Pirmasens Eine Retrospektive erinnert an den Architekten August Härter
Der Kunstverein Pirmasens hat in den noch in Renovierung befindlichen Räumen in der ersten Etage des Neufferpavillons eine umfangreiche Dokumentation zu dem Architekten und ehemaligen Pirmasenser Oberbaurats August Härter (1886-1968) zusammen getragen, der diese Position von 1924 bis 1938 inne hat; damals entließ der nationalsozialistische Oberbürgermeister Emil Gauer ihn im Streit.
In Themenplakaten fasst die Ausstellung das Leben und Wirken von August Härter zusammen. Eine Tafel ist seiner Herkunft, Ausbildung und den verschiedenen beruflichen Stationen gewidmet. Der 1886 geborene Sohn eines Pirmasenser Gärtners besuchte die Realschule seiner Heimatstadt und legte das Abitur dann 1908 in Mainz ab, nach zwei Jahren an der Königlichen Baugewerkeschule in Stuttgart. Von 1908 bis 1913 studierte er Hochbau an der Technischen Universität Darmstadt. Von 1910 bis 1912 war er Mitarbeiter des Architekten und Hochschullehrers Karl Hofmann, danach bei dessen Kollegen Paul Meissner. Im ersten Weltkrieg war er als Brückenbau-Ingenieur in Nordfrankreich und Rumänien tätig. Von 1919 bis 1924 wirkte er im Bauamt Ludwigshafen, ab 1920 als Abteilungsleiter für Siedlungswesen.
Nach seiner Entlassung in Pirmasens ging er als freier Architekt nach Frankfurt. Im Zweiten Weltkrieg wirkte er als Hauptmann eines Brückenbaubataillons in Polen und Frankreich und reparierte Krankenhäuser im Kölner Raum; danach nahm er seine Tätigkeit in Frankfurt wieder auf. Eine Tafel ist auch seinen Lehrern gewidmet.
Das Herzstück der Ausstellung dokumentiert auf mehreren Tafeln sein Wirken in Pirmasens. Hier schuf er das heute noch in Betrieb befindliche Stadtbad; von diesem Bauwerk ist ein Modell zu sehen. „Die Eingangshalle ist noch unverändert, die Schwimmhalle allerdings wurde in den 1980er Jahren modern ausgebaut“, erzählte Alexander Nicolay, der die Härter-Retrospektive als Kurator betreut. „Auch das Teehaus für den Schuhfabrikanten Neuffer baute Härter, im Jahr 1929“, das Modell ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.
Das historische Bildmaterial stammt aus dem Stadtarchiv von Pirmasens oder wurde uns von der Familie von August Härter zur Verfügung gestellt“, beschrieb Nicolay die Quellen und den Entstehungsprozess. „Dazu haben wir Material aus dem Stadtarchiv gesichtet, darunter viele historische Baupläne. Die Entnazifizierungsakte von Härter stammt aus dem Hessischen Staatsarchiv Wiesbaden.“
In Pirmasens realisierte Härter die Horeb-Südbebauung um den Darmstädter Platz, stellte den Waldfriedhof fertig, baute eine Kinderreichensiedlung am Wasserturm und das Arbeitsamt in der Maler-Bürkel-Straße, das heute als Jugend- und Sozialamt genutzt wird. Die Landwirtschaftsschule in der Adam-Müller-Straße kennen die Pirmasenser heute als Ordnungsamt. Das Stadtbad in der Lemberger Straße und die Sommerwaldsiedlung waren weitere Höhepunkte seiner Tätigkeit als Oberbaurat von Pirmasens, außerdem entstanden Volkswohnungen am Weißhof.
„Die Weltwirtschaftskrise hat Pirmasens hart getroffen, es gab viele Arbeitslose“, erinnerte Nicolay. „August Härter realisierte das Projekt Sommerwaldsiedlung in den Jahren 1932 bis 1935. Hier bauten arbeitslose Handwerker für sich selbst eine Siedlung mit Gartenstadt als Selbstversorgersiedlung, die Materialien stellte die Stadt.“ Wie das aussah, zeigen mehrere Fotos der Ausstellung. Die sechs Bauabschnitte sind genau dokumentiert, auch die Gartenplanungen. „Da kam der Gärtnerssohn durch“, meinte Nicolay.
Das Arbeitsamt zeichnete sich ebenfalls durch seine durchdachte Planung aus. Die Innenräume konnten durch verschiebbare Wände flexibel gestaltet werden, je nachdem, wie viele Menschen betreut werden mussten.
„Diese Sachlichkeit – modern, rational und schlicht – charakterisierte Härters Stil in den 1920er Jahren“, bestätigte Nicolay. Sie hat bis heute ihre Spuren im Stadtbild von Pirmasens hinterlassen.
Info
„Härter Retrospektive“, Pirmasens, Neufferpavillon, bis 19. Juni, Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag von 15.30 bis 17.30 Uhr sowie Sonntag von 14 bis 17 Uhr..