Pirmasens
Ein Tag auf der Wache: So arbeitet die Polizei
„Wenn du dich verläufst, geh zum nächsten Schutzmann!“ So oder so ähnlich wurde Kindern früher beigebracht, wo sie Hilfe finden können. Heute spricht bei den bewaffneten Beamten in Uniform kaum noch jemand von Schutzmännern: Es sind Polizistinnen und Polizisten – helfen wollen sie trotzdem noch. Aber wie sieht eigentlich der Alltag auf der Polizeistation in der Pirmasenser Wiesenstraße aus?
Bei all dem Stress, den der Beruf mit sich bringt, ist es naheliegend, dass es zum Schichtbeginn erst einmal eine Stärkung gibt. Mit Mikrowelle, Herd und mehreren Kaffeemaschinen sind die Beamten gut ausgestattet, um fit in den Dienst zu starten. Herz, Lunge und Gehirn der Pirmasenser Polizei ist die Einsatzleitstelle. „Hier gehen Notrufe und Funksprüche ein, die gesamte Haustechnik wird gesteuert und die Einsätze werden koordiniert“, erklärt Marc Emlich. Der 31-jährige Polizist ist an diesem Tag im Streifendienst und wartet darauf, mit einem Kollegen zum nächsten Außeneinsatz zu fahren. Die Wachhabende ist Anna-Lena Weber. Die junge Polizistin hat alle Telefone, Funkgeräte und Bildschirme im Blick. Doch es ist ein ruhiger Mittag. Nur einmal klingelt der Hörer für den Notruf: Fehlalarm. Ein paar Kinder hatten sich am Telefon ihrer Mutter vergriffen und die 110 gewählt. Kein Grund für die Beamten, um auszurücken.
Keine Problemviertel
Solche ruhigen Momente seien allerdings nicht die Regel. „Hier geht’s manchmal zu wie im Callcenter“, erzählt Emlich lachend. An Wochentagen ließe sich das aber nicht festmachen, wie der Streifenpolizist weiß: „Es wird nicht jede Samstagnacht die Hütte abgerissen. Da war es auch schon ruhig und dafür war montags viel los.“ Insgesamt hat der 31-Jährige allerdings den Eindruck, dass seit der Pandemie weniger passiert: „Grundsätzlich ist seit Corona etwas Ruhe eingekehrt.“ Die Frage, ob es in Pirmasens ein Problemviertel oder eine Problemstraße gebe, verneinen die Beamten. „Es gibt keinen bestimmten Ort. Es gibt eher Problemhäuser, zu denen man öfter hinkommt. Die verteilen sich auf die ganze Innenstadt“, schildert Weber.
Doch auch, wenn es mal ruhig zugeht, müssen die Polizisten bereit für den nächsten Einsatz sein und dazu gehört eine ganze Menge an Ausrüstung. Der Gegenstand, den wohl die meisten mit einer Polizeiausrüstung assoziieren, ist die Dienstwaffe. Die wird von allen Beamten stets am Körper getragen, inklusive Ersatzmagazin. Aber auch Handschellen, Schutzweste, Funkgerät, Taschenlampe und Handschuhe dürfen nicht fehlen. Ein Schlagstock gehört nicht zu Emlichs Ausrüstung. „Das würde mir dann zu viel werden und ich habe ihn sowieso noch nie benutzt“, sagt er. Dafür hat er immer einen Taser bei sich. Das ist ein Elektroschocker mit bis zu sieben Metern Reichweite, den die Polizisten einsetzen, um Angreifer abzuwehren oder Verdächtige an der Flucht zu hindern. Er dient aber auch zur Abschreckung. „Das ist ein gutes Hilfsmittel, weil keine Verletzungen zurückbleiben“, berichtet Emlich. Vor allem im Vergleich zu Pfefferspray sei der Taser im Einsatz besser. „Das Spray kann potenziell zur Gefahr für einen Kollegen oder einen selbst werden“, sagt der Polizist. Außerdem weiß Emlich aus erster Hand, wie sich ein Taser anfühlt. „Als es noch erlaubt war, habe ich mal ein Selbstexperiment gewagt. Ich kann es keinem empfehlen, es ist sehr schmerzhaft“, erzählt er lachend.
Komplett vollgepackt
Neben den Beamten selbst sind ihre Streifenwagen ebenfalls komplett vollgepackt, um auf jeden möglichen Einsatz vorbereitet zu sein. „Vor ein, zwei Jahren wurden unsere Autos ausgetauscht. Jetzt haben wir viel mehr Platz, trotzdem sind sie komplett vollgestopft“, sagt Emlich, während er den voll beladenen Kofferraum zeigt. Dort finden sich Alkohol- und Drogentests sowie Pylonen, Absperrungen und Markierungsspray zur Verkehrssicherung wieder. Für den Ernstfall – zum Beispiel Amok- oder Terrorwarnungen – haben die Beamten zusätzliche Ausrüstung. „Für sogenannte lebensbedrohliche Einsatzlagen haben wir noch eine 20 Kilo schwere Schutzweste, die Gewehrschüsse aufhält, und eine Maschinenpistole dabei“, erklärt Emlich. Hinter dem Fahrersitz holt er zudem einen großen und schweren Schutzhelm hervor. Als Emlich noch in Landstuhl arbeitete, musste er diese Spezialausrüstung schon anlegen, weil es einen Amokalarm an einer amerikanischen Schule gab. „Das möchte man eigentlich nicht, weil man weiß, dass es ernst wird. Zum Glück hatten die Amerikaner schon alles erledigt, als wir angekommen sind, und der Verdächtige war schon in Gewahrsam“, erinnert er sich.
Was der Polizei neben der Verbrecherjagd aktuell die meisten Kopfschmerzen bereitet, ist der fehlende Nachwuchs. „Wie fast alle Verwaltungen und Unternehmen haben wir momentan das Problem, dass zu wenig junge Leute nachkommen“, klagt Peter Kiefer, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Pirmasens. Dem möchte man entgegentreten, indem man in den Sozialen Medien präsenter wird. Marc Emlich wird ab Ende März in die Rolle des „Insta-Cops“ schlüpfen und freut sich schon auf seine neue Zusatzaufgabe: „Ich darf zusammen mit einem Kollegen aus Kaiserslautern unseren Alltag bei Instagram zeigen und Fragen zu unserer Arbeit beantworten.“ So kann auch die nächste Generation daheim auf dem Smartphone sehen, was denn eigentlich der „Schutzmann“ macht.
