Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Ein bisschen wie Robin Hood

Das Ziel ist nicht immer leicht zu erkennen und der Untergrund nicht immer eben. Der Niederländer Thomas Van Eil zielt auf „Rot
Das Ziel ist nicht immer leicht zu erkennen und der Untergrund nicht immer eben. Der Niederländer Thomas Van Eil zielt auf »Rot 10«, sein Kontrahent, der Hamburger Henrik Hornung, beäugt die Trefferlage.

Drei Jahre lang fiel das traditionelle Osterturnier der Dahner Bogenschützen coronabedingt aus. Am Karsamstag und Ostersonntag fliegen in der Pfaffendölle wieder die Carbon-Pfeile. Die 45. Auflage des Internationalen Feld- und Jagdturniers steht bevor. Die etwa 40 Mitglieder sind geübt in der Ausrichtung, schließlich veranstaltete der kleine Verein auch schon zwei Weltmeisterschaften, die letzte 2010. Seit Wochen laufen Arbeitseinsätze. Die Pflöcke wurden erneuert, Scheiben hergerichtet und die Schießbahnen wurden freigeschnitten.

Was erwartet die Teilnehmer?
Das Osterturnier ist bekannt und beliebt. Das hat mehrere Gründe: Es ist das erste große Freiluftturnier der Saison, und der Parcours gilt als anspruchsvoll, bei einigen ist er sogar gefürchtet. Das hängt vor allem an der Topographie. Denn entgegen olympischen Standards – dort wird auf Ringscheiben auf glattem Untergrund geschossen – müssen die Teilnehmer große Höhenunterschiede bewältigen, entweder Berg- oder Talschüsse machen. Der Stand im Wald ist auch schwieriger als auf anderen Untergründen, und nicht zuletzt wird die Sicht auch durch Natureinflüsse wie Schattenwurf und Gegenlicht beeinträchtigt. „Wir nutzen das herrliche Gelände des Dahner Felsenlandes optimal aus, um jeden einzelnen Schuss für die Teilnehmer interessant und anspruchsvoll zu gestalten. Ein gutes Ergebnis verlangt Können und auch Einsatz“, erklärt Jochen Riehm, der erste Vorsitzende der Dahner Bogenschützen.

Wie ist der Ablauf an den beiden Wettkampftagen?
An beiden Tagen beginnt das Turnier nach einer kurzen Einweisung gegen 9 Uhr mit zwei Böllerschüssen. Geschossen wird in Kleingruppen von etwa sechs Teilnehmern, die nicht zwingend die gleiche Bogenklasse schießen müssen. Das heißt, die Entfernungen sind variabel und richten sich nach Alter und Bogentyp. Blankbogenschützen und Kinder stehen näher zum Ziel, die Compoundbögen-Teilnehmer sind am weitesten vom Ziel entfernt. Die Ziele werden traditionell farblich markiert, mittels Holzpflöcken bei jedem der 28 Scheiben angezeigt. „Die kürzeste Entfernung beträgt knapp über zehn, die weiteste knapp über 60 Meter zum Ziel“, informiert Riehm. Während die Blankbogen keinerlei technische Erleichterung besitzen, es sind quasi „Robin-Hood-Bögen“, sind die modernen Compound-Bögen High-Tech-Bögen und mit Abzugs-, Stabilisierungs- und Zielhilfen ausgestattet. In der Klasse Compound Unlimited werden auch die meisten Ringe erzielt. Am ersten Wettkampftag wird eine Feld- und Jagdrunde geschossen auf einem von zwei Parcours, die rot und weiß markiert sind. Die Teilnehmer werden in Kleingruppen von sechs Schützen eingeteilt. Diese durchlaufen im Laufe des Tages alle 28 Scheiben. Am Sonntag steht die Tierbildrunde an. Die Teilnehmer wechseln den Parcours, damit jeder einmal beide Parcours durchlaufen hat.

Wie erfolgt die Wertung?
Bei der Feld- und Jagdrunde am Samstag werden vier Pfeile auf jede der 28 Scheiben geschossen. Maximal 20 Ringe können pro Scheibe erzielt werden, insgesamt also 560 Ringe. Am Sonntag werden bis zu drei Pfeile pro Scheibe geschossen. Pro Scheibe können maximal 20 Ringe erzielt werden, insgesamt gibt es also 1120 Ringe zu erzielen. Diese werden durch einen von der jeweiligen Gruppe benannten „Scheiben-Käpt’n“ an die Wettkampfleitung übermittelt. Er sorgt auch für den reibungslosen Ablauf innerhalb der Gruppen. Am Ende gewinnt, wer die meisten Ringe erzielt hat. Bei Punktgleichheit hat derjenige gewonnen, der das bessere Ergebnis am zweiten Wettkampftag erzielt hat.

Wie hat der Verein die Corona-Jahre ohne Einnahmen aus dem Osterturnier überstanden?
„Hauptsächlich aus zum Glück noch vorhandenen Rücklagen aus der Weltmeisterschaft 2010 und vorherigen Turnieren“, schildert Riehm die Lage. Von der Sparkasse und der VR-Bank habe es während der Pandemie Vereinshilfen und Förderungen gegeben, das habe geholfen, die Unterhaltskosten zu decken.

Wie sehen die Sicherheitsvorkehrungen aus für Teilnehmer und andere Waldbesucher wie Wanderer, Jogger und Mountainbiker?
Die Teilnehmer bewegen sich in abgegrenzten und ausgewiesenen Wegen und Bereichen zwischen den Scheiben. Beide Parcours sind also gut gesichert. „Gefährdete Bereiche gibt es auch, die Waldbesucher werden dann umgeleitet“, merkt Riehm an. Komplett gesperrt sei die „Kauert-Tour“. Über die Sperrungen wird auch im Internet informiert unter „Kauert-Tour Ostern“ und „VG Dahner Felsenland“. Sicherungspersonal ist ebenfalls an beiden Tagen vor Ort, um die Spaziergänger zu informieren.

Wo können sich interessierte Zuschauer einen Einblick über das Geschehen verschaffen?
„Am einfachsten und sichersten können sich interessierte Gäste von der Pfaffendölle aus einen Überblick verschaffen. Sie sollen einfach uns Dahner Bogenschützen ansprechen“, so Riehm. Er rät dringend davor ab, ohne Begleitung in den Wald zu laufen, weil es schlichtweg zu gefährlich sei.

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