Pirmasens
Friedensdemo: OB Zwick warnt vor Hass auf Russischstämmige
Exerzierplatz und Schlossplatz sind für größere Menschenmengen gemacht und so mancher Teilnehmer der Friedensdemonstration am Freitagabend war denn auch enttäuscht, dass es nur 200 Pirmasenser waren, die gegen den Krieg in der Ukraine ein Zeichen setzen wollten. Eine Woche zuvor waren ebenfalls 200 Pirmasenser zu einer Kundgebung gegen den Ukraine-Krieg an den Schusterbrunnen gekommen. Dort hatten Parteien und Gewerkschaften aufgerufen. „Das hätten 2000 sein müssen“, meinte ein Pirmasenser am Freitagabend, der schnell nach der Arbeit auf den Exerzierplatz geeilt war.
Oberbürgermeister Zwick sprach dennoch von einer beeindruckenden Geschlossenheit für den Frieden in der Stadt, die sich wohl nicht nur in Demonstrationen zeige. Der Stadtchef spielte auf die vielen Hilfsaktionen an, die öffentlich und im privaten Rahmen auf den Weg gebracht worden sind. Viele Pirmasenser hätten Wohnungen für ukrainische Flüchtlinge gemeldet, berichtete Zwick. „Auf die Pirmasenser ist Verlass, wenn Menschen in Not geholfen werden muss“, so Zwick, der aber auch vor Ausgrenzungen in Krisenzeiten warnte und darum bat, nicht mit Neid und Missgunst auf die Flüchtlinge zu reagieren. Auch sollte es nicht zu Anfeindungen gegen russischstämmige Menschen kommen. „Das ist Putins Krieg. Der Protest richtet sich nicht gegen das russische Volk“, betonte Zwick.
Appell an Kriegsherr Putin
Dekan Krieger richtete denn auch seinen Appell an Putin direkt: „Beenden Sie diesen ungerechten Krieg jetzt.“ Die Bilder aus der Ukraine machten ihn fassungslos, berichtete Krieger, der einräumte, dass er die Illusion gehegt habe, in einer Zeit des friedlichen Miteinanders zu leben und jetzt sehen müsse, dass böse Worte und schlechte Gedanken irgendwann tödliche Wirklichkeit werden. „Da ist jetzt jeder gefordert etwas zu tun und nicht nur zu beten“, rief der protestantische Dekan den Teilnehmern auf dem Exerzierplatz zu. Sein katholischer Kollege Johannes Pioth meinte hingegen, dass Beten immer helfe, es aber auch nötig sei, aufzustehen und aktiv zu werden. Die Freiheit sollte uns etwas wert sein. Der Krieg in der Ukraine offenbare eine seltsame Denkwelt. Vieles sei bei uns selbstverständlich, in Russland aber nicht.
Die Kundgebung startete auf dem Exerzierplatz mit kurzen Musikbeiträgen unter der Regie von Bezirkskantor Maurice Croissant sowie Redebeiträgen von Krieger und Zwick und zog dann auf den Schlossplatz weiter, wo Pioth und die Pastorin der methodistischen Kirche, Christina Henzler, sprachen. „Es ist schön zu sehen, dass so viele gegen den Krieg zusammenstehen“, meinte Henzler, die daran erinnerte, dass derzeit nicht nur in der Ukraine ein Krieg tobe. Die Pastorin gab ihrem Unverständnis Ausdruck, dass so viele Menschen für den Frieden seien, aber immer von einer Minderheit in Kriege gezerrt würden.
Wenige der vielen Passanten hielten angesichts der Friedensdemo kurz inne. Die meisten eilten schnell weiter und nicht jeder zeigte Verständnis für die Kundgebung. „Die sollen aufhören sich einzumischen, sonst steigt der Benzinpreis noch weiter“, meinte ein aufgebrachter Passant.