Pirmasens Erzieherinnen sprechen beim Oberbürgermeister vor

In den Pirmasenser Kindertagesstätten fehle es an Personal und die vorhandenen Erzieherinnen würden viel zu schlecht bezahlt. Das waren die zwei grundlegenden Defizite, die am Mittwoch von streikenden Erzieherinnen bei einem Termin im Rathaus bemängelt wurden.
Oberbürgermeister Bernhard Matheis zeigte zwar Verständnis für die Streikenden, verwies aber auf die Landesregierung, die den Kindergärten mehr Aufgaben übertrage, ohne sich um die finanziellen Folgen zu kümmern. Ganz besonders eklatant zeige sich der Personalmangel im Winter, wenn der Krankenstand steige und oft genug eine Erzieherin ganz allein mit einer Gruppe fertig werden müsse, sagte Stefanie Hemmer, die Leiterin der Kita Contwig. Die Kommunen müssten für Springer sorgen, die im Ernstfall eingesetzt werden könnten. Zwei bis drei Erzieherinnen seien in Pirmasens nötig, um kranke Kolleginnen zu ersetzen. Zusatzausbildungen würden nicht honoriert und eine Pirmasenser Erzieherin berichtete gar, dass sie für eine Fortbildung nicht freigestellt worden sei, obwohl die Ausbildung vom Arbeitgeber gefordert werde. Generell sehen sich die Erzieherinnen als Fachkraft mit einer Ausbildung, die einem Bachelorstudium gleichgestellt ist. Bezahlt würden sie allerdings weit unter Wert. Die Einstufung ihrer Arbeit stamme noch aus den 70er Jahren, während sich die Anforderungen inzwischen erheblich erhöht hätten. „Wir sind am Kind von morgens bis abends“, sagte Katja Vogel von der Fehrbacher Kita. Während früher der Kindergarten großteils nur morgens betreute, sei es heute eine ganztägige Erziehungseinrichtung und teilweise gar Erziehungsersatz, erklärte Vogel gegenüber OB Matheis. Die Betreuung der unter Dreijährigen verursache viel Aufwand. „Wir haben jetzt Wickelkinder“, meinte Gudula Knieriemen aus Niedersimten. Die Kleinen müssten Sauberkeit lernen. Sprachförderung müsse betrieben werden, zählte die Fehrbacher Erzieherin auf und eine Kollegin ergänzte: „Die Kinder werden immer anstrengender, auffälliger und lauter, während die Eltern immer anspruchsvoller sind.“ Vogel sieht mit der bald geforderten Inklusion weitere Anforderungen auf die Erzieherinnen zukommen. „Hier fehlt es an Fortbildung. Da müssen wir uns wieder mal reinwursteln mit Learning by Doing.“ „Vieles ist unbestreitbar“, meinte Matheis. In Details sei ihm allerdings die Dimension der Situation in den Kitas nicht so bekannt gewesen, räumte er ein. Matheis stellte aber auch die Frage, ob die „Überforderung“ mit mehr Geld für die einzelne Erzieherin aufzufangen sei oder nur durch mehr Personal kompensiert werden könne. Matheis verneinte, dass die Arbeit von Erzieherinnen seit Jahrzehnten nicht neu bewertet worden sei. Seit 2009 würden 30 Prozent mehr an Gehältern gezahlt. „Das steht so in meinem Haushalt“, so Matheis, der auch davor warnte, mit einem satten Plus bei den Erzieherinnen das Gehaltsgefüge gegenüber anderen städtischen Angestellten aus dem Lot zu bringen. „Das muss im Verhältnis stehen.“ Zudem solle auch das Land, das die neuen Standards festlege, bei der Finanzierung mithelfen. Falls die Arbeitgeber auf die Forderungen der Erzieherinnen nach zehn Prozent mehr Lohn eingingen, würde dies Mehrausgaben von 370.000 Euro für die Stadt Pirmasens bedeuten. (kka)