Pirmasens Erstaunliche Dynamik in an sich schweren Objekten

Mit dem Vorderweidenthaler Martin Schöneich zeigt in der Dahner Galerie N derzeit ein Künstler sein Werk, der durch seine Konsequenz beeindruckt. Der Bildhauer und Grafiker arbeitet unbeeindruckt von Moden und Strömungen an einer Linie und entwickelt seine Formensprache, womit er inzwischen buchstäblich zu einem künstlerischen Schwergewicht in der Region wurde.
In der Galerie N hat Schöneich kleinere tischtaugliche Skulpturen mitgebracht sowie eine bemerkenswerte Serie Linoldrucke. Der in Vorderweidenthal lebende Künstler arbeitet ansonsten eher in tonnenschweren Dimensionen. Kürzlich gestaltete Schöneich das Denkmal für die Opfer des Amoklaufs in Winnenden und in Pirmasens steht eine riesige Skulptur, Titel „Goldener Schuss“, mit Fußballbezug. All seinen Objekten gemein ist die erstaunliche Dynamik, die der Südpfälzer in seine Kreationen legen kann. Das trifft auch auf die in Dahn zu sehenden kleineren Arbeiten, die von Schöneich in Tonmasse oder Holz gestaltet wurden. „Rotation“ ist der Titel der Dahner Ausstellung und dabei belässt es der Künstler dann auch. Die Objekte haben nur Titel wie „R15-14“ oder „RV08“. Das hat Vorteile und dadurch unterscheidet sich Schöneich von anderen Künstlern, die mit ihren Bildtiteln Bezüge unglaublichen Ausmaßes herstellen wollen, was oft im krassen Gegensatz zum Werk steht. Schöneichs Objekte stehen nur für sich selbst da. Der Titel dient dem Künstler wohl für die Verwaltung im Werkverzeichnis. Und das ist gut so. Dadurch gewinnt das Werk im Fall Schöneichs gewaltig und kann allein durch sich wirken. Die großen schweren Formen Schöneichs in den Skulpturen und Grafiken scheinen aus ihren geometrischen Grundformen fliehen zu wollen. Schöneich präsentiert im Holz und Ton Bewegungsfacetten und erschließt sich einen praktisch unendlichen Formenreichtum, der immer wieder neu ausgelotet und zu immer gewagteren Kreationen getrieben werden kann. Das macht der Künstler auch, allerdings auf eine Art, die erkennen lässt, dass hier einer am Werk war, der auch in der Ruhe eine Kraft zu finden in der Lage ist. Trotz ihrer schweren Materialien und massiven Formen schafft es Schöneich seinen Objekten und gedruckten Bildern eine Leichtigkeit zu verschaffen, die letztendlich einen sehr spannenden Kontrast zur Folge hat. Weit über das zu sehende hinaus verweist der Künstler mit seinen Objekten auf mehr als letztlich jeder Bildtitel noch sagen könnte. Gute Kunst ist da in der Galerie N zu sehen, die vielleicht keinen breiten Geschmack treffen wird, aber denjenigen, die entsprechende Muße mitbringen, tiefergehendere Einblicke ermöglichen als viele andere Ausstellungen, die sonst so in der Region zu sehen sind. Der 1955 in Grünstadt geborene Künstler begann zunächst eine Lehre als Modellschreiner bevor er 1978 zu einem Kunststudium nach München ging. Seit 1985 ist er als freier Künstler tätig und seit 2008 auch mit einem Lehrauftrag an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ausgestattet. Sein künstlerisches Werk wurde vielfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er den Mannlichpreis München und den Förderpreis für Bildhauerei des Landes Rheinland-Pfalz. Am kommenden Sonntag wird Schöneich in der Dahner Galerie N persönlich anwesend sein und die Besucher durch die Ausstellung führen. Um 15.30 Uhr will der Südpfälzer die gedanklichen Hintergründe seines Schaffens und die Themen, mit denen er sich auseinandersetzt erläutern. Exklusiv für die Ausstellung in Dahn hat Schöneich eine fünf Exemplare umfassenden Kleinserie einer seiner Plastiken aufgelegt, die während der Ausstellung zum Sonderpreis erworben werden können. Die Ausstellung ist bis 28. September mittwochs, donnerstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.