Interview RHEINPFALZ Plus Artikel FKP-Jugendkoordinator Wagenblatt: „Bei der U19 passt außer den Ergebnissen alles“

Seit 46 Jahren im Nachwuchsfußball engagiert und früher beim SC Hauenstein Trainer in der Junioren-Regionalliga: Klaus Wagenblat
Seit 46 Jahren im Nachwuchsfußball engagiert und früher beim SC Hauenstein Trainer in der Junioren-Regionalliga: Klaus Wagenblatt (66).

Einige FKP-Jugendteams überwintern auf einem Abstiegsrang. FKP-Jugendkoordinator Klaus Wagenblatt spricht über die Ursachen für die kritische Situation, das Gegensteuern und Visionen für die Zukunft.

Die A- und die C-Juniorenfußballer des FK Pirmasens überwintern in der Regionalliga jeweils auf dem 13. Tabellenplatz, einem Abstiegsrang. Die B-Junioren schlossen die Verbandsliga-Vorrunde auf Platz zehn ab, sind weit davon entfernt, um den Aufstieg in die Regionalliga mitspielen zu können. Darüber unterhielt sich Arno Noll mit FKP-Jugendkoordinator Klaus Wagenblatt.

Herr Wagenblatt, wie kommt es, dass die U19 des FKP in der Regionalliga-Abstiegszone steht? Hat der angekündigte Abschied von Trainer Sebastian Heß etwas damit zu tun?
Die Situation lässt sich nicht an einer Ursache festmachen. Wir verfügen auf der Husterhöhe über herausragende Trainingsbedingungen, unsere Trainer sind top ausgebildet und leisten durch die Bank gute und engagierte Arbeit. Wir bieten Athletiktraining, einen Fahrdienst, es kümmern sich Physiotherapeuten um die Spieler, und wir versuchen, sowohl für die Spieler als auch für die Eltern eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Das alles reicht aber offensichtlich nicht mehr, um gegen die Verlockungen der Vereine mit einem Nachwuchsleistungszentrum anzukommen. Wir versuchen, schon im E-Juniorenbereich eigenen Nachwuchs auszubilden, müssen dann sehen, dass die herausragenden Talente oft schon als C-Junioren diesen Verlockungen nachgeben. Die Verlässlichkeit, dass die Spieler „ihrem“ Verein treu bleiben, ist eben nicht mehr so gegeben, wie das früher der Fall war. Wobei das weniger an den Spielern als an den Eltern liegt. Wenn zwölf Spieler eines hier ausgebildeten Jahrgangs in der B-Jugend nicht mehr zur Verfügung stehen, wird es schwer, über die Verbandsliga hinauszukommen. Diese U17-Spieler stehen dann später vor der großen Herausforderung, in der U19-Regionalliga, also eine Liga höher, bestehen zu müssen. Ich gehe davon aus, dass unsere derzeitigen Spieler sich jetzt akklimatisiert haben und in der Rückrunde die erforderlichen Punkte einfahren, um mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Das Vertrauen in die Spieler, in das Trainerteam ist auf alle Fälle da. Und um eventuellen Gerüchten zuvorzukommen: Trainer Sebastian Heß wäre nach der Saison auch dann heimatnah gewechselt, wenn wir jetzt auf Platz eins stünden. Der enorme Zeitaufwand der Fahrten von Offenbach nach Pirmasens lässt sich, wenn man Familie und Beruf hat, auf Dauer nicht stemmen. Dafür muss man dann auch Verständnis haben.

Wann hat diese Entwicklung, dass Talente verstärkt in die Nachwuchsleistungszentren abwandern, angefangen? Sind in der Winterpause Verstärkungen in Aussicht?
Das hat sich verstärkt bemerkbar gemacht in der Corona-Phase. In den Nachwuchsleistungszentren durfte weiter trainiert werden, während bei uns lange alles brach lag. Wer kein NLZ aufweisen konnte, geriet ins Hintertreffen. Und jetzt in der Winterpause nach Verstärkungen suchen, davon halte ich nicht viel. Es sind doch die Spieler, die in ihren Teams unzufrieden sind. Wenn die wechseln, wer sagt mir dann, dass sie bei uns nicht auch unzufrieden sind? Was haben wir gewonnen, wenn sie das dann noch ins Team hinein tragen? Unser U19-Team ist intakt. Außer den Ergebnissen passt da alles. Sobald das Spielglück zurückkommt, werden wir auch die Punkte holen, um die Liga zu halten. Da bin ich mir sicher.

In welcher Altersklasse würde ein Abstieg besonders schmerzen?
Zunächst einmal: Alle unsere Mannschaften sind gleich wichtig. Jeder Abstieg ist schmerzlich, bedeutet eine Veränderung in der bisherigen Struktur. Es ist ja kein Geheimnis, dass wir gerne unsere Teams von der U15 bis hinauf in die U19 in der Regionalliga hätten. Seit Jahren versuchen wir, mit der U17 auch wieder da hinzukommen, waren auch schon nah dran. Aber wir müssen auch mit den Tatsachen umgehen und das Beste daraus machen. So etwas lässt sich nicht zwingen. Es ist auch kein Geheimnis, dass der Abstieg der U19 dem gesamten Verein besonders wehtun würde. Hier reifen die Spieler heran, die dann in einer unserer beiden Herren-Mannschaften spielen sollen. Und da sind die Anforderungen hoch. Wer zuvor in der U19-Regionalliga zurechtgekommen ist, kann sich auch dort durchsetzen.

Wie sehen Sie die Situation der U15 in der höchsten Liga für C-Junioren?
Die Trainer Marco Ebler und Benjamin Mayer leisten hier gute Arbeit. Wir haben aber fortlaufend mit Verletzungen zu kämpfen und unnötig Punkte liegenlassen. Beispiel: Wir führten 2:0 in Eisbachtal und gingen noch als 2:3-Verlierer vom Platz. Hier macht sich das Körperliche besonders bemerkbar. Nicht alles lässt sich durch läuferische und spielerische Stärke ausgleichen. Was uns hier fehlt, ist ein richtiger Goalgetter. Backen lässt sich der halt nicht (lacht). Aber auch hier bin ich mir sicher, dass wir die nötigen Punkte noch holen werden, um die Liga zu halten.

Welche Veränderungen im Nachwuchsbereich zeichnen sich aus Ihrer Sicht in den kommenden Jahren ab?
Abteilungsleiter Andreas Kamphues, Jürgen Rock, der sich um die administrative Arbeit kümmert, und ich drehen an ganz vielen Stellschrauben. In den letzten drei Jahren konnten wir auch schon einiges verändern. Das alles kostet unglaublich viel Zeit. Wir versuchen, wie ich das eingangs schon beschrieb, den gesamten Nachwuchsbereich attraktiv zu halten, auch eine familiäre Atmosphäre zu bieten. Ein NLZ können wir nur dann in Angriff nehmen, wenn unsere Herren in der Regionalliga spielen. Wir schauen aber auch über den Tellerrand hinaus. Wie gehen andere Vereine mit diesen Veränderungen um? Ich war in Waiblingen. Dort wird mittlerweile ein Unkostenbeitrag von 30 Euro im Monat von jedem erhoben, der am Training teilnimmt. Die Trainer, überhaupt alles, was da dranhängt, kostet eben Geld. Nicht jeder Verein hat einen Dietmar Hopp, der sich insbesondere der Förderung des Nachwuchsbereichs verschrieben hat. Wir liegen leider außerhalb seines Wirkungskreises. Eine ganz spannende Frage wird sein, wie die Vereine, die Eltern, die ständig steigenden Kosten in allen Bereichen stemmen können. Nehmen wir nur einmal die Spritpreise. Ein Talent, dessen Eltern da nicht mehr mithalten können, muss entweder die kurze Entfernung zum Training in den Vordergrund stellen, oder es bleibt auf der Strecke. Wir werden zu einem Umdenken gezwungen.

x