Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Ein bewusster Störfaktor auf dem Schreibtisch: So arbeitet eine Amtsleiterin in Pirmasens

Heike Wittmer an ihrem Arbeitsplatz im Rathaus.
Heike Wittmer an ihrem Arbeitsplatz im Rathaus.

Eigentlich mag Heike Wittmer auf ihrem Schreibtisch Ordnung. Mit einer Ausnahme: Das schlechte Gewissen liegt in Form einer grauen Aktenbox bereit – und mahnt täglich.

Alles, was Heike Wittmer für das tägliche Arbeitsleben braucht, findet sich rund um ihren Schreibtisch im Rathaus. Digitale und analoge Elemente sind dabei gemischt: Am Bildschirm hängt die Web-Kamera für Besprechungen, in den Schubladen liegen Stempel und Briefumschläge. Als Amtsleiterin Kultur und Stadtarchiv hat Wittmer noch einen zweiten Schreibtisch in der Alten Post, perspektivisch wird sie ihr Büro dorthin verlegen.

„Ich habe fast kein Papier mehr“, sagt Wittmer mit Blick auf das digitale Dokumentenmanagement. Akten habe sie mittlerweile digital dabei. An anderer Stelle arbeitet sie aber immer noch lieber mit Papier. Und so gehört ein Notizbuch zur festen Ausstattung, in dem sie bei Sitzungen per Hand mitschreibt. Darin finden sich auch Arbeitsaufträge, die es abzuarbeiten gilt. „Das sind keine bleibenden Notizen, sondern Gedächtnisstützen“, sagt Wittmer. Ins Archiv wandern diese Notizbücher nicht, anders als ihr Kalender, in dem sie alle Kulturtermine in der Stadt einträgt. Auch diejenigen, für die sie gar nicht verantwortlich ist. So lasse sich verhindern, dass Termine doppelt belegt werden.

Blick in die Glaskugel

Ab und zu wirft Heike Wittmer einen Blick in die Glaskugel – immer dann, wenn sie einen Dokumentenstapel abarbeitet, der von einer transparenten Kugel beschwert wird. Sie sei fasziniert von der Glasbläser-Kunst, gerade die Briefbeschwerer haben es ihr angetan. Allerdings besitze sie nur einen davon: „Privat sammle ich fast nichts“, sagt Wittmer. Wenn sie etwas kaufe, dann für das Stadtarchiv.

Kunst gibt’s auf dem Schreibtisch und an der Wand. Auf dem Tisch steht die Bronze eines jungen Ziegenbocks, dessen Hörner schon recht abgewetzt und glänzend sind. Dieses Kunstwerk der städtischen Sammlung habe ihr sofort gefallen: „Weil es auch mal anders gehen muss, zur Not auch mit dem Kopf durch die Wand“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Die Beharrlichkeit, den eigenen Weg zu gehen und stringent die eigenen Ziele zu verfolgen, spiegelt sich für Heike Wittmer in der Figur der Jeanne D’Arc wider, die auf ihrem Schreibtisch steht und die sie privat gekauft hat.

Eigener Platz für das schlechte Gewissen

Auch das schlechte Gewissen hat einen Platz auf ihrem Schreibtisch gefunden, in Form einer grauen Aktenbox. „Ich muss noch einen Aufsatz schreiben“, sagt Wittmer. Also bleibt die Box auf dem Tisch liegen: „Damit sie mich täglich stört.“ Ansonsten mag Heike Wittmer Ordnung auf dem Schreibtisch, Chaos mache sie eher unglücklich. Gleiches gelte für den E-Mail-Eingang, der müsse übersichtlich sein.

Das Archiv wachse immer weiter, es komme immer mehr Material herein. Und so sind das Sammeln und Bewahren wichtige Elemente von Wittmers Tätigkeit. Letztlich komme viel mehr herein, als aktiv ausgewertet werden könne. Da beneide sie manchmal die Besucher des Archivs, die tief im eigenen Thema drin seien und sich in Ruhe damit auseinandersetzen können.

Über dem Tisch geht es tierisch zu: Dort hängt ein großformatiges Bild einer Krabbe. Das Spiel mit dem Licht, die Helligkeit und das Dunkle auf dem Bild habe sie sehr inspiriert. Daneben hängen drei Bilder ihres Sohnes Luis Wittmer, der als Naturfotograf viele besondere Momente fotografisch eingefangen hat. Die Deko soll beim Umziehen mitkommen, wann genau sie ihren Schreibtisch in der Neuen Post bezieht, weiß Wittmer noch nicht. Das hänge davon ab, wann die Sachgebietsleitung Archiv neu besetzt wird.

Weiter gibt es eine Postkarte des Triadischen Balletts des Bauhauskünstlers Oskar Schlemmer, das Wittmer 2023 nach Pirmasens brachte. Das sei damals durchaus ein Risiko gewesen, umso mehr habe sie sich gefreut, dass das Stück ein so großer Erfolg geworden sei. Mit einer begleitenden Aktion, bei der sich Schülerinnen und Schüler einbringen konnten, sei ein großes Publikum erreicht worden.

Die Serie

Der Schreibtisch ist das Herzstück eines jeden Büros und dabei genau so individuell wie die Person, die an ihm arbeitet. Doch was findet sich alles auf den Möbelstücken, an denen die meisten von uns den Großteil ihrer Arbeitszeit verbringen? In einer neuen Serie stellen wir ihnen Menschen und ihren Arbeitsplatz vor.

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