Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Ex-Politiker Thomas Weiner schafft exotischen Wohnraum

Thomas Weiner mit zwei seiner selbstgeschriebenen Plakate aus der Anfangszeit seiner politischen Laufbahn.
Thomas Weiner mit zwei seiner selbstgeschriebenen Plakate aus der Anfangszeit seiner politischen Laufbahn.

27 Jahre im Landtag, 37 Jahre im Stadtrat: Wie geht es Thomas Weiner nach gut einem Jahr Politikverzicht? Antwort: gut. Er kreiert ausgefallene Wohnungen. Tokyo zum Beispiel.

Bürgerstammtische, Versammlungen, Stadtratssitzungen und der Landtag hielten Thomas Weiner über Jahrzehnte auf Trab. Der heute 67-Jährige, der in Erlenbrunn mit Frau und fünf Kindern lebt, war der typische Vollblutpolitiker. Studiert hatte er Volkswirtschaft und Politikwissenschaften und kurz überlegt, in den diplomatischen Dienst beim Auswärtigen Amt zu gehen. Weiner blieb jedoch in Pirmasens, zog mit 23 Jahren in den Stadtrat ein und 1996 in den Landtag. Dort wäre er noch heute, hätte ihn nicht ab dem Jahr 2022 eine Serie von gesundheitlichen Problemen ereilt.

Es begann mit einer Verletzung beim Holzspalten. Ein Fersensporn folgte – und dann im Januar 2023 die Krebsdiagnose, die eine Operation und eine Strahlentherapie nach sich zog. Zunächst habe er noch versucht, weiter an Sitzungen teilzunehmen, berichtet Weiner. „Es ging nicht mehr. Ich habe mich immer wieder rangekämpft, war aber nicht mehr so leistungsfähig wie früher“, schildert er die Tage und Wochen vor dem Entschluss aufzuhören. „Die politischen Dinge regen mich so auf. Das kann ich nicht mehr machen“, nennt er den entscheidenden Grund für das Ende seiner politischen Laufbahn.

Der Charme der 1950er Jahre

Mittlerweile findet man Thomas Weiner häufiger auf Flohmärkten, bei der Kirchbergwerkstatt oder auf dem großen Flohmarkt in Homburg – immer auf der Suche nach ausgefallenen Möbelstücken, Kunstwerken und Leuchten, die dann in einer seiner Themenwohnungen einen neuen Platz finden. Er habe schon immer zusammen mit seiner Frau Liliya und seinem Bruder Häuser verwaltet. In mehreren dieser Häuser bietet er eine Art Wohngemeinschaft (WG) an. Die Wohnungen sind mit „Hamburg“, „München“ oder „Tokyo“ am Klingelschild markiert, und entsprechend soll es in den Wohnungen auch aussehen.

In einem Haus am Exerzierplatz, das im Treppenhaus den Charme des Baujahrs in den 1950er Jahren verströmt, liegt die WG Tokyo. Bevor Weiner die Tür zur japanischen Hauptstadt am Exe öffnet, zeigt er die abgewohnten Zimmer einer anderen Wohnung auf einer andere Etage. Die muss er noch sanieren. Ein ganz anderes Bild bietet sich in Tokyo: Lackkommoden, japanische Wandbilder und fernöstliche Lampen versetzen den Besucher sofort nach Japan. Er lege Wert auf Qualität, sagt Weiner.

Ein 100 Jahre alter Lacksekretär in einem der Zimmer komme direkt aus Japan, versichert er. Gefunden habe er ihn auf einem Flohmarkt. „Das kostet nicht unbedingt mehr als neue Möbel“, befindet er. „Mein Hobby ist ein gewisses Kunst- und Möbelrecycling“, erzählt er lachend und schließt vorsichtig die Tür des Sekretärs. Dazu passend findet sich in der Toilette eine Popodusche auf der Toilettenschüssel, eine kulturelle Eigenart der Japaner. Die soll es aber in so gut wie allen seiner Wohnungen geben, erzählt Weiner, der diese japanische Toilettenkultur einfach gut findet.

Heute reicht ein handlicher Terminkalender

Die Themenwohnungen habe er anfangs als Studentenunterkünfte gestartet, nachdem er an der Hochschule auf der Husterhöhe von einem Mangel an passenden Studentenzimmern gehört hatte. Inzwischen würden die WGs von vielen Berufstätigen gemietet, die nach Pirmasens kommen und für die Anfangszeit eine einfache Bleibe mit Möbeln suchen. Die Zahl der Bewerber für solche Wohnungen sei bis vor kurzem gestiegen, was er als gutes Zeichen für die Wirtschaft in Pirmasens wertet.

Weiner hat nur noch einen ganz kleinen Terminkalender. Ganz im Gegensatz zu früher, als er nur mit einem großen Organizer der Terminflut Herr werden konnte. Die Frage, ob er die Politik vermisse, bejaht er – um aber gleich zu betonen, dass er keine Langeweile kenne. Es gebe auch ohne Politik immer viel zu tun.

Im Internet „gesteuertes Infoangebot“

Seit seinem Abschied aus Mainz – aus dem Pirmasenser Stadtrat hatte er sich schon vorher zurückgezogen – habe er allerdings festgestellt, dass der Landespolitik wenig Bedeutung in der medialen Berichterstattung beigemessen werde. Die Menschen würden vom Landtag wenig mitbekommen, dabei habe er sich als Abgeordneter immer bemüht und versucht, etwas zu bewegen. Es komme nichts davon beim Wähler an, meint der 67-Jährige. Schlimmer schätzt er die Situation jüngerer Menschen ein: Die hätten den Nachteil, dass sie mit ihren Informationsquellen im Internet durch Künstliche Intelligenz ein gesteuertes Infoangebot erhielten. „Das ist sehr frustrierend“, befindet er.

In jungen Jahren habe er die Infoplakate für Veranstaltungen noch von Hand geschrieben und gemalt, blickt Weiner zurück – heute unvorstellbar. Er holt eine Auswahl an Flugblättern und Plakaten dieser alten Zeiten hervor und erzählt von seinen Erfolgen, die nie so richtig öffentlich geworden seien. So trage er seinen Anteil daran, die beste Filtertechnik in der Müllverbrennung durchzusetzen, versichert er. Für die Niedersimter habe er sich wegen des giftigen Deponiewassers mit dem damaligen SPD-Oberbürgermeister Karl Rheinwalt angelegt und das Medicenter an der Messe sei eine seiner Ideen gewesen. Als größten Erfolg wertet er, dass in seinem Wahlkreis die B10 komplett vierspurig ausgebaut wurde – er meint damit den Wahlkreis Pirmasens in dessen früherem Zuschnitt. Wer Thomas Weiner zuhört, merkt schnell, dass ihm die Politik wirklich fehlt. Zum Abschluss des Gesprächs zieht er den Bogen zurück zu der Zeit, die für ihn das Ende seiner politischen Laufbahn bedeutet hat, und rät: „Gehen Sie zur Vorsorgeuntersuchung. Am besten jedes Jahr.“

x