Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Frivole Operette „Ball im Savoy“ am 9. Januar in der Festhalle

Am 9. Januar in Pirmasens zu erleben: das Kölner Gastspiel von „Ball im Savoy“.
Am 9. Januar in Pirmasens zu erleben: das Kölner Gastspiel von »Ball im Savoy«.

Die Kammeroper Köln gastiert am kommenden Dienstag mit der Jazz-Operette „Ball im Savoy“ in der Pirmasenser Festhalle. Dabei geht es gesellschaftskritisch zu – und durchaus frivol.

Die leichte Muse prägt traditionsgemäß den Jahresauftakt in der Pirmasenser Festhalle. Am Dienstag, 9. Januar, steht Paul Abrahams Welterfolg „Ball im Savoy“ in einer Inszenierung der Kammeroper Köln auf dem Spielplan. Das 16-köpfige Ensemble lässt mit der anspruchsvollen wie schillernden Revue-Operette den frivol-frechen Zeitgeist der späten Weimarer Republik wiederaufleben. Die 1932 uraufgeführte Operette verspricht musikalisch eine mitreißende Mischung aus Jazz, Blues und wienerischem Schmelz, gemixt mit ungarischem Flair. Inhaltlich geht es um ein frisch vermähltes Paar, dessen Treue auf die Probe gestellt wird.

In der damals neuartigen Operette, die näher am Musical ist als an Wiener Traditionen, versammelt der deutsch-ungarische Komponist Paul Abraham (1892 bis 1960) alles, was das Musiktheater jener Zeit ausmachte: Witz, Ironie, Erotik, Exotik, Nonsens und große Revue-Nummern, inklusive Evergreens wie „Es ist so schön, am Abend bummeln zu gehen“ oder „Toujours l’amour“ und Tanz-Einlagen wie „Känguru“.

Sex und Politik

In der Weimarer Republik war Paul Abraham einer der prägendsten Operettenkomponisten. Gleich sein erstes Stück „Viktoria und ihr Husar“ war ein Kassenschlager. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten erhielt er aber als jüdischer Künstler 1933 Aufführungsverbot. Wie zahlreiche verfemte Künstler geriet er in Vergessenheit. Erst seit den 2010er Jahren erfahren Abrahams Werke eine Renaissance.

Abraham setzt in seinen Stoffen auf Sex und Politik. In „Die Blume von Hawaii“ bezog er sich auf die US-Annexion der Insel 1898, bei „Ball im Savoy“ geht es um frauenfeindliche Gesetze und Verhaltensweisen. Das Grundthema lautet: Warum dürfen Männer fremdgehen und Frauen nicht?

Zum Inhalt: Beim „Ball im Savoy“ wird ein Überraschungsgast erwartet, der Jazzkomponist José Pasodoble. Dahinter verbirgt sich jedoch ein Pseudonym, die wahre Identität des Künstlers ist unbekannt, doch man sagt, er wird sich auf dem Ball zu erkennen geben. Und dieser José Pasodoble ist in Wahrheit eine Frau: Daisy Darlington (Femke Soetenga).

Eine Frau hat die Hosen an

Die Rolle der Frau war zu Zeiten der Weimarer Republik noch eine andere – trotz zunehmender Emanzipierung. Eine Frau als erfolgreiche Jazzkomponistin konnte sich wahrlich niemand vorstellen; nur unter männlichem Pseudonym war ihr der Erfolg gegönnt.

Beim „Ball im Savoy“ treibt es zudem jeder mit jedem. Als die weibliche Hauptfigur Madeleine (Nicola Becht) ihren Seitensprung voll emanzipatorischer Überzeugung öffentlich preisgibt, dafür von der Damenwelt auch gefeiert wird, dreht der Komponist Paul Abraham die für Operetten typische Affären-Handlung einfach um: Ungemütlich wird es, weil ihr Gatte, der Marquise Aristide de Faublas (Mario Zuber) seiner Ehefrau trotz aller Beteuerungen einfach nicht glauben möchte, dass diese ihn betrogen hat. Der Coup zum Finale? Sie ist ihrem Gatten doch treu geblieben, die Affären waren bei beiden nur vorgetäuscht.

Termin

Das Gastspiel der Jazz-Operette „Ball im Savoy“ in der Pirmasenser Festhalle am Dienstag, 9. Januar, beginnt um 20 Uhr. Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf im Forum Alte Post (Telefon 06331 2392716; E-Mail: kartenverkauf@pirmasens.de) oder im Internet unter www.pirmasens.de/kultur sowie an der Abendkasse.

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