Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Der Fall Jung beim FK Pirmasens – wie aus einem Spiel Sperre vier werden können

Spielt beim FKP sowohl im Regionalliga- als auch im Verbandsligateam: Jonas Jung (am Ball).
Spielt beim FKP sowohl im Regionalliga- als auch im Verbandsligateam: Jonas Jung (am Ball). Archivfoto: Buchholz

Jonas Jung ist nach seiner Roten Karte im Fußball-Verbandsligaspiel des FK Pirmasens II gegen Zeiskam für ein Spiel gesperrt worden. Allerdings bedeutet das für ihn als Pendler zwischen erster und zweiter FKP-Mannschaft de facto vier Spiele Sperre.

Am 1. Dezember lief im Sportpark Husterhöhe die 88. Minute des Fußball-Verbandsligaspiels FK Pirmasens II gegen TB Jahn Zeiskam. Etwas erhitzt die Stimmung. Denn kurz zuvor hatte der sonst im Pirmasenser Regionalligateam spielende Manuel Grünnagel zu gestenreich in Richtung Schiedsrichter den 2:2-Ausgleich der FKP-Reserve bejubelt, weshalb er noch vor dem Wiederanpfiff Gelb-Rot sah. Er wurde nach den seit Saisonbeginn bestehenden Regularien für die zwei folgenden Tage gesperrt. Die Strafe jedoch lief ins Leere, da erst wieder am 7. Dezember ein Spiel des FKP in der Regionalliga auf dem Programm stand.

Zwei Minuten vor Spielende also jene folgenreiche Szene, in der sich FKP-Mittelfeldmotor Jonas Jung nach einem Luftzweikampf zu einem Nachtreten hinreißen ließ. „Er ist ein sehr intelligenter Spieler. Jonas weiß, dass er da einen Fehler gemacht hat“, sagt der Trainer des FKP II, Martin Gries, zur Roten Karte für dieses Vergehen. Ein Spiel Sperre hat nun Verbandsliga-Leiter Lothar Renz ausgesprochen. Auf den ersten Blick eine milde Strafe, die Renz so begründet: Jung sei bislang nicht negativ aufgefallen, und auch der Zeiskamer Gegenspieler habe von einer nicht all zu schlimmen Aktion gesprochen.

„Ganz bittere Pille“

Auf den zweiten Blick allerdings ist die Strafe ziemlich heftig. „Der Spieler ist gesperrt, bis das nächste Spiel in der Verbandsliga absolviert ist. Er muss die Strafe dort absitzen, wo er sie eingefangen hat“, erklärt Franz-Josef Kolb, in der Geschäftsstelle des Südwestdeutschen Fußball-Verbands hauptamtlich für den Spielbetrieb zuständig. Und das sei in diesem Falle eine „ganz bittere Pille“ für den Spieler. Der Grund: Jung gehört nicht nur zum Kader der zweiten Garde, sondern wurde auch immer wieder im Regionalligateam eingesetzt. Der 24-jährige angehende Verwaltungsfachwirt, der zurzeit in Mayen studiert und in diesem Monat seine Abschlussprüfungen schreibt, ist nicht nur für die nächste Verbandsligapartie des FKP II gegen den SC Idar-Oberstein am 1. März gesperrt, sondern verpasst in der Regionalliga nach dem Spiel am vergangenen Samstag in Gießen auch die Partien gegen den SSV Ulm und den SC Freiburg II, die noch im Februar stattfinden sollen. Er wäre in der Regionaliga erst wieder am 7. März gegen den VfR Aalen spielberechtigt.

„Solche Problematiken kommen in den unteren Klassen häufiger vor. Vor der Winterpause, wenn kein Spiel ist, ist es noch problematischer. So etwas soll der Klassenleiter natürlich beachten“, sagt Kolb, der jedoch darauf verweist, dass dann möglicherweise ungerechtfertigt Spielraum für reduzierte Strafen ermöglicht wird.

„Der Spieler muss mit der Konsequenz rechnen, dass er in der Regionalliga gesperrt ist“, erklärt Renz hingegen. Eine zeitlich befristete Strafe ist laut Renz deshalb nicht geeignet, weil Jung dann für ein Vergehen wochenlang gesperrt würde, was jedoch nicht ermessensgerecht sei. Renz: „Der Verein könnte dann in Berufung gehen. Dort würde die Strafe sicherlich reduziert und würde dann ins Leere laufen.“

Hintertürchen noch offen

Eine weitere Möglichkeit wäre eine Geldstrafe. „Dies haben wir vor vier Jahren im SWFV abgeschafft, weil es der DFB so wollte. Es ist nun mal eine Fifa-Regel, dass ein Spieler nach einer Roten Karte für mindestens eine Partie gesperrt wird“, erklärt Kolb.

Dennoch lässt Renz ein Hintertürchen offen: „Ich werde abklären, ob es möglich ist, ihn nur für die Verbandsliga zu sperren. Ich muss diesen Fall noch mal besprechen.“

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