Pirmasens „Es ist am Ende die Musik, die uns alle trägt“
Namhaften Besuch erwartet die Pirmasenser Festhalle am Samstag, 2. Februar. Das SAP-Sinfonieorchester und der preisgekrönte Pianist Kai Adomeit stellen sich in den Dienst der guten Sache und geben ab 18 Uhr ein Benefizkonzert, dessen Reinerlös dem Förderverein Hospiz Haus Magdalena zugute kommt. Auf dem Programm stehen Kompositionen von Beethoven, Brahms und Gade. Über das Konzert und das SAP-Sinfonieorchester sprach unser Redakteur Christian Hanelt mit der Orchesterleiterin Johanna Weitkamp.
Es ist eigentlich ein Vorkonzert. Für uns ist es die Generalprobe der Konzertsituation, denn nach dem Konzert in Pirmasens sind es noch viereinhalb Wochen bis Hamburg, und für diese Zeit haben wir noch intensive Proben angesetzt, um noch weiter an dem Programm zu feilen, so dass wir dann sicher noch einen Zahn zulegen können. Welchen Unterschied macht es für Sie, in der kleinen Pirmasenser Festhalle aufzutreten und dann in der Elbphilharmonie, einem der renommiertesten Konzerthäuser Europas? Auf jeden Konzertsaal und jedes Konzertpublikum, egal in welchem Saal ich ihm begegne, bereite ich mich mit derselben Intensität und Energie vor, denn für mich hat jeder Zuhörer verdient, dass ich ganz persönlich immer mein Bestes gebe. Und ich denke, da spreche ich auch für unsere Musiker. Natürlich hat ein Saal wie die Elbphilharmonie eine ganz besondere Wirkung auf uns als ausführenden Künstler, aber es ist ja am Ende die Musik, die uns alle trägt. Unterscheidet sich das Publikum in einer kleinen Stadt wie Pirmasens von dem in einer Metropole mit großem kulturellen Angebot? Dass das Publikum in einer kleineren Stadt zwangsläufig mit dem Publikum einer Großstand nicht mithalten kann – das glaube ich nicht. Hier wie dort wird man immer Menschen aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten im Saal haben: sowohl solche mit einem Hintergrund von hoher Allgemeinbildung, Kunstsinn und Musikalität, als auch solche, die in ihrem Leben nicht oder noch nicht die Möglichkeit hatten oder haben, sich diese Dinge zu eigen zu machen. Beide sind mir lieb und wichtig, und gerade unser Orchester engagiert sich sehr dafür, den zweitgenannten Personenkreis an die klassische Musik mehr heranzuführen und sie zu ihrer Entdeckung zu ermutigen. Wie kam das Konzert in Pirmasens überhaupt zustande? Bereits 2016 rief mich Carsten Henn, Chefarzt und Ärztlicher Direktor am Pirmasenser Krankenhaus, zum ersten Mal an und fragte, ob wir bereit wären, ein Benefizkonzert in Pirmasens zu geben. Damals fanden wir jedoch keinen für beide Seiten passenden Konzerttermin. Im Mai 2018 nahmen wir den Faden wieder auf und fanden endlich den optimalen Termin. Nach welchen Kriterien haben Sie das Programm des Konzerts zusammengestellt? Da von vornherein klar war, dass das Konzert in Pirmasens die Generalprobe für Hamburg sein würde, lautet die Frage also, warum diese Werke für Hamburg. Den nordischen Komponisten Johannes Brahms zu wählen liegt nahe, da er in Hamburg geboren wurde, er „gehört“ quasi zu Hamburg. Als Ouvertüre wollte ich ein noch nicht so bekanntes Stück auswählen, da wurde es der – ebenfalls nordische – Niels Gade, der sehr gut zu Brahms passt. Und ein Solistenkonzert muss natürlich auch sein: da wir schon seit Jahren mit dem hervorragenden Pianisten Kai Adomeit zusammenarbeiten, fiel die Wahl auf ein Klavierkonzert. Unter diesen wiederum ist für mich das 5. Klavierkonzert von Beethoven ein absolutes Highlight. Was reizt Sie persönlich besonders an diesem Programm und wo liegen dessen musikalische Herausforderungen? Die filigrane Klarheit des Beethoven und die Kraft und Klangfülle des Brahms. Inwieweit haben die Musiker des Orchesters bei der Programmgestaltung ein Mitspracherecht? Unsere Musiker kommen ja genau wie ich in der Musikwelt viel herum und hören viel, und wenn sie etwas entdecken, was ich womöglich noch nicht kenne, machen sie mich darauf aufmerksam – wofür ich ihnen sehr dankbar bin. Wir berücksichtigen jedoch bei der Programmfestlegung vor allem auch die Bedürfnisse und Wünsche unserer lokalen Konzertveranstalter. Wer ist ihr Lieblingskomponist, was Ihre Lieblingskomposition? Ich kann wirklich keinen nennen. Es gibt so viele unglaublich tolle Musik. Greife ich da jetzt einen heraus, so wäre das reine Willkür. Es ist ja auch nicht jeder Tag gleich, der Fokus der Vorlieben kann sich durchaus ändern. Das SAP-Sinfonieorchester gibt ausschließlich Benefizkonzerte. Welche Philosophie steht dahinter? Ja, es ist richtig. Grundsätzlich alle unsere Konzerte sind als Benefizkonzerte konzipiert, deren Einnahmen gemeinnützigen Zwecken gewidmet werden. Wir legen ferner großen Wert darauf, auch sozial benachteiligten Menschen der Besuch unserer Konzerte zu ermöglichen. Sind Sie und die anderen Musiker des Orchesters Vollzeitmusiker, die eventuell auch noch in anderen Orchestern spielen? Ich bin ein professionell ausgebildeter Orchesterdirigentin mit Diplom, in dem von Ihnen genannten Sinne also ein Vollzeitmusiker. Ein Teil der Musiker des Orchesters sind ebenfalls Profis, die natürlich auch in Konzertprojekten verschiedener anderer Orchester mitwirken. Ein weiterer, nicht unwesentlicher Teil des Orchesters besteht aus Amateuren, die die Musik in ihrer Freizeit pflegen. Wie würden Sie das Orchester beschreiben, was sind seine Stärken? Die große Stärke dieses Orchesters ist die Zusammenarbeit zwischen unseren Profis und unseren Amateuren. Warum spielen Orchestermusiker eigentlich immer vom Blatt, auch wenn sie ein Werk zum x-ten Mal aufführen? Solisten dagegen spielen in der Regel ohne Notenvorlage. Die Musiker im Orchester spielen nicht wirklich vom Blatt, denn sie haben die Werke ja vielfach geprobt. Vom Blatt im engeren Sinne bedeutet ja, man spielt etwas von Noten ab, was man noch nicht kennt und noch nie gespielt hat. Das Spielen im Orchester geht normalerweise nur mit Noten als Gedächtnisstützen. Schauen Sie sich die einzelnen Stimmen einmal näher an: viele Stellen sind einander optisch ähnlich, auch wenn die Töne im Einzelnen verschieden sind. Wollte jeder der vielen Mitwirkenden sich in allem auf sein Gedächtnis verlassen, würde selbst das beste Orchester der Welt bereits nach wenigen Takten aus der Kurve fliegen. Es gibt keine Notwendigkeit für solche uneffektive Gehirnakrobatik, da wir alle die Noten lesen können. Auch ein Dirigent dirigiert nicht immer auswendig. Bei Konzertsolisten ist das etwas anderes, obwohl es auch Solisten gibt, die von Noten konzertieren. In der Regel stellen die Solokonzerte solch herausragende technische Anforderungen an die Virtuosität, der Solist hat diese Passagen in seinem Leben so oft, so lange und so intensiv geübt, dass bei ihm das motorische Gedächtnis ganz anders greift als im Orchesterdienst. Ist das Orchester Teil des SAP-Konzerns? Das SAP-Sinfonieorchester ist zunächst von der Rechtsform her eine eigenständige gemeinnützige GmbH. Gründerin, Gesellschafterin und Geschäftsführerin bin ich selbst. Das SAP-Sinfonieorchester wird zur Erfüllung seiner gemeinnützigen Aufgabenstellung voll und ganz von der Firma SAP SE unterstützt, gesponsert und auch personell getragen – abgesehen von mir selbst auch zum Beispiel Orchestermanager Christian Stumpf, der demnächst auch als Gesellschafter der gGmbH einsteigen wird. Das SAP-Sinfonieorchester vertritt die gleichen Werte und verfolgt die gleichen Ziele wie die SAP SE. Wir schweben also nicht im freien Raum. Bitte nennen Sie drei Gründe, ins Konzert nach Pirmasens zu kommen. Die drei Gründe sind Gade, Beethoven und Brahms. Infos Eintrittskarten zu Preisen zwischen elf und 22 Euro sind erhältlich im Pirmasenser Kulturamt, Telefon 06331/842-352, E-Mail an kartenverkauf@pirmasens.de . Die Abendkasse in der Festhalle ist ab 18 Uhr geöffnet.