zeit, das Haus zu räumen. In allen Ecken fanden sich neue Schätze, die der Sammler in der Pfalz, in Davos, Frankfurt oder Berlin eingekauft hatte. Zum Glück hatte er alles schön dokumentiert. Pauline Lantz zeigt die Ringordner, in denen neben dem Foto des Werks die wichtigsten Daten zum Künstler und der Technik zu finden sind. Sowie der Preis, der allerdings in vielen Fällen heute nicht mehr zu halten sei. Die meisten Gemälde müssten inzwischen zu einem weit günstigeren Preis als früher den Besitzer wechseln. Nur bei sehr bekannten Künstlern könne ein höherer Preis als damals erzielt werden. Bestes Beispiel sei ein einst sehr bekannter Pfälzer Künstler, der für einen Quadratmeter seiner Kunst zu Lebzeiten locker 2500 Euro haben konnte. Die über den Sammler in die Galerie gekommenen Werke seien jedoch nur noch zu einem Bruchteil des früheren Preises zu verkaufen, so Pauline Lantz. Was einst 2000 Euro kostete, geht jetzt für 500 Euro aus dem Laden.
Spannende Recherche
Die übernommene Sammlung habe viel Arbeit gemacht, meint die Galeristin. Glücklicherweise habe der Sammler auch viele Bücher über die Künstler gesammelt, womit die Recherche einfacher sei. „Es ist schon spannend, über Kunst zu recherchieren“, erzählt sie.
Die Sammlung des Pirmasenser war nicht die einzige, die sie übernommen haben. Erben von Sammlern seien oft überfordert, wollten nur einzelne Stücke und den Rest am liebsten im Paket loswerden, erzählt Pauline Lantz. Momentan sterben viele Sammler, die in den 80er Jahren fleißig Kunst gekauft haben, „das war die Hochzeit der Kunstsammler“, weiß Pauline Lantz.
Rahmenwerkstatt als Vorteil
Durch die Rahmenwerkstatt habe die Galerie einen großen Vorteil. So manches Bild, das vom Künstler oder Sammler selbst kostengünstig gerahmt wurde, mache sich in einem barocken Rahmen viel besser und lasse sich damit gleich wieder verkaufen, so ihre Erfahrung. Pauline Lantz zeigt auf ein Bild des Mainzer Malers Gustl Stark (1917-2009), das zur klassischen Moderne zählt. Das Bild kam in einem schlichten Aluminiumrahmen an. „Das geht einfach nicht“, graust es Pauline Lantz. Ihr Mann verpasste dem Bild einen schönen Holzrahmen, jetzt ist es verkauft und wartet nur noch auf die Abholung. Ein Buch über den Künstler aus der Sammlung gibt es noch dazu. In anderen Fällen ebenso, weil Pauline und Werner Lantz nicht noch eine Kunstbibliothek eröffnen wollen.
Dem Paar ist die Freude an der Kunst anzuhören. Wenn Pauline Lantz ins Schwärmen kommt, verrät sie zig Details zu Künstlern, Käufern und Sammlern. Nach all den Jahren will das Paar jedoch aufhören Ende 2026 soll Schluss sein. Werner Lantz wird bald 66 Jahre, ein Nachfolger für Galerie und Werkstatt wird gesucht. „Den würde ich auch noch einarbeiten“, versichert Werner Lantz. Die übernommenen Sammlungen dürften bis dahin noch lange nicht verkauft sein.
Info
Galerie Lantz, Pirmasens, Bahnhofstraße 13 in Pirmasens, Dienstag bis Freitag 11-17 Uhr, Samstag 10-13 Uhr.