Pirmasens
Ein Fest für Toleranz und Akzeptanz
„Fremde brauchen Freunde – wir auch“. Unter diesem Motto hat das Multikulturelle Freundschaftsfest mit einer bunten Reise durch verschiedene Kulturen rund um den Schusterbrunnen vor der Lutherkirche erneut Groß und Klein begeistert – ein traditionsreiches Fest der Kulturen, das seit 26 Jahren die Vielfalt auf dieser Erde mit allen Sinnen erlebbar macht und es sich zum Ziel gesetzt hat, ein Zeichen für Toleranz und Akzeptanz zu setzen.
Afrikanische Trommelmusik, orientalischer Tanz, irische Folklore, Lieder aus aller Welt und Patchwork-Theater mitten aus und in Pirmasens: Die mittlerweile 26. Auflage des multikulturellen Freundschaftsfestes hatte auf der Bühne wieder einiges zu bieten. Schon früh am Sonntagmittag hatten es sich Einheimische und Zugezogene aus aller Herren Länder rund um den Schusterbrunnen gemütlich gemacht, um dem vielfältigen Programm auf der großen Bühne zu lauschen und Spezialitäten aus verschiedenen Ländern zu genießen.
Musik aus Irland und Russland
Während die Gruppe Éiriù, gerade erst vor zwei Jahren gegründet, schnelle und tanzbare irische Musik sowie romantische Melodien anstimmt, spielen Kinder verschiedener Nationalitäten und verschiedenster Hautfarben mit bunten Luftballons und verständigen sich, wo die Sprache an ihre Grenzen stößt, mit Händen und Füßen. Sie lachen und quietschen und tanzen zum Takt der Musik. Grundschulmädchen der Kindertanzgruppe Sonnenblume wirbeln mit bunten Bändern, lassen zu einer flotten russischen Musik ihre roten Röcke fliegen oder wedeln mit gelben Pompons.
Mittendrin sitzt Michael Weber aus Pirmasens, der es sich neben einem aus Nigeria stammenden Einwanderer gemütlich gemacht hat. „Das Fest gefällt mir sehr gut und natürlich freut es mich, dass heute das Wetter mitspielt“, sagt er. Beeindruckend findet Weber vor allem die musikalischen Darbietungen – und natürlich die Kulinarik ferne Länder. Türkische Teigwaren hat er bereits probiert, sowie ein Joghurtgetränk mit Salz und Wasser, das er so zum ersten Mal getrunken hat. „Willst Du auch ein Stück Kuchen?“ fragt er seinen Tischnachbarn und gibt ihm kurzerhand einen typisch deutschen Marmorkuchen von einem der aufgestellten Stände auf. „Man hat hier schnell ein angenehmes und schönes Gespräch“, stellt Weber fest und vertieft sich weiter ins Gespräch mit seiner neuen Bekanntschaft.
Fluchtschicksale in der eigenen Familie
Schräg gegenüber sitzt Bärbel Henning aus Pirmasens und freut sich an einem Beitrag des Luther-Kindergartens. „Ich bin zum ersten Mal hier, da ich von dem Fest in der Zeitung gelesen habe. Das hat mich gleich interessiert“, sagt sie. Fremde Kulturen seien sehr interessant, schließlich sei auch ihre Familie irgendwann zugezogen. „Meine Mutter stammt aus der ehemaligen DDR und ist lange vor der Wende mit ihren Kindern hierher geflüchtet. Die Flucht war nervenaufreibend und gefährlich. Auch sie hatte es damals nicht einfach, deshalb kann ich die Flüchtlinge von heute so gut verstehen“, berichtet sie und begutachtet die Infostände an der Festmeile, die mit verschiedenen Aktionen und Attraktionen locken.
Während es auf der Bühne mit syrischen und kurdischen Tänzen weiter geht, wo nicht nur Kinder, sondern auch gestandene Senioren staunend die Augen weiten, steht Stefan Beitelstein an seinem Infostand des Caritas Förderzentrums Vinzenz von Paul. Als Bereichsleiter der Einrichtung will er mit seinen Mitarbeitern psychisch kranken Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Beim multikulturellen Freundschaftsfest ist er zum zweiten Mal zu Gast. „Wir als karitative Einrichtung haben es uns zur Aufgabe gemacht, generell niemanden auszugrenzen, sondern Menschen jedweder Herkunft und jedweder Vorgeschichte einzuladen. Das Freundschaftsfest ist ein Ort der Begegnung. Wir sind für alle Menschen offen und für alle Menschen da“, erklärt er und backt einem hungrigen Kind eine Motivwaffel mit Puderzucker für wenig Geld.
Dass Menschen, aus welchen Gründen auch immer, am Rande der Gesellschaft stehen können, kennt Beitelstein nicht zuletzt aus seinem Beruf. Deshalb ist es ihm auch ein Anliegen, sich für das multikulturelle Freundschaftsfest zu engagieren. „Es ist gut und nötig, dass verschiedene Gruppierungen ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz setzen“, sagt er.