Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel FWB-Schließung: Hätte ein Betriebsrat das Unternehmen retten können?

Alle Geschäfte von FWB Kunststofftechnik sollen bis Ende des Jahres abgewickelt werden. Dann schließt der Betrieb.
Alle Geschäfte von FWB Kunststofftechnik sollen bis Ende des Jahres abgewickelt werden. Dann schließt der Betrieb.

Durch die Schließung von FWB Kunststofftechnik verlieren Dutzende Mitarbeiter ihren Job. Gewerkschaftsvertreter bedauern das Aus – und kritisieren den Mutterkonzern Hella.

Ende des Jahres ist Schluss: FWB Kunststofftechnik schließt seine Pforten in der Pirmasenser Blocksbergstraße. Das Geschäft mit Spritzgussteilen – vornehmlich für die Automobilindustrie – sei nicht mehr rentabel, argumentiert die Geschäftsführung. Seit dem Frühjahr 2024 haben bisher rund 110 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren, bis Dezember werden es in Summe 180 sein.

„Die Schließung ist ein schwerer Schlag für die Mitarbeiter, ihre Familien und die ganze Region. FWB war für Pirmasens ein großer und wichtiger Arbeitgeber“, sagt Salvatore Vicari von der Gewerkschaft IG Metall, zu deren Betreuungsbereich die Branche der Kunststoffverarbeitung gehört.

„Knallharte Konzernentscheidung“

Der Gewerkschaftsvertreter ist davon überzeugt, dass ein Betriebsrat für die scheidenden FWB-Mitarbeiter von Vorteil gewesen wäre, die Schließung womöglich sogar hätte verhindern können. Eine solche Interessensvertretung der Belegschaft gibt es bei dem seit 1980 bestehenden Traditionsbetrieb in der Blocksbergstraße allerdings nicht. IG Metall habe bereits vor Jahren versucht, mit den FWB-Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen und eine Betriebsratsgründung anzuregen. „Aber es hat sich nie jemand gemeldet“, berichtet Michael Knopp vom Personalteam der IG Metall.

FWB wurde im September 2020 vom Lippstadter Automobilzulieferer Hella vollständig übernommen. „Das ist, was uns so trifft. Hier steckt ein großer Konzern dahinter“, klagt Vicari. FWB sei von Hella als strategischer Zulieferer aufgekauft worden. „Die Mitarbeiter haben sich sicher gefühlt, als Teil des Großen“, schildert Vicari und ergänzt: „Eine Betriebsschließung ist dann letztlich eine knallharte Konzernentscheidung.“ Der Betrieb in Pirmasens sei für Hella ein Billigstandort, sagt Vicari. „Und trotzdem wird er plattgemacht.“

Geht nicht um Besserwisserei

Die Entscheidung, den Betrieb komplett aufzugeben, hätte laut Knopp und Vicari durch einen Betriebsrat kritisch hinterfragt werden können. „Man kann die Zahlen nachprüfen und fragen: Stimmt das alles? Ist diese Maßnahme wirklich notwendig? Ohne Betriebsrat sind diese Fragen direkt beantwortet“, meint Michael Knopp. Und: „Ohne Betriebsrat gibt es weder einen Sozialplan noch einen Interessensausgleich.“

Salvatore Vicari betont, dass es dabei nicht um Besserwisserei gehe, sondern darum, Arbeitnehmern eine Stimme zu geben. „Leute verlieren ihren Arbeitsplatz und Familien werden ihrer Existenz beraubt. Wir kennen die Umstände bei FWB nicht, aber mit einem Betriebsrat hätten auch wir als Gewerkschaft die Entwicklung der letzten Jahre mitgestalten können“, so der IG-Metall-Vertreter.

Knapp 60 weitere Entlassungen bis Ende Juni

Der Standort in der Blocksbergstraße hätte eine zweite Chance verdient gehabt, ist Vicari überzeugt. „Spritzguss ist eigentlich eine zukunfts- und transformationsfähige Technologie. Wir können nur unterstellen, aber es wirkt, als mache es sich der Konzern leicht – auf Kosten der Schwächsten“, sagt er.

Aktuell arbeiten noch 89 Angestellte bei FWB. Bis Ende Juni soll sich die Anzahl laut Angaben des Unternehmens auf 30 reduzieren, bis Ende Dezember der Betrieb endgültig eingestellt wird.

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